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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-10 · Heft 24 (10.6.1850) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 24 (10.6.1850)
Date
1850-06-10
Page
Seite 332 (sequence 12)
Language
German
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332 nem Geiste vorging, kann ich nicht sagen; vielleicht versenkte ec sich wie ein frommer Bramine ins heilige „Nichts" — aber die Lichter anzünden und auslöschen helfen, die Leiter halten, auf der der Küster zur „ewigen Lampe" Hinaufstieg, das Waffer holen, mit dem die „Priester" vor dem „Segnen" sich waschen, und solche Dienste beim heiligen Dienste verrichten, das war seine Lust, sein Eifer, da fühlte er sich groß und bedeutend . . . und als ihm einst, er war schon ein großer Range, der Küster winkte, eine Tocawlle zu halten, wahrend aus einer andern vorgelesen ward, das war einer der seligsten Augenblicke in seinem ganzen Leben- Auch war es nicht etwa eine besondere Liebe zu allen Gliedern der Gemeinde, die ihn antrieb, jeden ohne Unterschied auf seinem letzten Gange zu begleiten; es mußten wol die Schauern sein, die uns überall, wo wir den Tod sein Werk vollenden sehen, befallen, welche die junge Seele unsers Schlemiehls liebte, vielleicht gar die Ahnung, daß auch seine Bahn frühzeitig dahin führen würde — kurz, kein Greis, kein Kind, nicht arm, nicht reich durste beerdigt werden, ohne daß Schlemiehl dabei und thatig war. Er war wie ein Todtenvogel, und wenn ec durch die Straßen rannte, so geschäftig, und dabei so ernst, und Niemandem Rede stand, und von keinem Spiel und Scherz wissen wollte: so wußte man, es müsse in der Gemeinde eine Leiche sein. Da mochten ihn denn in der Schule noch so viel Strafen erwarten, noch so viel Schimpf und Spott, er trabte hinter dem Leichenzuge her, und draußen auf dem Gottesacker half er, wo man ihn helfen ließ, hielt die Bretter beim Sagen, schleppte das Waffer zu beim Reinigen — aber am Rührigsten war er beim Zuscharren des Grabes. Er schaufelte, daß der Schweiß herunterrann; nicht rechts, nicht links schaute er; ob er dem Einen eine Schaufel Erde zwischen die Beine oder in die Stiefeln warf, ob er dem Andern den Spaten vor das Schienbein stieß, ob er selbst Stöße und Würfe bekam, daß er einige Male in's Grab hineinpurzelte, ob man ihn oft wegjagte, ja mit Schlägen versah — nun, diese konnte er vertragen — seine Beharrlichkeit besiegte alle Hindernisse, und die letzte Schaufel Erde kam sicherlich aus seinen Händen, und wenn er sie mit diesen werfen sollte.... Dann ließ er die Leute ruhig zur Stadt ziehen, er setzte sich auf das Grab, und hackte da eine Viertel-, eine halbe Stunde einsam, und blickte darauf wie auf ein eigenes Werk besonnen, fast behaglich. Darauf erhob er sich, lief in die Stadt, schlüpfte in die Schule, in das Zimmer, auf die Bank an seinen leeren Platz, und ließ das Donnerwetter des Lehrers über sich ergehen, selig vor sich hin lächelnd.... Man hat es Dir wenig gedankt, seliger Schlemiehl; denn als Du den letzten Liebesdienst von der Menschheit fordertest, da mögen wol viele Geister derer, die Du beerdigen geholfen, hinter Deinem Sarge gegangen sein, eine große unsichtbare Schaar — aber von Lebenden waren nur ich und einige Knaben und gerade die nothwendige Zahl Erwachsener zugegen, die das Werk verdrossen vollbrachten.... So undankbar sind die Menschen. Nachdem Schlemiehl viele, viele Jahre in der vierten Klaffe gesessen, blieb er eines Tages weg, und kam nicht wieder. Niemand vermiete ihn, als der Lehrer, wenn er mißlaunig war, und die Kinder, die reiten wollten. Ich wußte einige Tage Nichts davon, denn ich war schon längst in eine höhere Klasse gerückt, und hatte nur dann und wann ein Rendezvous mit ihm aus der Straße und vor den Thoren. Endlich begegnete ich ihm, und frug ihn: „Schlemiehl, wo bleibst Du denn? kommst Du denn nicht mehr in die Schule?" „Nein!" antwortete er, ich glaube etwas stolz, „ich habe mich etablirt, ich habe ein Geschäft angefangen...." Und dabei wies er auf ein kleines, in graue Leinwand geschlagenes Päckchen, das er unter dem linken Arme trug, und auf die alte Elle, die er in der rechten hatte. „Nun, womit machst Du denn Geschäfte?" Er schlug sein Päckchen auseinander, und zeigte mir einen wirren Haufen von Iwirnbändecn aller Breiten und Farben. „Damit geh' ich auf die Dörfer, und verkaufe." „Aber, Schlemiehl, warum legst Du denn die Bänder nicht ordentlich zusammen und wickelst sie ordentlich? Dann würden sie doch viel besser aussehen." „Wie Du meinst. Ich weiß es aber doch besser; da zupfen und zerren die Bauermädchen dran herum, bis ihnen Etwas gefällt; und dann sieht es doch noch viel mehr aus, als wenn ich die sechs, sieben Stücke neben einander legte. Laß mich nur Alles wie Kraut und Rüben haben, das macht Effekt...." „Was Du sagst! und hast Du denn weiter gar Nichts in Deinem Geschäft?..." „Für jetzt noch nicht, aber laß mich nur erst was erworben haben, dann Hab' ich was in petto...." „Nun, sag's mir doch. . .„Na, Dir will ich es sagen; vecrath's aber Keinem, daß mir Niemand zuvorkommt." „Sei ganz ruhig." „Nun, wenn ich erst Geld habe, werde ich ... Kammer-

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