Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1850)
- Date
- 1850-06-10
- Page
- Seite 333 (sequence 13)
- Language
- German
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333 jager!" Und Schlemiehl warf sich in die Brust, und sein schielendes Auge glänzte, und sein breiter Mund sprudelte.... „Kammerjäger werd' ich! Das klingt doch schön! Dann nehm' ich einen Kasten auf den Rücken, und wandre von Hof zu Hof, und schwöre den Tod allen Mäusen, Ratten, Wanzen und Schwaben.... Das wird eine Lust...." „Und Geld, hob er wieder an, verdien' ich dann wie Heu, wirst mal sehen, ich werde noch ein reicher Mann, wenn ich nur erst den Plunder los wäre..." und damit schlug er verdrießlich die Leinwand um seinen Haufen Bänder, und trabte fort. So war Schlemiehl aus einem Müssiggänger ein Medinegänger geworden, und so lebte er lange Zeit; aber ein Kammerjäger, wie er träumte, ward er nicht, sei es, daß er nie so viel Geld zufammenbekam, um die Geheimnisse dieser Zunft zu erkaufen, sei es, daß er die Lust dazu verloren. Dafür führte ihn das Verhängniß zu etwas Anderm. ... Du bist nämlich, lieber Leser, bis jetzt sicher in einem großen Jrrthum gewesen, indem Du dachtest, daß mein Jugendfreund, erstens weil er Schlemiehl hieß, zweitens weil er einer war, und drittens weil er als großer Schlemiehl aus der vierten Schulklasse gekommen, ganz unwissend gewesen. Nichts weniger. Ec halte doch lesen gelernt, und da er zufälliger Weise eine Zeit lang bei einer alten Besitzerin einer alten Lesebibliothek gehandlangert, die Leiter hin und her trug, die Bücher einreihte und dergl., so hatte er auch viel, sehr viel gelesen, alte Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten, Ritterschauspiele, die dem Götz von Berlichingen, Räubertragödien, die der Schillerschen nachgefolgt, und all diesen Krimskrams hatte er in sein Gehirn ausgenommen, und seine rege Phantasie verarbeitete dies auf die wunderlichste Weise. Als er nun eines Tages mit seinem Banbknauel in die Schenke eines Dorfes getreten; es war an einem Sonntage, einem heißen Sommernachmittage, und die Schenke voll Bauern, die sich mit Kartenspielen den Tag des Herrn vertrieben; er setzte sich in einen dunkeln Winkel, holte eine Brodrinde hervor, und biß daran herum, und ließ sich für einen Dreier ein halbes Glas Dünnbier geben ... nicht aus Verschwendung, sondern weil ihn der Wirth nicht geduldet hätte, wenn er Nichts „verzehrt" hätte ... er wäre aber auch gar nicht hineingegangen, denn draußen war ja Wiesenplan und Waldesgrün genug, um auszucuhen, wenn nicht schwarze Gewitterwolken am Himmel heraufgezogen, und ... ja, vor Donner und Blitz scheute sich unser Held, und hatte es immer gern gesehen, wenn ein Gewitter nahete, daß auch der Letzte blanke Knopf an seinem blauen Frack schon seinen Platz verlassen hatte und seinen Brüdern nachgesprungen .. . denn das Metall zieht ja den Blitz an ... also er hatte sich in die Schenke geflüchtet, wo die Bauern Karten spielten, und er seine Brodrinde aß und für einen Dreier Dünnbier schlürfte.... Als nun mit einem Male der Donner losbrach und furchtbar krachte, die Blitze Schlag auf Schlag folgten, der Regen strömte . . . ängstlich rückte sich Schlemiehl vom Ofen ab, trotzdem dieser von Kacheln war ... die Bauern aber, die, in das Kartenspiel versunken, Nichts von den Vorbereitungen des Himmels zu einem mächtigen Sturm der Elemente gemerkt hatten, die Karten fallen ließen, und Viele, ohne daß es die Anderen merkten, mit blassen Lippen ein „Vaterunser" beteten, auch wol zwei und drei ... aber der Donner rollte majestätisch weiter, und der Blitz schlängelte sich vorüber ... da bekamen die Bäuerlein wieder Muth, und die vorher am Aengstlichsten gewesen, thaten am Lautesten. Da erblickten sie Schlemiehl im Winkel, und im Nu wußten sie, an wem sie ihren schlecht bewährten Muth kühlen sollten. „Her mit dem Iudenjungen!" riefen sie, und zwei Burschen holten den zitternden Schlemiehl aus dem Winkel, und stellten ihn in die Mitte der Stube. Zwar versuchte unser Held hinauszuschlüpfen, aber sein Päckchen lag am Ofen, und die handfesten Kerle stellten sich ihm zur Seite, um ihn zu greifen. „Nun, Jude, was sollen wir mit Dir machen?" rief der Bauer, welcher den Kopf am Höchsten trug, wahrscheinlich weil er einige Hufen Acker mehr besaß, als die übrigen. Schlemiehl konnte nicht antworten, und seine Kniee schlotterten. „Sollen wir ihn prellen, wie er uns immer prellt?" frug ein stämmiger Bursche. Schlemiehl blickte mitleidig auf sein Päckchen, und dachte: ich soll sie prellen! womit? „Sollen wir ihn in die Pfütze tauchen, damit er getauft sei?" frug ein anderer. Schlemiehl ward schon ohnmächtig. „Nein!" rief der Erste wieder, „das macht keinen Spaß, und er sieht mir ganz aus, als wenn er uns dabei unter den Händen bliebe.... Sag, Jude, was kannst Du, um uns Spaß zu machen, dann sollst Du taufen?" „Ich," antwortete furchtsam Schlemiehl, „ich..."