Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1850)
- Date
- 1850-06-10
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
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831 schaphat genannt, 2 Chr. 20, 19., wie denn Ps. 45 und 48 von Korachiden unter diesem Könige abgefaßt sind. Wenn nun die Korachs darauf hielten, in rechtem und gerechtem Gesangsfamilienstolze ihre Lieder der Familie zuzuschreiben, so war es doch einfach, den Ahn der Familie als Verfasser noch besonders Ps. 88 zu nennen. Hier ist nun auffallend, daß Hernan noch den Beinamen ''mmin führt; denselben Beinamen führt der Verfasser des folgenden Ps. Ethan, und wirklich werden 1 Chr. 2, 5. unter den Söhnen Serachs, des Sohnes Jehuda's, Heman und Ethan genannt. Indeß können dies unsere Sänger nicht sein, da diese bestimmt den Leviten angehörten, und die Zeit sie durchaus nicht Enkel Jehuda's sein laßt. Vielmehr müssen unsere beiden Dichter den Beinamen als Beisassen der judaischen Familie Serach führen, wie 17, 7. ein Levit „vom Geschlechts Jehuda's, der sich daselbst aufhielt", und 1 Schem. 1, 1. der Vater Schemuels, der Levit war, •'n'iSN genannt wird, weil er in Eprajim wohnte. Dieselben Namen kehren ja oft drei- und viermal in der Schrift aus verschiedenen Zeiten wieder. Diesen selben Grund müssen wir aber geltend machen, wenn wir Ethan, den Verf. des Ps. 89 nicht für denselben Ethan halten können, der als sehr weise 1 Kön. 4, 31. mit Heman, als dritter Sangmeister 1 Chr. 6, 29. 15, 17. das. 25, 1. u.a.O. aberJeduthun, genannt wird. Da nämlich Ps. 89 unleugbar gedichtet ist, als der Davidischen Königsfamilie der Untergang drohend nahetrat, die Hypothese Hengstenbergs aber, daß Heman und Ethan als Verfasser nur gedacht seien, um das Lied zu ehren und den Eindruck desselben zu verstärken — eine Hypothese, die gegen die sonstigen Resultate der Hengstenbergischen Kritik oft gewandt werden könnte durchaus nicht zu billigen ist: so leuchtet vielmehr ein, daß dieser Ethan ein anderer gleiches Namens war, und zwar ein Korachide, indem die Hauptüberschrift des Ps. 88 auch für 89 gilt, und wie in 88 angefügt ist ‘WTKSi ‘p'mb so 89 ‘jrptfb b^wn ■WTtfin. Dies bestätigt sich dadurch, daß 89 sich den Korachidischen Ps. 87. 88 anceiht, und mit ihm das Buch schließt, 90 aber der Ps. Mosche's ist. Aß aph heißt der zweite Sangmeister Davids 1 Chr. 6, 24 als Gerschonite, das. 15, 17. 19, u. a. O. Dieser Aßaph war nun das Haupt der Söhne Aßaphs als Sängrrfamilie 1 Ehr. 25, 1. 2., von der unter Jehoschaphat ein begeisterter Sänger gedacht wird 2 Chr. 20, 14. Diese „Söhne Aßaphs" treten aber ganz besonders als die eigentliche Sängerfamilie nach dem Exil in den Vordergrund Esra 2, 41. 3, 10. und Nechem. 7, 44. 11, 17. Diese Familie ging nun einen andern Weg als die Korachiden; indem sie nämlich nicht wie diese ihren Ursprung von einem Urahn Korach, der weit über ihren Davidischen Sangerahn Heman hinauslag, herleitete, sondern sich an ihren Sängerahn Aßaph festhielt, brauchte sie ihre Psalmen nicht wie die „Söhne Korachs^ zu überschreiben, sondern schon den Namen des Ahns „Aßaph", was nun auch aus dem Inhalte dieser Psalmen hervorgeht. (Fortsetzung folgt.) Belletristisches. Der Schlemiehl. Eine Skizze aus dem Leben. (Fortsetzung aus No. 23.) 4. Zwei Eigenheiten hattest Du, Schlemiehl, die Dich aus dem frühesten Knabenalter bis in die Blüte Deiner Jugend begleiteten, und die Dir so vieles Ergötzen schufen. Andere Knaben mögen gern im Affen- oder Menschentheater, vor Neugierde brennend, vor dem Teppich sitzen, der die „Bretter" verhüllt, welche „die Welt bedeuten"; oder den Sprüngen des Seiltänzers, den Künsten der „englischen Bereiter" oder Zaubergaukter athemlos gespannt zuschauen; oder in der Thierbude das Brüllen des Löwen erwarten; oder in dem Wachsfigurenkabinet schauernd in die gläsernen Augen blicken, welche im nächtlichen Traume wieder erscheinen, sich bewegen und mit tausend Gefahren bedrohen — von allem dem bekamst Du höchstens die Leinwand zu sehen, welche alle diese Herrlichkeiten vor denen verschließt, die eben ihren Anblick nicht bezahlen können — und etwa Dich hineinzuschmuggeln, oder Dir ein Guck- und Lauschlöchelchen zu bohren, woher solltest Du dazu den Muth nehmen?! Aber Du hattest Ersatz in anderen zwei Freuden, die Dir gewiß noch höher galten und noch mehr gewährten: in der Synagoge warst Du der erste und letzte, und bei einem Leichenbegängnisse fehltest Du um Alles nicht.... Nicht daß Schlemiehl etwa so angestrengt und andächtig betete — vielmehr stierte er während des Gebetes ziemlich in die Lust hinaus, und was dabei in sei-