Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1850)
- Date
- 1850-06-17
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225686--11061-3241146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
341 digungen an diesen beiden Orten waren jedoch nicht bedeutend, und hinderten die Eigenthümer nicht, ihre frühere Beschäftigung sogleich wieder ausüben zu können. Am 3. Mai wurden von dem Herrn Bezirkshauptmann noch weitere Vorkehrungen getroffen, zugleich durch das Eintreffen einer Kompagnie kaiserl. königl. Militär und durch das kräftigste Zusammenwirken der Bürgerschaft die Ruhe und Ordnung hergestellt. Der am 6. Mai d. I. eingetroffene Herr Kreisregierungsprasident, über dessen humanes und entschiedenes Einwirken nur eine Stimme herrscht, fand bereits die Stadt in der während der gefährlichsten Zeitperiode des Jahres 1848 bewiesenen Ordnung, und es wäre auch derzeit nicht zu den bedauernswerthen Vorfällen gekommen, wenn Neumann und Kantor ihr Gewerbsbefugniß nicht überschritten, wenn die Israeliten, wie behauptet werden will, nicht die Deputation einiger Bürger nach Brünn veranlaßt hätten, und wenn nicht durch die Ueberzahlung der Miethpreise der kleineren Gewölbe und Wohnungen der Grund zu der Besorgniß der ärmeren Gewerbsleute gelegt worden wäre, daß sie in Kurzem nicht mehr im Stande sein werden, ihre Wohnungen behalten zu können. Aus dieser wahrheitsgetreuen, auch aktenmäßig nachzuweisenden Darstellung ist zu ersehen, daß die Vorfälle der Stadt Trebitsch in den öffentlichen Blättern auf eine unwahre und übertriebene Weise geschildert wurden, daß weder zwei, aus 18 Gliedern bestehende Familien brodlos, noch, daß bei Neumann 130 St. feine Tücher und mehrere hundert Ellen Wollstoffe fortgeschleppt wurden, und daß ebenso wenig der Gemeinderath jene Maßregeln anzuordnen unterließ, welche in seinem Wirkungskreise und in seiner Macht gelegen waren. Daß der Herr Bczirkshauptmann nicht gegen eine Macht von mehr als tausend Personen ankämpfen konnte, ist ganz natürlich; es wird ihm jedoch hierorts Niemand das Zeugniß verweigern, daß er energisch auftrat, und unter den die Macht überwältigenden Umständen seine Pflicht nicht vernachlässigte. Die kriminalgerichtliche Kommission ist in voller Thätigkeit, und es steht zu erwarten, daß Herr Kriminalrath Wiesnar bei seinem umsichtigen Vorschrciten die schuldigen Thater ermitteln und sie der strengsten Bestrafung zuführen wird. Der Gemeinderath. Kliment, Gemeindevorstand. Dan. Krziwanek, Gemeinderath. Wien, 5. Juni. Se. Erz. der Herr FZM. Baron Haynau hat an den israelitischen Handelsmann Moritz Kollinsky in Wiefelburg, welcher sich zu einem jährlichen Beitrage von 50 fl. K. M. auf zwanzig Jahre zum Besten des Haynau-Fonds verpflichtet, und den Betrag für die ersten zehn Jahre mit 500 fl. auch gleich baar «insendete, ein eigenhändiges, sehr verbindliches Dankschreiben gerichtet. —. Bekanntlich hat die hiesige Jsraelitengemeinde den Entschluß gefaßt, in politischer Beziehung sich der Kommune Wiens anzuschließen, die Verwaltung als Religionsgenoffenschaft aber ihrer Selbstbestimmung zu überlassen. Es hat sich nun aus dem Vorstande und den Repräsentanten der hiesigen Israeliten ein Könnt« gebildet, welches die Aufgabe hat, das Statut auszuarbeiten, daß die religiösen Angelegenheiten regele und Bestimmungen für die Erhaltung derReligions- und Humanitätsanstalten feststellt. Dem Vernehmen nach soll sich das Konnte dahin geeinigt haben, daß jedes Mitglied der Genossenschaft einen jährlichen Beitrag zu diesem Zwecke zu leisten hätte, welcher nach Kategorien von zehn bis hundert Gulden pr. Mitglied zu repartiren wäre. —. An der Währingcrlinie ereignete sich gestern ein verächtlicher Auftritt. Einige Fuhrknechte machten nämlich über einen vorüberziehenden israelitischen Leichenzug rohe spöttische Bemerkungen, und einer derselben, zur Ruhe gewiesen, erlaubte sich sogar Thätlichkeiten, denen nur die einschreitendc Wache ein Ende machen konnte. Wien, 5. Juni. Als erfreuliches Zeichen der Zeit kann betrachtet werden, daß die Grundbuchsämter, bei welchen Israeliten um Gewähranschreibungen über erkaufte Realitäten ansuchen, die betreffenden Amtshandlungen anstandslos und allenthalben vornehmen. —. In Triesch (Mähren) hat sich, wie man von dort meldet, unter den Juden ein Verein gebildet, der es sich zur Aufgabe stellte, Juden, welche zum Militär affentirt werden, entweder mit der Auszahlung einer Summe von 100 fl. K. M. ein für allemal, oder mit einer monatlichen Zulage zu unterstützen. Der Verein soll dem Vernehmen nach bereits viele Theilnehmer haben. —. Gott sei Dank! die Judenverfolgungen in Mähren scheinen ihr Ende erreicht zu haben. Aus