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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-17 · Heft 25 (17.6.1850) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 25 (17.6.1850)
Date
1850-06-17
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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339 Wie? und wir sollten uns rrnvertheidigt unseren Tod- Hassern Ln die Hände liefern auf Gnade oder Ungnade? Ungerügt sollen wir uns Könkgsmörder, Blutsauger, Wuchrer schimpfen und andere Epitheta uns beilegen lassen, vor denen Einem die Haare zu Berge stehen? Die Revolutionen, wir sollen sie gemacht haben, der Königsmord, wir sollen ihn verursacht haben, das Elend ln arbeitenden Klassen, wir sollen es hervorgebracht haben — und das sollen wir ruhig mit anhören? Dem mit Nichts entgegentreten? Dann wüßten freilich unsere Gegner sehr wohl, mit wem sie es zu thun haben. Nein! die Zeit ist eine andre geworden! Kämpfen wir mit allen gesetzlichen Mitteln, und alle Rechtlichen und Geraden werden auf unsrer Seite stehen. Nur wer sich selbst aufgiebt, den geben Alle auf, wer sich selbst verläßt, den verläßt Alles. Mehrere Blatter, z. B. die Köln. Ztg., fragt sich, warum denn, zu welchem Zwecke, in welcher Absicht die N. Pr. Z. diese schmählichen Blut- und Brand- Hetzereien unternommen? Sonderbar; ist das nicht völlig klar? Diesen Leuten ist die Gleichstellung der Juden ein Dorn im Auge, eine Stachel in der Seite. Sie wollen sie wieder beseitigt haben. Es ist eine Grundbedingung ihres Staates, daß die Andersglaubenden ausgeschlossen seien. Alle, welche nicht zur orthodoxen katholischen und evangelischen Kirche schwören, sollen bürgerlich ausgeschlossen, zu Staatsämtern untauglich, an der Ausübung staatsbürgerlicher Rechte nicht betheiligt sein. Wie dieser Partei die ganze Verfassung ein Gräuel ist, so insonders die Paragraphen der Gleichstellung. Um jeden Preis, durch jedes Mittel müssen diese entfernt, außer Kraft gesetzt werden. Wotan, da hetzt man weit und breit das „Volk" auf, da ruft man es zu Exzessen und Emeuten auf, um dann sagen zu können, das Volk will die Juden nicht gleichgestellt wissen, um auf die Staatsgewalten zu wirken, daß sie die Religionsparagcaphen der Verfassung zurücknehmen. Das ist der Zweck, die Absicht. Sie wollen die Staatsgewalten von unten her zwingen, die Gleichstellung aufzuheben. Dazu streuen sie die Drachenzahne aus, um gewaffnete Männer des blutigsten Hasses erwachsen zu sehen. Darum dieses Verfahren. Es ist kein Kitzel des Augenblicks, es ist kern Frohnen der blinden Leidenschaft bei diesen. Sie wissen, was sie thun. Es ist ein wichtiges Glied ihres ganzen Systems. Und da sie auch Männer der That sind, da sie so revolutionär sind wie keine Partei in gleichem Maße, so legen sie ihren Plan auf diese Weise an. Seien wir uns dessen bewußt, machen wir uns keine Illusionen. „Hannibat ist vor den Thoren!" Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 7. Juni. (Eingesandt.) Am heutigen Tage ist dem Frankfurter Journale von dm Unterzeichneten folgende Einladung zugegangen: Aufforderung an Rabbiner und israelitische Prediger. In Beziehung auf die, in der Allgem. Zeitung des Judenthums Jahrg. 1848 No. 1 ergangene und No. 18 l. I. erneuerte Aufforderung zur Errichtung einer Rabbinerwittwen- und Waisenkasse laden wir hiermit unsere Herren Kollegen zur Besprechung und Feststellung der betreffenden Satzungen auf Montag den 2. Juli l. I. hierher ein und ist der Ort der Berathung bei dem Zuerstunterzeichneten zu erfragen. L. Stein, Rabbiner in Frankfurt a. M. vr. S. Formstecher, Rabbiner inDffenbach a. M. Nürnberg, 17. Mai. Das Gemeindekollegium hat den Fehler des Armenpflegschaftsraths bezüglich der Aufnahme von Juden in Nürnberg dadurch gut gemacht, daß es in seiner gestrigen Sitzung zum größten Aerger der konservativ-christlich-lutherischen Partei in der hiesigen Bürgerschaft den jüdischen Kaufmann Kohn in den Bürgeroerband ausgenommen hat. Seit dem Jahre 1498 war kein Jsraelite in den hiesigen Bürgerverband ausgenommen worden. Der Magistrat wird hoffentlich die ihm vorgebrachten „Wenn und Aber" ignoriren und sich dem Gemeindckollegium anschließen, denn bis jetzt ist es nicht vorgekommen, daß er einer durch das Letztere genehmigten Aufnahme weitere Hindernisse gestellt hätte. Da mehrere Hauser hier bereits Eigenthum von Juden sind, so ist zu erwarten, daß deren Besitzer hier ihren festen Wohnsitz nehmen werden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Trebitfch, 23. Mai. Der hiesige Gemeinderath veröffentlicht folgende Rechtfertigung: Nicht nur Ihr geschätztes Blatt, sondern auch die „Presse" und

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