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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-24 · Heft 26 (24.6.1850) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 26 (24.6.1850)
Date
1850-06-24
Page
Seite 360 (sequence 8)
Language
German
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360 nur einzelne Personen, die ihr Geschäft dazu nöthigt, z. B. Aerzte, Hebammen rc., zeigen. Olmütz, 3. Juni. Judenkrawalle scheinen auch in unsrer Gegend an die Tagesordnung kommen zu wollen. Ein bedeutenderer Exzeß dieser Art siel kürzlich in Prerau vor, und soll seinen Anlaß durch die Errichtung eines Frohnleichnamsaltars an einem Judenhause oder in der Nähe desselben erhalten haben. Er wurde, nachdem der Hauseigenthümer zuvor durch Schmähungen und Schimpfreden an seiner Ehre, dann durch Zertrümmerung einiger Fensterscheiben an seinem Eigenthume verletzt worden war, durch die Dazwischcnkunft eines bezirkshauptmannschaftlichen Kommissärs noch vor seinem völligen Ausbruch gedämpft. — Ein zweiter und dritter Exzeß von minderer Bedeutung siel in Olmütz selbst am 31. und in dem in der Nähe befindlichen Dorfe Doloplas am 27. v. M. vor. Anlaß zu jenem war der Verkauf eines in der Neuaasse gelegenen Hauses, Anlaß zu diesem der Verkauf eines Bauerngrundes an Israeliten. Der olmützcr Krawall (um den Vorfall technisch zu benennen) verlief sich in eine gewöhnliche Katzenmusik, welche dem vormaligen Besitzer des verkauften Hauses bei seiner Uebersiedlung nach Proßnitz gebracht wurde, weil er sein Haus an einem Israeliten verkauft hatte; und der Sachverhalt des doloplaser Krawalls bestand, glaubwürdigen Erzählungen zufolge, darin, daß der dortige Gemeindevorstand selbst, oder doch Mitglieder desselben, die oderberger Bräuhauspächterin, Netti Haas, welche wegen Bebauung des von ihrem Bruder erkauften Grundstückes in Doloplas sich aufzuhalten beabsichtigt hatte, anfänglich beschimpften und dann zwangen, sich aus dem Orte zu entfernen. — Die hier erzählten drei Vorgänge werden von Gerichtswegen näher untersucht; es scheint ihnen hauptsächlich Rcligionshaß zum Grunde zu liegen, wiewol jene, welche tiefer blicken wollen, der Ansicht sind, daß diese Unfuge von eigenen Glaubensgenossen angestiftet sein mögen, denen als orthodoxen Anhängern ihrer biblischen Verheißungen die gegenwärtige Gleichberechtigung und jeder Verfechter derselben nicht zusagt. (C. Bl.) Olmütz. Aus Trebitsch wurden 17 der Theilnahme an dem gegen die Juden verübten Krawall Angefchuldigte nach Jglau abgeführt. Acht derselben befinden sich auf freiem Fuß, die übrigen neun unter Haft in Untersuchung. (N. Z.) Brünn, 5. Juni. Mit den Judenkrawallen ist es leider noch nicht zu Ende. Die Szenen von Straßnitz und Lrebitsch haben in Wollein, Prerau und Holleschau Nachahmung gefunden, obgleich aus Trebitsch bereits 17 Personen dem iglauer Kriminalgericht übergeben worden sind. Manche glauben, daß eben deswegen sich hie und da, wo die Eingezogenen Verwandte oder Genossen haben, ähnliche Krawalle wiederholen dürften. Man hat die Beobachtung gemacht, daß ein tiefer Groll gegen die jüdischen Mitbewohner in den meisten Orten, wo Judengemeinden bestehen, zu Tage gehe, der in einem seltsamen Kontraste steht mit der Humanitätsbegeisterung des ersten österreichischen Reichstages und der Charte vom 4. Marz. Man bemerkt ferner, daß dabei Szenen hauptsächlich an Orten auftauchen, in denen die politische Verwaltung durch keinen Repräsentanten vertreten, sondern die Gewalt blos in den Händen der Gemeinde ist, während sich in Orten, die Sitze von Bezirkshauptleuten sind, sogleich beim Entstehen die Unordnung wieder leicht behebt. — Aus Straßnitz hört man nachträglich, daß die Kriminalkommission ziemlich strenge in ihrer Amtirung verfährt, daß sich aber nichtsdestoweniger die frühere Abneigung gegen Morgenstern noch nicht verloren habe, der leider so rücksichtslos war, in feinem neuen Eigenthume mitten in der Stadt eine Masse von faulenden Rindshäuten aufzuhäufen, deren mephitische, die Luft verpestende Ausdünstung die ganze Nachbarschaft zur Verzweiflung brachte. Man muß es sehr beklagen, daß sich dieser, unser Jahrhundert entehrende Haß gerade unter dem sonst so fügsamen und gutmüthigen Landvolke Mährens zuerst offenbarte, doch ist es ebenso zu bedauern, wenn Israeliten nicht die nöthige Mäßigung und Klugheit beim Gebrauche ihrer neuen politischen Rechte bewahren. In den nächsten Tagen wird unter dem Vorsitze des Statthalters eine Versammlung von Repräsenianten des mährischen Judenthums abgehalten werden, welcher zur Aufgabe gestellt sein soll, manche Verhältnisse der Judengemeinden zu ordnen, welche durch die Revolutionsepoche verrückt worden sind; namentlich wird die Regulirung und Ordnung der Rabbiner- und Schullehrergehalte, welche seit einiger Zeit gar nicht mehr bezahlt werden wollen, vorgenommen werden.

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