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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-24 · Heft 26 (24.6.1850) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 26 (24.6.1850)
Date
1850-06-24
Page
Seite 362 (sequence 10)
Language
German
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862 ligte, gegen 300 fl. K. M. und er besitzt Mitglieder, welche mit Verzichtleistung auf ein Darlehen die jährlichen Beiträge leisten. Im Ganzen zählt dieser Verein an fünfhundert Mitglieder, von denen 190 Darlehen erhielten. Den Gründern und Vorstehern dieses Vereins, durch den schon so Mancher theils von den Wucherern, die heutzutage leider nur zu fühlbar herrschen, theils von der Entlassung seiner Gesellen und Einstellung der Arbeiten, die nicht selten dazu beiträgt, daß selbst brave und rechtschaffene Männer gezwungen sind, betteln zu gehen, befreit wurde, können wir nur Dank wissen und die Gewerbtreibenden des edeln Zweckes wegen zur eifrigen Theilnahme auffordern. Schließlich sei erwähnt, daß das Darlehen vergrößert werden dürfte, sobald eine größere Zahl von Mitgliedern sich an dem Vereine betheiligt haben wird. (Pr. Ztg.) Pesiih, 6. Juni. Als ein höchst erfreuliches Zeichen von dem aufgeklärten humanen Geiste, der die Maßregeln unsers städtischen Magistrats leitet, kann ich Ihnen aus der verläßlichsten Quelle mittheilen, daß derselbe sich soeben unumwunden für die Aufnahme der israelitischen Handwerker in die Innungen ausgesprochen hat, von der weisen Ansicht ausgehend, daß eben hiedurch der Flor der Gewerke in unserer von Natur so reichen, aber von den Mißgeschicken der letzten Zeit heimgesuchten Stadt nicht wenig gehoben und gefördert werden könnte. Dieser Entschluß, welcher der Würde österreichischer Staatsbürger so schön entsprechen könnte, findet vorderhand noch eben aus dem Mittel der Zünfte einen ziemlich hartnäckigen Widerspruch, welcher jedoch wie wir hoffen dürfen, nicht lange in dieser Jsolirtheit verbleiben wird. Brody, 28. Mai. Das Dominium überließ vor bald zwanzig Jahren käuflich der israelitischen Gemeinde eine große Strecke sandigen Bodens, welchen dieselbe zur Anlegung eines neuen Friedhofes benützte. Da nun jetzt das Dominium sich den Sand mit klingendem Gelbe, nicht einmal mit Papier bezahlen laßt, so stellte es die jüdische Gemeinde den Bewohnern aller Konfessionen frei, sich von dem Friedhofe Sand zu holen. Dagegen legt nun das Dominium Protest ein, und zwar der Art, daß es durch aufgestellte Wächter verhindert, von dort Sand zu nehmen. Der Grund, weswegen es auf längst veräußertem Grund und Boden sich so eigenmächtig gerirt, soll der sein, daß es die Landfläche nur für einen Gottesacker, und nicht zum Sandgraben verkaufte. Verdient der Erfinder dieses Dilemmas nicht ein Plätzchen in Abdera? Lemberg, 3. Juni. Das hiesige Fremdenbüreau ist statt wie in Wien nach Provinzen, nach den Religionen getheilt, der Jude hat ein eigenes Büreau, wo sein Paß vidirt wird, und ein anderes der Christ; der Fremde tritt zufällig in das Letztere: „Bitte, sind Sie Jude?" — Nun? „Für Sie ist jenes Büreau dort." —. Großes Aufsehen erregt die Vergiftung des Scidenhändlers Joel Hescheles, wie der Verdacht ist, durch seine, bereits eingezogenen zwei Söhne — eine That, wie sie unter den Juden wol zu den seltensten gehört! Frankreich. Paris, im Juni. Ein Antrag an die gesetzgebende Versammlung hat zum Gegenstände, die völlige Untersagung der Arbeit am Sonntage. Wir wissen nicht, wie dieser Antrag mit der in die Konstitution eingeschriebenen Freiheit der Kulte sich vereinigen läßt. Jndeß giebt es Nichts, was in den jetzigen Zeitkäufen in Erstaunen setzen könnte: man scheint zu vergessen, daß es in Frankreich Dissidenten giebt, welche das Gesetz beschützt, und man trägt darauf an, nicht allein die öffentlichen Arbeiten zu verbieten, sondern auch die Privatarbeiten, die ostensibel sind. Der apostolische Nuntius hat an die Bischöfe Frankreichs in einem, das neue Unterrichtsgesetz betreffenden Zirkulärschreiben geschrieben, daß unter den Vorschriften des neuen Gesetzes einige seien, die der bischöflichen Würde wenig angemessen wären, wie „die Theilnahme der Bischöfe am Oberrathe, wo nach demselben Gesetze zu gleicherZeit zwei protestantische Pfarrer und ein Rabbiner eintreten". Der Nuntius sicht auch mit sehr mißliebigen Augen die gemischten Schulen an. Es ist dies, nach ihm, eine zeitliche Einrichtung, welche das neue Resultat unterdrücken soll. Jeder Kultus soll, nach dem Ultramontanismus, seine Schulen und Lyzeen haben. Die katholische Religion fühlt sich sehr schwach, wenn die Vereinigung aller Franzosen in einer Schule, die Annäherung eines Priesters, eines Pfarrers und Rabbinen den ganzen

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