Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1850)
- Date
- 1850-06-17
- Page
- Seite 348 (sequence 12)
- Language
- German
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den Lobgesang in specie, und könnte allerdings so an der Spitze vieler Ps., namentlich der Halleluja's und solcher ohne Uederschriften stehen. Im Schlußvers des Ps. kehrt cs wieder. — Ebenso spricht die Bezeichnung iibsn „Gebet" für sich; wenn so die meisten Ps. bezeichnet werden könnten, und zwar 17, 1. 86, 6. und 102, 2. durch die Formel Tibsn NN8N die Uederschrift gerechtfertigt ist, auch in 142 genugsam von Gebet die Rede ist: so nimmt doch gerade in 90 das Gebet den geringsten Raum ein, und die Formeln 272D, Np'' u. dgl. m. kommen in sehr vielen anderen Ps. vor, so daß gerade das Vorsetzen dieser Bezeichnung erweist, daß der Vers, selbst ihn so aufgefaßt. — Die letzte Bezeichnung ist 8^2^72. Die richtigste Erklärung des Wortes ist: Lehrgedicht, was auf den Ps. 32, auch mit Hinblick aus B. 8. speziell paßt, durch 47, 8. gestützt wird, nicht minder auf 78, das mrt „merk, mein Volk, auf meine Lehre" beginnt. Wenn in den übrigen, welche diesen Titel führen, der Lehrcharakter nicht so bestimmt hervortritt, so daß er ebenso gut vielen anderen Ps. gegeben werden konnte, so muß man, wie bei nbön auf die Ansicht des Vers, selbst rekurriren, der, bei sicher nicht theoretisch sesigestellten Grenzen der einzelnen Dichtungsarten, die Wahl nach inneren Bezügen traf. So ist es bemerklich, daß mehrere Ps., die bezeichnet sind, mit einer Frage an Gott schließen, warum er dies und dies zugelaffen oder zulafse? so 71. 87. 89. Andere erklären es „gebundene Rede" von oder „kunstvolles Gedicht" (Ew.). — üj Neben den Dichtungsarten enthalten nun die Uederschriften auch Hindeutuvgen auf die musikalische Behandlung der Ps. Voran steht hier als eine allgemeine Bezeichnung. Wo es vockommt, ist bereits unter c) 1) angegeben. Da N22 vorstehen, iusonders in Bezug aus das Ordnen und Leiten der Leviten heißt, so ist N2272 Vorsteher, insonders (vgl. 1 Ehr. 15, 2.) der musikalischen Aufführung. Zwar will nun Ewald 8 in n^^72b „vom" erklären, so daß "2728 das Zeichen sei, daß der Ps. bereits vom Musikmeister bearbeitet worden, allein, wie es an sich natürlicher ist, es „dem Sangmeisiec" nämlich zu übergeben, um es zur musikalischen Aufführung zu bringen, also überhaupt als Zeichen zu verstehen, daß der Dichter das Lied für die musikalische Aufführung bestimmt hat, wodurch die Beischrift erklärlich ist, so spricht auch Chab. 3, 17. am Ende des Ps. dafür. Wir brechen hier ab. Es versteht sich von selbst, daß nach Obigem noch alle, namentlich die gcheimnißvollm Inschriften einiger Psalmen sorgfältig erörtert werden, dann unter II. die Authentizität der Uederschriften beleuchtet, ferner in §. 5 die Beschaffenheit des Buches, namentlich die Anordnung der Psalmen, §. 6 der Strophenbau und der Rhythmus einer Untersuchung unterzogen wird. Wir theilen hier nur noch §. 7 und 8 als Schluß der Einleitung mit. §. 7. Zweck und Tendenz des Buches. Die Abwesenheit der auf den Tod Schouls und Jonathans gedichteten Elegie Davids aus dem Psalmbuch zeigt, daß es der bewußte Zweck der Sammlung war, nur religiöslyrische Gedichte zusammenzustellen. Diesem Zwecke entsprechen denn auch sammtliche Lieder, die mitgetheilt werden, denn auch Ps. 45 hat die religiöse Richtung und Färbung: es ist ein Thron von Gott, auf dem der junge herrliche König sitzet, Gott hat ihn gesegnet, Gott ihn gesalbt, und für Wahrheit und Recht geht er in den Kampf. Sämmtliche Stücke, die das Psalmbuch umfaßt, haben demnach eine und dieselbe Tendenz, religiöse Gedanken und Gefühle, d. h. solche, welche an dm Gegenständen dieses Lebens und dieser Welt im Verhältniß zu Gott und Sittlichkeit geweckt werden, durch das Medium der Dichtkunst, also in dichterisch-künstlerischer Form zum Ausdruck zu bringen. Was nun an Blüten dieser Art am Israelitischen Stamme gewachsen zu vereinigen, war der Zweck der Sammlung, der natürlich dernungeachtet den Verlust vieler Lieder derselben Gattung voraussetzt, aus einem Zeitalter, in welchem, beim Mangel der Druckerkunst, bei vielleicht von Zeit zu Zeit geringerer Verbreitung der Schreibkunst und Schreibelust, und während der wechselndsten Schicksale der Nation, da ihre Städte verbrannt, ihr Tempel zerstört, sie selbst in die Verbannung gegangen und wieder zurückgekehrt war. Vieles dem Untergange nahe gebracht sein mußte. Von dieser einigen Wurzel der Sammlung aus trennen sich jedoch die Stämme der gesammelten Lieder, namentlich in drei, nämlich zuerst in Solche, welche Ausdruck der gesummten Nation, und welche Ausdruck der Individuen sind. Als Erstere können insonders alle diejenigen angesehen werden, welche offenbar als Tempellieder dem Kultus angehörten, und daher den ganz allgemeinen Ausdruck dessen bringen, was Inhalt der Lehre Jisraels und seiner Geschichte war. Die anderen gehen vielmehr in das Innere des Individuums zurück; dann aber mir der Verschiedenheit, daß sie entweder auf das Individuum vom allgemein-menschlichen Standpunkte, unter der Anschauung jener ewigen Fragen des Menschen über die