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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-24 · Heft 26 (24.6.1850) · p. Seite 358

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 26 (24.6.1850)
Date
1850-06-24
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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338 was der nervus rerum oinnium, i. s. psouniam bei diesen frommen Leuten vermag!) von ihrem Veto nicht lassen, und hindert so die Ausführung eines Projektes, das sowol nützlich als zeitgemäß ist. Der hiesige Brüderverein erfreut sich eines immer großem Zuwachses. Die Akquisition, welche der Verein in der Person des Predigers, Herrn Dr. Goldstein, getroffen, kann mit Recht eine glückliche genannt werden. Herr Dr. G. huldigt dem radikalen Fortschritt, beleuchtet auf der Kanzel die eingeschlichenen Mißbräuche beim Gotiesdienst, und ist cifrigst bestrebt, in der Religion die Kluft zwischen Lehre und Leben auszufüllen, und Licht und Wahrheit zu verbreiten. Die gehaltvollen, Geist und Gemüth erhebenden Predigten des Herrn Dr. G. vermehren die Theilnahme am Brüderverein; ja es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß hochgestellte christliche Notabilitätcn in den Tempel des Brüdervereins kommen, um sich an dem Worte Gottes, das hier in so überzeugender Weise verkündet wird, zu erbauen. Dafür hat sich aber Herr Dr. G. der Verehrung und Liebe aller für Fortschritt Empfänglichen zu erfreuen. So wurde derselbe an seinem Geburtstage von dem schönen Geschlechte des Brüdervereins mit einer sehr kostbaren goldnen Uhr und einem sehr gelungnen Gedichte überrascht. Die Religionsschule des Herrn Dr. Goldstein wird zahlreich besucht, und zwar auch von Kindern solcher Eltern, die nicht zum Brüderverein gehören. Die vom Herrn Dr. Deutsch angewendcte Methode des hebräischen Lese- und Sprachunterrichts hat in kurzer Zeit erfreuliche Resultate erzielt. Mögen die beiden Herren in ihrem Eifer nicht ermüden, und rüstig fortarbeiten im Weinberge des Herrn. M. Dg. Aus Mittelfranken, 10. Juni. (Privatmitth.) Nachdem sich die politischen Stürme gelegt und die Oberfläche Etwas geklärt haben, dürfte es an der Zeit sein, einzelne Punkte wieder in's Aug' zu fassen, welche diese Stürme unverrückt belassen oder an manchen Theilen durch das Anfluthen oder Wegspülen etwas anders gestaltet haben. Aus unserm Baiern ist in diesem Stücke wenig zu berichten. Männiglich bekannt ist die schmähliche Niederlage, welche wir baierschen Juden vor ganz Deutschland erlitten haben. Unsere Aristokraten und Büreaukraten gefallen sich in dem schlechten Witze, die Pärskammer das größte Loch zu nennen, weil dort 60,00«) Jude» durchgefallen sind und unsre Bourgeoisie lacht beifällig mit, vergessend, daß es noch ein größeres Loch giebt, wo 33 Millionen Deutsche durchgefallen sind. Eines aber, ein Großes haben wir trotz alledem und alledem doch dabei gewonnen. Alle, Orthodoxen wie Neologen, Stadtwie Landjuden, Jung wie Alt, Alle fühlen die Kränkung tief, welche uns widerfahren, Alle empfinden die Schmach, welche man uns, trotz aller Versprechungen, trotz unsers guten Rechts angethan und das ist denn doch Etwas, wol nichts Leibliches, aber doch Etwas, das die geistigen Bande festigt, welche Israel umschlingen. Wir fühlen uns als» Juden! Eine Errungenschaft jedoch, eine vielbedeutende Errungenschaft der Märztage, die man uns in den Apriltagen gar gerne wieder nehmen möchte, wenn es ginge, haben wir in dem passiven Wahlrechte, von welchem die HH. DD. Morgenstern und Arnheim einen so würdigen Gebrauch machen und es muß gedoppelt Akt davon genommen werden, daß der Abgeordnete Herr Dekan Bauer aus Bamberg es war, welcher sie seiner Zeit im Wahlgesetz fest und ohne Hinterthür ausprägte, und baß von einer Volksstimme dagegen, die man heutigen Tages gewiß dagegen geltend zu machen suchen würde, nirgend eine Spur zu finden ist. Beide Abgeordnete, in Wahlbezirken, welche bislang keine jüdischen Bewohner zum größten Theil zählen, erfreuen sich nicht nur der vollen Zufriedenheit ihrer Wahlmänner, sie genießen auch in allen christlichen Kreisen die vollste Anerkennung ihres ehrenhaften Wirkens und Charakters. Noch hat Baiern nicht aufgehört ein christlicher Staat zu sein, trotzdem zwei Juden in seiner Legislative sitzen! Auch materiell haben wir gewonnen. Das Ablösungsgesetz vom 4. Juni 1848 hebt in §. 6 ohne Entschädigung alle persönlichen Leistungen auf, womit die Judengelder in ihren verschiedenen Benennungen Wegfällen, was besonders in Gemeinden früherer Patrimonialgerichtsdezirke nicht unbeträchlich ist. Für manchen Familienvater eine jährliche Ersparniß von 12 fl. und darüber. Nicht minder haben wir durch die Vorgänge bezüglich unsrer Emanzipation unsere Feinde kennen gelernt und manchen Gegner in einen Freund sich wandeln gesehen. Die Judcnheit dachte sich die katholische Welt samml ihrem Klerus viel befreundeter als die protestantische. Ich habe aber noch nicht in Erfahrung bringen können, trotz vielfacher Nachfrage, daß

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