Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1850)
- Date
- 1850-06-17
- Page
- Seite 351 (sequence 15)
- Language
- German
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351 warum der Gott diese Bedrangniß dem Gerechten bereite? wird in der Bewegtheit der Empfindungen seltener, als man voraussetzen sollte, Ln diesen Psalmen aufgeworfen und beantwortet. Wo dieses geschieht, da wird sie zwiefach gelöst: entweder erkennt d. S. an, daß er, obgleich in der Totalität seines Wandels fromm und gerecht, doch im Einzelnen gefehlt habe, und das Mißgeschick läuternde Strafe sei, oder er sieht darin die Absicht Gottes, seine Vergeltung bei den Menschen zur Anerkennung zu bringen. — Anders da, wo der Zweifel und die Frage entweder auf dem Boden allgemeiner Betrachtung, wie sie sich dem Menschen aufdrängt, entsteht, oder wenigstens bei ruhiger Fassung in dieselbe sich hineinwendet. Letzteres zeichnet Psalm 39 meisterhaft. Die Hauptmomente des Zweifels sind: das Glück des Sünders einerseits, wahrend andrerseits das Unglück des Gerechten durch eine Vergehung des Letzter« nicht genügend erklärt sei, da die Vergänglichkeit, die Kürze des menschlichen Lebens, die Nichtigkeit all seiner Erfolge fordert, daß Gott nicht streng wegen begangener Fehler strafe, sondern jene als Moment der Verzeihung betrachte. Dem wird gegenübergestellt, daß nicht einzelne Thatsachen, sondern immer eine längere Zeit erwogen werden muß, wo denn das Glück des Sünders geschwunden und nur der Gerechte dauerndes Heil erlangt haben wird (37); daß alle Schatze des Sünders diesennicht vom baldigen Tode erretten können, der Gerechte aber der Unsterblichkeit theilhaftig werde (49), daß der Zweifel überhaupt oft aus kleinlichem Neide auf die scheinbaren Glücksumstande des Sünders entspringe (73); daß der Mensch seiner Vergänglichkeit gegenüber um so mehr auf Besonnenheit und Thatkräftigkeit gewiesen sei (90), daß zwar jeder Erfolg von Gott abhängig ist (127), aber Gottesfurcht und redliches Bemühen des Segens gewiß ist (128), vor Allem aber vom frommen Sinne Resignation, begründet in Selbstbeherrschung und Gottvertrauen, gefordert werden muß (131). Noch allgemeiner, und in dieser Hinsicht am Merkwürdigsten stellt sich Psalm 139 hin, welcher, vom entgegengesetzten Endpunkte ausgehend, fragt, wie, da die göttliche Vorsehung und Vergeltung auf der Allwissenheit Gottes beruhen muß, diese unmöglich sei? Er erklärt sie sich durch die Allgegenwart Gottes in allem Sein und weil Gott Alles nach seinem tiefen Gedanken geschaffen, daß jedoch das eigentliche Wie dem Menschen unbegreiflich bleibt, und so der Mensch nur auf Lauterkeit in Gesinnung und That zu trachten habe. — Als einzelnes aber höchst bedeutendes Moment tritt hier noch die Ansicht über die Sünde, deren Erkenntniß und deren Vergebung auf. Ganz allgemein wird erkannt, wie der Mensch vielfach sündigt, ohne daß es ihm zum Bewußtsein kömmt, so daß nur die Zuversicht, daß Gottes Barmherzigkeit den Menschen von diesen verborgenen Fehlern losspricht (19), daß viel Nothstand aus diesen Vergehungen hecvorgeht (6) und daß der Rettung die Vergebung der Sünde vorangehen muß (25). Dann aber zeichnet der Psalm nachdrücklich den Zustand der Seele, wenn die Erkenntniß der Schuld in ihr aufgegangen (38); aus diesem tiefen Niedergedrücktsein erhebt sich der Geist zum heißesten Flehen um Vergebung Gottes, von der allein Erhebung und Läuterung bedingt ist (51); und auf den Flügeln dieses Gebetes gelangt er zu der Gewißheit, daß die göttliche Vergebung auf reuevolles Er- und Bekennen der Schuld erfolgt und der Mensch dadurch wieder heil wird (32). Dieser vergebende, die Schuldhaftigkeit des Menschen in seiner Barmherzigkeit auslöschende Gott wicv nun gefeiert (103). — Jemehr aber diese Anschauungsweise auf der ganzen jisraelitischen Lehre ruhete, und so im Hintergründe als ein Ausfluß der an Jisrael ergangenen göttlichen Offenbarung erschien, um so naher knüpfte sich an diese subjektive Betrachtung des Verhältnisses Gottes zum Menschen das Verhältnis Gottes zu Jisrael selbst, noch dazu da das Mißgeschick des Einzelnen oft im nationalen Unglück beruhen mußte. Hier lag es schon in David, daß der leidende Sänger als Haupt und Stellvertreter einer ganzen, natürlich der unterdrückten, dann aber siegenden, der streng an die Israelitische Lehre und den jisraelitischen Kultus sich schließenden Partei austritt. Es werden daher in den Psalmen zunächst die inneren Kämpfe Jisraels behandelt und viel mehr als man in neuerer Zeit annahm. Was daher über den gewissen Sieg des gerechten Menschen überhaupt gesagt wird, ist in der Tiefe nichts anders als der Sieg der gerechten gottanhangenden Partei über die Gegner in Jisrael. An Davids Triumph knüpfen sich da zwei besondere Punkte, zuerst das gotterwählte Königthum der Davidischen Familie und die Erklärung Juda's zum herrschenden Stamm, insonders Zijons zum Sitz der Gottesanbetung, zum religiösen und nationalen Heiligthum. Die Geschichte dieser beiden für das jisraelitische Leben hochwichtigen Punkte sehen wir dann durch die ganze Psalmsammlung reichen. Das Davidifche Könkgthum ist von Gott eingesetzt und alle es bekämpfenden Feinde, seien es innere, seien es äußere, müssen vor demselben zerschellen; Gott muß es