Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1850)
- Date
- 1850-06-24
- Page
- Seite 363 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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363 Klerus erschreckt. Fürwahr, der Geist der Kirche ist noch derselbe, und ihreVertheidiger haben Nichts von ihren Borurtheilen verloren, wie man aus den „Memoires d'outre-Tombe" von Chateaubriand sehen kann. Jndeß sieht man in beiden Extremen der politischen Meinungen dieselbe Unduldsamkeit. Wenn die Anhänger des alten Regimes uns nicht günstig sind, so sind diejenigen, welche die Bewegung im höchsten Grade repräsentirerr, nicht liberaler. Die „Voir du peuple" hat cs z. B. als eine Enormität den Obersten der Garnison »orgeworfen, daß sie den Israeliten, die unter ihren Fahnen stehen, erlaubt haben, Peßach zu feiern, was in Frankreich unter allen Regimes geschah. Soll es also in Frankreich weniger Freiheit und Gleichheit geben als in Rußland, wo der Kaiser dasselbe gestattet hat? (Arcli. isr. de Fr.) —. Der Stadtrath von Oran (Algerien) hat 2000 Frcs. für die Schöpfung einer israelitischen Mädchenschule votirt, außerdem 400 Frcs. zum Mobiliar der Knaben- und Mädchenschule, und 600 Frcs. für eine Beaufsichtigerin der israelitischen Kinder in einem besondern Saale der Kinderbewahranstalt. (Dies.) Rußland. Aus Polen, 2. Juni. (Boss. Ztg.) Eine neue Verordnung verbietet den Juden einen ihrer Haupterwerbszweige, den Detailverkauf geiMer Getränke, sei es in Schenken oder im-Hausichandel. Der Engroshandel ist ihnen erlaubt, aber nur unter der Bedingung, daß sie nicht weniger als eine Tonne verkaufen und bei der jedesmaligen Entnahme von geistigen Getränken ein von dem betreffenden Kreisgerichte ausgestelltes Attest den Polizeibehörden vorzeigen. Außerdem dürfen sie auch nur solche kaufmännische Niederlagen, ländliche Grundstücke und andere Etablissements in Pacht nehmen, in denen geistige Getränke weder bereitet noch verkauft werden. Nordamerika. San Francisco (Kalifornien). Die jüdischen Glaubensgenossen allhiec haben bereits einen Gottesacker gekauft, «ine Wohlthätigkeitsgesellschaft gebildet, mehrere Torarollen erworben; bald wird auch eine Synagoge erstehen und eine beträchtliche Gemeinde organisirt sein. So entfaltet sich das Banner des Judenthums nicht weit von den Hallen Montezuma's! (Jew. Chron.) Australien. Sydney. Man schreibt von hier, daß der Gouverneur den Israeliten ein Grundstück zur Errichtung einer Schule bewilligt hat. Diese Konzession stellt die Israeliten von Neu-Süd-Wales auf den Fuß völliger Gleichheit mit den übrigen religiösen Gemeinden der Kolonie. (Jew. Chron.) China. Stettin, 11. Juni. Gestern hielt der Missionar Dr. Karl Gützlaff in der Jakobykirche einen Missionsgottesdienst ab, der eine fast erdrückende Zuhörerschaar herbeigcführt hatte. Interessant war die Bemerkung, daß in China vollständige Religionsfreiheit herrsche. Korrespondenz. Krefeld, 7. Juni. Lehrerkonferenz. Die hiesige Lehrerkonferenz hat sich durch ihre Bestrebungen um Hebung des jüdischen Schulwesens eine so allgemeine Anerkennung erworben, daß die Lehrer und Schulfreunde des hiesigen Sprengels auch den diesjährigen Verhandlungen derselben erwartungsvoll entgegensahen. Die Lehrerversammlung darf mit Zufriedenheit auf ihre bisherige Wirksamkeit blicken; durch Eifer und Beharrlichkeit in Verfolgung des erhabenen Zweckes ist schon manches Hinderniß beseitigt, schon mancher schöne Erfolg erzielt worden, und wir dürfen der freudigen Hoffnung Raum geben, daß wir dem heiligen Ziele immer näher kommen werden. Die diesjährige Konferenz hatte am 7. und 8. Mai statt. Zu derselben hatten sich eingefunden, die Herren: Fisch dein aus Ruhrort, Blumenfeld aus Effen, Cra mer aus Viersen, Goldstein aus Anrath, Gumbrich aus Wevelinghoven,