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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-17 · Heft 25 (17.6.1850) · p. Seite 350

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 25 (17.6.1850)
Date
1850-06-17
Page
Seite 350 (sequence 14)
Language
German
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350 auf, mtb Ln dieser seiner Subjektivität, findet er die Berechtigung zu den Fragen: hingestellt auf den Boden des Kampfes als Mensch, als JisraeLit, als dieser Mensch und JisraeLit, warum bin ich so? und warum ist mir so? Diese Fragen aussprechend zu beantworten, in Übereinstimmung mit der Lehre und Geschichte Jisraels zu beantworten, das ist der ganze Inhalt der Psalmen. Gott, der in Mosche und Propheten der Gott der Welt und der Nation war, wird jetzt der Gott des Individuums, wie sich dort die Nation von Gott geleitet, von Gott gestraft, von Gott gerettet wußte, so hier doch das Individuum; wie dort Gott von der Nation Gehorsam, Liebe, Anbetung und Recht fordert, so fordert er sie hier vom Individuum; wie dort die Nation sich von Gott entfernt und wieder zu ihm strebt durch Bekenntniß, Buße, Opfer und sittliche Reinigung, so hier das Individuum durch Gebet, Reue und Besserung. Das Individuum weiß sich überall in der subjektivesten Führung Gottes, im subjektivesten Verhaltniß Gottes, in der subjektivesten Hilfe und Segnung Gottes. Er sieht sich mit Gott allein, und diesen nur von seinem, des Individuums, Standpunkte aus auf die andere Welt agiren. Altes dies drangt sich aus dem Subjekt in Klage und Jubel, in Zweifel und Zuversicht hinaus. — Und weil nun die Psalmen die nothwendig erfolgende Konsequenz, den nothwendigen Uebergang des objektiven Mosaismus in die subjektive Religion bezeichneten, und weil sie ihn zum ersten Male, aber darum auf die unmittelbarste Weise vollbrachten, weil sie es sind, welche die subjektive Religion zum ersten Male zum ursprünglichen und innerlichsten, aber ebenso entschiedenen Ausdruck brachten: darum sind, wieMosche das Buch der Menschheit, die Propheten das Buch der Völker, so die Psalmen das Buch der Menschen geworden für immer, und aus diesen Blüten wird zu aller Zeit der Honig der subjektiven religiösen Befriedigung, der Balsam der subjektiven religiösen Tröstung geholt werden. tz. 8. Die Lehre. Gehen wir daber vom Individuum in seiner Subjektivität aus, so giebt uns gleich der erste Psalm die Wurzel der ganzen in den Psalmen herrschenden Anschauung.' daß der aus innerer Überzeugung, aus dem Hange an Gott und an der Lehre Gottes heraus gerecht und sittlich Handelnde zu glücklichem Ziele gelangt, während der Frevelhafte vergeht, und sein Weg zum Untergange führt. Die vom Menschen bethatigte Gerechtigkeit und die in den Geschehnissen des Lebens sich bewahrende Gerechtigkeit Gottes decken sich demnächst vollständig. Stehen nun sämmtliche Sänger auf diesem Grundstein der Ueberzeugung, so haben sie von hier aus die Zweifel zu überwinden, welche das in Kämpfen mit sehr wechselnden Erfolgen sich bewegende Leben dagegen erhebt. Diese Zweifel und ihre Lösung sind entweder ganz momentaner Natur, sie erstehen aus der zeitlichen Lage, in welcher sich der Sänger befindet, oder allgemeinem Charakters aus der gesammten Menschennatur und deren allgemeinen Beschaffenheit heraus. Der Sänger befindet sich in Noth, Drangsal und Elend; er ist sich gerechten Wandels bewußt und doch haben ihn die frevelhaften Gegner, theils durch Verleumdung, theils durch Jntriguen (Gruben, Netze, Fallstricke), theils durch offene Verfolgung und Gewaltthat in die größte Bedrängniß gebracht; noch mehr: der S. ist in der furchtbarsten Gefahr, ja Todesgefahr, er ist wie ein Wild überall umstellt, und muß jeden Augenblick den letzten Stoß erwarten — auf diesem Höhenpunkt des Leides ringt der Zweifel: wie der gerechte Gott dies zulassen könne? mit der Zuversicht, welche der Glaube giebt — die Lösung ist ihm theils in der eifrigen Bitte um Rettung, und in der Aufforderung an Gott, Gericht zu halten, theils in der zuerst allmaligen, dann in freudiger Erhebung zuversichtlicher Voraussicht einer glücklichen Zukunft enthalten, dem subjektiven Zweifel, aus dem Moment gekommen, tritt die subjektive Antwort, im Moment geworden, gegenüber. Oder der Sänger befand sich in drängendster Gefahr; sie ist überwunden, aber noch ist der Knoten nicht ganz gelöst, und ein harter Kampf steht noch bevor — hier ist die Lösung in der Erfahrung begriffen, und bei allem Bewußtsein der Schwierigkeiten knüpft sich das Vertrauen leicht an die erfahrene Rettung, an den schon bewahrten Beistand Gottes. Oder: der Sieg ist errungen, die frevelnden Gegner liegen zu Boden, da hebt sich aus der Erinnerung des Bedrohlichen der Zweifel nur noch als ein leichter Schatten hervor, der Jubel der Rettung bricht in die feiernde Aussprache triumphirender Zuversicht aus. Diese drei Nuancen eines und desselben Thema's treten in mannigfaltigen Abstufungen in allen, hierher gehörigen, zahlreichen Psalmen hervor. Ueberall siegt die Zuversicht über die Zweifel und die Lehre von der gerechten Vergeltung durch Gott nach beiden Seiten hin, von der gerechten Führung durch Gott feiert überall ihre bald leichter, bald schwerer errungenen Siege über die aus der Wirklichkeit entstandenen, von ihr aufgedrangten Zweifel. Die Frage:

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