Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1850)
- Date
- 1850-06-24
- Page
- Seite 359 (sequence 7)
- Language
- German
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359 bei dem bekannten Adressensturm sich auch nur eine protestantische Gemeinde betheiligt hätte, und der höchste protestantische Beamte, der Präsident des Oberkonsistoriums, Herr v. Arnold, war in der Pärskammer ein beredter Vertheidiger der Emanzipation. Auch hat die umfassende Debatte über diese Frage in der zweiten Kammer, und die Meinung, die Sache sei ein für allemal zu Gunsten der Juden abgethan, in solchen Kreisen wohlthätig gewirkt, wie unter vielen Beamten und Bürgern, in denen sonst den Forderungen der Neuzeit als Solchen wenig Berechtigung zuerkannt wird. Leiöer aber steht unsre Sache jetzt schlechter als seit lange. Mit einer solchen ersten Kammer, wie sie der neueste Gesetzentwurf „umbilden" will, in der alle bisherigen Persönlichkeiten nur durch eine kleine Minorität reicher Leute vermehrt werden sollen, kann man die Durchbringung der einmal so eklatant verworfenen Emanzipation nicht durchzubringen hoffen und wollen. Ein Ausdruck dieser gebesserten öffentlichen Meinung ist die Zuertheilung des Bürgerrechts in Nürnberg an Herrn I. Kohn aus Mkt. Erlbach und ist es auch nicht so weit gekommen wie in Trentschin, wo man die Erwerbung von Grund und Boden Seitens eines Juden mit Reden und Feierlichkeiten beging*), so zeigt doch die Schwierigkeit der Durchdringung der Sache im Magistrat — 9 gegen 8 Stimmen — und die Ablehnung im ArmenpflegschaftSrath — mit 2 gegen 8 — welche 8 freilich Geistliche waren, wie wenige Juden ein Gleiches zu erwarten haben dürften. An der noch erforderlichen allerhöchsten Genehmigung zweifelt man indcß nicht. Das neue Gemeindeedikt, wenn es anders bei unserm Landtag noch zu Stande kommt, woran wir uns einen starken Zweifel erlauben, wird uns indeß voraussichtlich freisinnigere Magistraturen bringen und somit unsre Sache fördern. Schließlich melde ich Ihnen noch den Tod des Nestors talmudischer Gelehrsamkeit, des vieljahrigen unentgeltlichen Lehrers der meisten baierschen Rabbiner und Lehrer rc., des Herrn R. Wolf Hamburger in Fürth. Einfach und kein Freund aszetischer Uebertreibungen im Leben, verbat er sich auch alle Feierlichkeiten und bei seinem Leichenbegängnisse und auf seinen Grabstein solle Nichts weiter als sein Name gesetzt werden. In der Neuzeit ist er mit seinen vormaligen Schülerrr, Rabbinen, vielfach in leicht *) Vgl. No. 21 d. Z. erklärliche Konflikte gerathen. Welches Urtheil man sich über dieselbe auch bilden mochte, der Uneigennützigkeit seiner Bestrebungen, der Abgesagtheit aller Uebertrnbungen und der Ehrlichkeit seines Charakters muß Jeder Gerechtigkeit widerfahren lassen. Diesem letztwilligen Begehren unbeschadet wäre die Millheilung eines ausführlichen Nekrologs abseiten eines seiner Vertrauten sehr wünschenswerth. Mem nächster Bericht wird sich über die Kultus-, Schul- und literarischen Verhältnisse der baierschen Judenheit auslassen, wozu mir eine vorhabende größere Reise neuen Stoff liefern dürfte. K. München, 8. Juni. Das Ministerium hat an mehrere Rabbinate ganz detaillirte Fragen gestellt, aus deren Begutachtung bei der Revision des Religionsediktes geeignete Rücksicht genommen werden soll. Oesterreichischer Kaiserstaat. AuÄ Mähren, 1. Juni. Der mittelalterliche Geist den Judenverfolgung spukt noch fortwährend in Mähren und führte in Prerau so ernste Auftritte herbei, daß von Kremsier Militär requirirt wurde. Anlaß daz» war, daß die Juden in Prerau ihr Ghetto verließeir und sich in die Stadt ansicdelten, woselbst die christliche Bevölkerung sie mit Steinwürfen empfing u«d nur zwei Aerzte dulden wollte. Das Martialgeseh mußte proklamirt und Prerau in Belagerungssteiid erklärt werden. —. Aus einer sichern Quelle erfährt die „Neue Zeit" einige Details über den letzten Judenkrawall in Prerau. Es sollen sich an demselben nicht weniger als 250» Personen betheiligt haben. Der Hauptkrawallt»g war der letzte Mittwoch. Alle Israeliten, welche Quartiere in der Christenstadt gemiethet hatten, wurden, mit Ausnahme zweier Aerzte, vertrieben und dabei ihre Wohnungen durch Stcinwürfe mehr oder minder beschädigt. Das von einem Israeliten gepachtete Kaffeehaus litt am Meisten. Von Kremsier aus wurden 59 Mann Militär requirirt, welche am Platze ein Quairöe schloffen. In diesem wurde das Martialgesctz publizirt. Somit befindet sich Prerau, der einzige Ort im Kwnlande Mahren, im schärfsten Belagerungszustände. Um 9 Uhr müssen alle Hausthore geschlossen fein und auf der Gasse dürfen sich dann