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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-17 · Heft 25 (17.6.1850) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 25 (17.6.1850)
Date
1850-06-17
Page
Seite 349 (sequence 13)
Language
German
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349 Kausalmomente der irdischen Vergänglichkeit und Schwäche, der göttlichen Weltregierung, des weltlichen Glücks und Unglücks betrachten, oder aber die Stimmung des Individuums in einer zeitlichen Situation ausfp-rechen. Die Letzteren, die am Meisten gerade von David ausgingen, haben demnach nicht minder denselben Boden, aus dem sie erwachsen, mit der Ersteren gemein. Dieser Boden hatte sich ihnen historisch gebildet. Die jisraelitische Nation war von Beginn an eine kämpfende. Wie, ohne festen Ursitz entstanden und erwachsen, sie ihre Existenz schon in ihren Anfängen den Völkerstämmen abringen, und nach einer stets bedrohten Jugend in Egypten und Wüste, sich einen Wohnsitz mit gewaffneter Hand erst erobern mußte, gerade dadurch aber allen ihren Nachbarn feindlich gegenübergestellt war, daß Jahrhunderte Knechtschaft und Freiheit, Niederlage und Sieg ihr abwechselten, sie niemals auszurotten und ausgerotttt zu werden vermochte, bis endlich die Entwickelung der Geschichte sie in den Knotenpunkt der Bahn der großen afrikanischen (egyptisch-ätiopischen), asiatischen (assyrischen, chaldäischen, persischen) und endlich europäischen (mazedonischen und römischen) Weltmächte gebracht, gegen welche sie viermal den Kampf aufnahm, zweimal siegreich ihren Bestand behauptete (gegen die Assyrer sunter Ehiskija^ und Syrer sunter den Makkabäern^), zweimal völlig unterlag (den Chaldäern und Römern), aber auch in der Niederlage und Verbannung nicht unterging, sondern mit der zweiten nur eine ganz neue Kampfbahn auf Jahrtausende betrat — also übernahm sie einen noch großem und inhaltreichern Kampf in geistiger Beziehung. Die Lehre, die das Volk „zum Erbtheil von Mosche" empfangen, stellte es von Beginn an bis auf den heutigen Tag in Opposition mit der Welt des Heidenthums. Theils im eigenen Innern mußte eS das in der Menschennatur wurzelnde Heidenthum bekämpfen, und was die Zeiten an Lehre und Form immer wieder davon in seinen Schooß hineinbrachten, stets von Neuem hinauszuschaffen ringen, theils mußte es Front machen, und allen Angriffen der heidnischen Welt, die mit Wort und Waffe, mit Krieg und Druck aus dasselbe emdrang, widerstehen, theils mußte es Sendungen seiner selbst, Botschaften seiner Lehre in die Welt schicken, welche sich aber immer wieder mit heidnischen Elementen verschmolzen, und dann in der Weise des ursprünglichen Heidenthums gegen die Mutter sich wandten. So hat die jisraelitische Nation unveränderlich das Geschick gehabt, daß aus jedem Kampfe sich ihr ein Sieg, aus jedem Siege wieder ein Kampf entwickelte. Es ist daher natürlich, daß das jisraelitische Individuum, mochte es sich nun in seiner Nation, oder als Person fühlen, stets auf dem Boden des Kampfes, und nur zwischen zweien Enden sich de- und empfand: entweder in großer Gefahr, in mannigfachem Elend und Druck ausschauend auf Rettung, niemals aber, weil schon oft geschehener Rettung bewußt, die Zuversicht auf diese ganz fahren lassend — oder im Siege, aus großer Gefahr gerettet, voll Jubels über die abermals bewährte Hilfe seines Gottes; bisweilen im Siege noch großer bevorstehender Gefahr bewußt. Dies ist der gemeinsame Boden aller Psalmen in den verschiedensten Nuancen dieser selben Momente. Als Typus erscheint nun David selbst, der diese Alle in seinem Leben immer wiederholt durchgemacht, dessen ganzes Leben eine Kette von Kampf und Sieg und wieder Kampf, von Gefahr, Rettung und wieder Gefahr war, und so die Schicksale der Nation individuell abspiegelt. Wenn daher die Bücher Mosche's die Geschichte und die Lehre Jisraels in völliger Objektivität enthalten, die prophetischen Bücher den Kampf Jisraels in feinem Bestände und seiner Lehre objektiv vom Standpunkte der nationalen Geschichte behandeln, so wenden die Psalmen jisraelitische Lehre und Geschichte ins Individuelle, so sehr, daß selbst das Nationale nur als Individuelles erscheint; sie behandeln ihre Objekte nur subjektiv nach der Stimmung, nach den Gefühlen und Gedanken, die die Momente im Individuum Hervorrufen mußten. Darum eröffnete sich auch mit den Psalmen für Jisrael, und durch dieses für die Menschheit, die Welt der religiösen Subjektivität, mit ihnen trat die subjektive Religion in die Welt, welche im Christenthum ihren Endpunkt erreichte. In den Büchern Mosche's ist es, zuerst das Verhältniß Gottes zur Welt und der ganzen Menschheit (in den ersten 11 Kapiteln des ersten Buches), dann das Verhältniß Gottes zu Jisrael, als dem Volke der Offenbarung, und Jisraels zu Gott, als geoffenbartem, das objektiv hinaustritt; in ihnen verschwindet überall der persönliche individuelle Mensch in der Nation, und geht in sie auf; in den Büchern der Propheten ist es der Kampf, den das Volk und die Lehre mit einander, und das Volk durch die Lehre zu bestehen, der zur Aeußerung kömmt, und das Individuum erscheint nur als Träger und Werkzeug des religiös-nationalen Zweckes. Anders in den Psalmen. Hier tritt zum ersten Male der Mensch als Subjekt, in seinem Selbstzweck, in eignem Werthe, in eigner Geltung

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