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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-24 · Heft 26 (24.6.1850) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 26 (24.6.1850)
Date
1850-06-24
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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356 * varbedacht unterwühlt, und zur Genugthuung für eine im Staate bestehende, wenn auch nicht herrschende Glaubensgemeinschaft, zur Geltung bringen wird. Wir beantragen deshalb gehocsamst auf Grund der §§. 17 und 19, und nach Maßgabe des §.12 der Verordnung vom 30. Juni 1849 die gerichtliche Untersuchung gegen den resp. Verfasser, Herausgeber oder Verleger der beiden näher bezeichneten Artikel geneigtest zu veranlassen. Wir ersuchen« ebenmäßig um baldige Vorbescheidung, da wir im Ablehnungsfälle die weiteren gesetzlichen Schritte einschlagen wollen. Der Vorstand und die Repräsentanten der israelitischen Gemeinde zu Breslau. Köln, 10. Juni. Auch die hiesige Gemeinde hat Anklage gegen die „Kreuzzeitung" erhoben. —. Die „Neue Oderzeitung" sagt über die Verketzerungen der „Kreuzzeitung" unter Anderm: „Auf die Juden, soweit wir sie kennen, üben diese fanatischen Ausbrüche keinen Einfluß. DasVorurtheil nimmt die Gestalten aller Jahrhunderte an. In den Zeiten des Aberglaubens wurden die Juden als Schänder der Heiligthümer verläumdet; damals dichtete die Reaktion ihnen an, daß sie christliche Kinder heimlich beschnitten, Ehristenblut gebraucht und die Brunnen vergiftet hätten. — Zur Zeit der Herrschaft der Aufklärung, wo diese Verleumdungen den erwünschten Eindruck nicht mehr machten, war es gerade Aberglauben und Dummheit, welche die Reaktion den Juden vorgeworfen; damals beschuldigte man sie des Mangels an Geschmack, der Unfähigkeit zu Künsten, Wissenschaften und zu Diensten des Staates. — Jetzt, wo die Partei der „Ordnung" und des blinden Autoritätsglaubens, der Philosophie und dem guten Stil den Tod geschworen, sollen wieder die Juden im strikten Gegensatz zur Vorzeit wegen ihrer Bildung, wegen ihrer publizistischen, wissenschaftlichen und staatsmännischen Kapazität verfolgt werden. — Die Juden müssen diese Logik ihres Schicksals kennen und langst begriffen haben. Sie haben treu ihrer Ueberzeugung Völker überlebt und so werden sie wol auch die jetzige Reaktionspartei überdauern. Wir glauben, daß die Abmühungen der -fZeitung hier am Vergeblichsten sind; die Juden werden nicht zu Kreuze kriechen." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 6. Juni. (Köln. Zeit.) Es ist sehr wahrscheinlich, daß binnen ganz kurzer Zeit die Einführung der Zivilehe zwischen Juden und Christen Hierselbst ftattsinden wird. Der Senat hatte bisher auf verschiedene in dieser Hinsicht an ihn gerichtete Gesuche abschläglich antworten müssen, ohne daß dieserhalb die besonders von Dr. Rieffer lebhaft in Anregung gebrachte Sache eingeschlafen wäre. Die Majorität im Senate ist zwar gegen die Zivilehe in ihrer weitern Ausdehnung, will sie hingegen zwischen Christen und Israeliten gestatten, unter dem einzigen Vorbehalte, daß die zu vereinigenden Paare sich mittels bündiger Erklärung über die von den Kindern anzunchmende Religion auszusprechen haben. Hiedurch soll sowol allen späteren Streitigkeiten, wie auch, im Falle die Eltern sterben, den Zweifeln der Vormünder über deren gehegte Willensmeinung in der angegebenen Beziehung vorgebcugt werden. Der Senat hat seinen von vr. Hudtwalker ausgearbeiteten Entwurf über die Zivilehen dem geistlichen Ministerium und dem Vorstande der israelitischen Gemeinde zur Begutachtung überschickt. Wir erfahren, daß schon in einer der nächsten Versammlungen unserer alten Bürgerschaft dieser, in die religiösen wie sozialen Verhältnisse tief eingreifende Gesetzentwurf seine Erledigung finden wird. Berlin, 9. Juni. (V. Z.) Der provisorische Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde ist nun mit der Letztem selbst, mit dem Polizeipräsidio und der städtischen Schuldeputation in Konflikt gerathen. Die Schuldeputation hat dem Vorstande alle ferneren reformatorischen Maßregeln ohne ihre Zustimmung untersagt, das Polizeipräsidium hat dem Vorstande die erbetene Unterstützung zu administrativen Erekutionen gegen die Gemcindemitglicder abgeschlagen und die Gemeinde verweigert großentheils mit der Anerkennung des Vorstandes auch ihre Beiträge. Es würden sich alle diese Wirren lösen, wenn der Vorstand abträte. Da derselbe dazu aber nicht geneigt zu sein scheint, so ist das Ende schwer abzusehen. Wahrscheinlich wird sich die Regierung in's Mittel legen müssen, um wenigstens zunächst einen formell zweifellos legitimirten Vorstand herbeizuführm.

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