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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-01 · Heft 27 (1.7.1850) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 27 (1.7.1850)
Date
1850-07-01
Page
Seite 370 (sequence 2)
Language
German
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370 Oder wird mild empor die Sonne steigen, Und immer lichter ihrer Stahlen Reigen Durch alle Raume dringen? Wird sanft der Zephyr seinen Fittig schwingen, Der Thau die Perlen auf die Blüten breiten. Der Vögel Sang durch Flur und Wälder gleiten? Und also Fried' und Freud' und reiches Wirken Her wandeln in der Erd' Bezirken, Bis wieder uns im sternbesäten Kleide Die laue Nacht sinkt an des Tages Scheide? Licht, Licht, Herr, o Dein goldnes Licht, Wie's durch den Raum und durch die Geister bricht. Nicht mit der Flamme, die verheerend zückt, Nicht mit der Glut, die schwer versengend drückt. Das Licht, das Licht der Fcühlingssonnen, O der Erkenntniß und des Friedens Bronnen, Wenn längst des Winters Frost und Sturm geschwunden, Und holde Blüt' und süße Frucht bekunden. Daß in des Schöpfers ewigem Bewahren Sich Erd' und Himmel neu verklären.... 14. Wie? ist es möglich? diese süße Ruhe Noch ausgebreitet auf der Erde Fluren? Im wilden Sturm der Menschheit, Wo Alle Krieg gen Alle schwuren. Im wilden Drang der Leidenschaften, Die blutgeröthet ihre Schwerter schwingen, Wie konnt's dem trauten Frieden eine Stätte Zu finden noch gelingen? Jst's weil der Städte Larmen weit von hier, Nur Feld und Wies' und Berg und Wald sich breiten, Weil nicht des prächtigen Stromes Wogen, Des Bächleins Wellchen hier nur gleiten? Weil in des Grases hohem Halmenwalde Im Eichenschatten, ach, der Sitz so traut, Ob auch von tausend bunten Käfern Um mich herum der Stimmen Summen taut? Ob auch im Haus ein Sarg, ein niedrer, stehet. Darin ein Todter, mir ein Herzfreund, ruht; Sein Aug' geschlossen, seine Hand so kalt — Ist doch zu Ende seines Siechthums Glut, Und seine Liebe hat des blauen Himmels Erhabnes Dach zur Wohnung sich gewählt, Sein Geist erlabt sich an des Lichtes Quellen, Am Sonnenball und Sternenzelt — Ist mir doch Friede durch die Welt gestreut. Und süß entflieh'» die Stunden, ach, die Tage; Tod ist hier Leben in der Schöpfung Kreisen, Und leise wird zu stiller Lust die Klage. 15. Im Sonnenschein, im hellen Sonnenschein, Wenn auf der Erden liegt von Strahlen Die goldne Decke, dahinein Geblendet schaut das Menschenauge, Und die Pupille zieht sich schnell zusammen. Es schmerzen sie so viele Fammen! So wird das Herz von zu viel Glück geblendet. Daß es sich eng um sich zusammenzieht. Der Selbstsucht wird es zugewendet, Wenn ihm das Schicksal allzuwarm geglüht. Oie Nacht, die heil'ge Nacht erschließt Des Herzens Pforten, daß der Strom Der sanftesten Gefühle sich ergießt. Die Seele steigt zum klaren Sternendom: Vom Thau der Trauer thrant das Auge mild, Ist auch das eigne Weh gestillt. Zeitungsnachrichten. Die Schweiz. Bern, 9. Juni. Die neueste Volkszählung weist für den Kanton Bern eine Gesammtbevölkerung von 458,225 Seelen nach, darunter 54,044 Katholiken, 403,693 Protestanten, 488 Juden. (Unsere Glaubensgenossen sind demnach auch in der Schweiz im Wachsen.) Deutschland. Berlin, 20. Juni. Die Voss. Ztg. schreibt: Die preußische Bevölkerung dürfte demnächst einen ganz eigenthümlichen Zuwachs erhalten. Die kleineren Gastwirthschaften in Polen werden fast ausschließlich von Juden gehalten. Behufs Russift'zirung der Juden, welche Rußland sich besonders angelegen sein

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