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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-17 · Heft 25 (17.6.1850) · p. Seite 338

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 25 (17.6.1850)
Date
1850-06-17
Page
Seite 338 (sequence 2)
Language
German
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338 Wohin Du wandelst steigen Kerkermauern Mit ehrnen Pforten um Dich auf, Die Geißel trifft die tiefen Wundenmale, Die gierig schon der Haß Dir schlug, Und nirgend Balsam, nirgend Trost der Liebe, Als in des eignen Herzens Grund- Wie trugst Du dies? wie trug das Haupt des Mannes Den Druck der wilden Barbarei? Es war ein Kampf des Duldens und Beharrens, Die Kraft, die tragt, doch nimmer weicht. Der starke Arm, der einst das Schwert geschwungen. Er schwang jetzt nur den starken Schild: Die Waffe hattest Du weit weggeworfen, Doch nicht die Wehr, die feste Wehr. So standest Du als Mann dem Heer der Völker, So stehst Du noch, stehst noch als Mann, Stehst, wenn Dir heuchelnd naht die falsche Freiheit, Stehst, wenn von Neuem naht der Sturm... . Leitender Artikel. Magdeburg, 7. Juni. Die Judenfresser an der Spree. Noch niemals ist die Erfüllung einem Wunsche so schnell auf den Fuß gefolgt, wie unserm Leitartikel in voriger Nummer. In dem Augenblicke, in welchem wir ihn schrieben, hatte schon die Gemeinde in Breslau den Beschluß gefaßt, die Anklage gegen die Redaktion der „Neuen preußischen Zeitung", vulZo Kreuzzeitung, zu erheben, verfaßte der Herr vr. jur. Honigmann bereits die Anklage, die wir in diesen Blättern mitzutheilen wol Gelegenheit haben werden. Die Berliner waren freilich auch einen Augenblick Willens, die Anklage zu erheben, ließen aber, wie es in den öffentlichen Blättern heißt, davon ab, um „auf anderm Wege zu wirken". Die gewöhnliche Weise der Herren Berliner. Wir können der Gemeinde zu Breslau nur herzlichen Dank wissen, daß sie den Kampf begonnen, der freilich schon vor einem Jahre hätte begonnen werden sollen. Allein, ist der Kampf begonnen, so muß er auch energisch verfolgt werden, damit er zu einem guten Ausgange geführt werde. Da scheint uns nun folgendes Verfahren am Geeignetsten. Es läßt sich denken, aber es muß dies freilich genau in Erfahrung gebracht werden, und dies kann am Füglichsten geschehen, wenn eben die von Breslau erhobene Anklage in diesen Blättern mitgetheilt wird, wir sagen, es laßt sich denken, daß die breslauer Anklage nur einige Stellen der N. Pr. Z. inkriminirt hat. Allein diese wimmelt ja von solchen Stellen in ihrem Texte, ihrem „Zuschauer", ihrem „Sonntagsblatt", sie, die erst diese Tage im Sonntagsblatt mit dürren Worten gesagt hat: die Juden seien es, die den König ermorden lassen wollten, „die Juden, die durch ihre Kleidermagazine die Schneider, durch ihre Stiefelmagazine die Schuhmacher, durch ihren Güterschacher euch um Haus und Hof betrügen". Nun, so müssen nun andere Gemeinden die Anklage wieder wegen anderer Stellen erheben, und dies so oft, so vielfach, wie nur möglich. Hierzu ist es, wozu wir die Gemeinden heute aufrufen. Still zusehen, mit der Hand im Schooße, wie es die breslauer Gemeinde durchsicht — das ist leicht, kinderleicht. Aber selbst wenn die breslauer Gemeinde es glücklich durchsicht, ist es noch von keiner Bedeutung, denn von einer ein- und erstmaligen Bestrafung lassen sich solche Herren nicht einschüchtern; aber wenn der Sturm sich von allen Seiten erhebt, und wächst und wachst, dann merken solche Steuerer doch darauf, und andere Blatter und Blättchen, die der Fahrstraße der „Kreuzzeitung" Nachfolgen, werden zurückstehen. Würde aber die Anklage der breslauer Gemeinde vereinsamt bleiben, würden andere Gemeinden schwach und energielos genug sein, nicht selbst mit einzufchreiten — so würden wir nur eine Schlappe erleiden, denn unser Feind würde des geringen Erfolges höhnen und sich nur um so kühner erheben. Glaubet doch ja nicht, daß diese Sache von geringer Bedeutung ist. Wollet Euch nicht auf die Vernunft der Vernünftigen verlassen. Das Vorurtheil gegen die Juden ist zu sehr Jahrtausende alt, als daß es nicht allzuleicht geweckt wird, als daß es nicht allzuleicht selbst in denen wieder erstehe, welche es schon abgelegt hatten. Was wider uns zu sprechen scheint, und wenn es nur Schein ist, das wird begierig aufgegriffen, um als wahr und richtig geglaubt zu werden. Und so wird dies zum Krebsschaden, der immer weiter wachst, und selbst gesunde Theile ergreift. Selbst diejenigen, die nicht zur Partei der „Kreuzzeitung" gehören, sind dem Judmhasse zugänglich, und wer ihr in Allem absteht, ist noch fraglich, ob er nicht wider uns aus ihre Seite tritt.

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