Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1850)
- Date
- 1850-06-10
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
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329 Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Einleitung zu den Psalmen. (Fortsetzung.) 3. Abfasser und Abfassungszeit. Außer dem 90sten Ps. von Mosche, beginnt die Reihe derPsalmendichter, von denen uns das PsalmLuch Lieder überliefert hat, erst mit dem königlichen Sänger David. Von ihm, dessen frühe Jugend schon durch die drei großen Momente bewegt ward: frühzeitig entwickelte GesangeSkunde, frühzeitig bewahrte Tapferkeit und frühzeitige, heimliche Voraussalbung zum zukünftigen Könige durch Schemuel; dessen Jüuglingszeit durch einen urplötzlichen Aufschwung, die kühnsten Hoffnungen und die bittersten Enttäuschungen durch schnelle Erhebung und baldigen Sturz und empörendste Verfolgung, durch das Erfahren großer Liebe und Anhänglichkeit und schamlosester Falschheit und Verleumdung unendlich reich war; der, von, Glück gehoben, dennoch mühselig Schritt vor Schritt erkämpfen mußte, so daß auch sein Mannesalter Nichts alseine Kette schwankender, nur schwer bestandener Kämpfe war, aus denen er aber stets siegreich hervorging; dessen Greisenalter noch durch die herzkrankendsten Empörungen seiner eigenen Söhne und immer wiederholte Ansstände seines Volkes tief erschüttert wurde, und dennoch in Sieg und Ruhe endete — von ihm, dessen Lebensgemälde also, ein so reiches wie selten, besitzen wir 73 ihm dnrch die Überschriften zugeschriebene Psalmen (3 — 9. 11—32. 34—41. 51 — 65. 68-70.86. 101. 103. 108—110. 122. 124. 131. 133. 138—145), 3 unbenannte mußten wir ihm zuertheilen (2. 10. 43). Obgleich nun ein Theil derselben aus nicht zu bestimmender Lebenszeit Davids herrührt (5. 6. 8. 13. 14 sohne V. 7j. 15. 16. 17. 19. 23. 25. 26. 29. 31. 36. 39. 41. 62. 64. 65. 122. 129. 131. 138. 139. 143. 145), so spiegeln sich doch die Geschicke des vielbewegten und viel durch stürmten Lebens Davids in diesen Gesängen wieder, und zeugen so von der Unmittelbarkeit, in welcher dieselben aus seinem Herzen entsprangen. Mit dem Beginn der Verfolgung durch Schaut heben auch die uns überkommenen Lieder Davids an, und bezeichnen uns Schritt vor Schritt die von der, Geschichtsbüchern verzeichnten Vorgänge. Jener Verfolgung erster Zeit gehören Ps. 7. 69. 109. 35. 149. 141 an. Auf die Rettung durch seine Gattin Michal ist Ps. 59, auf das Ereigniß bei dem pelifchthischen Könige Achisch, wo D. sich wahnsinnig stellen mußte, um aus einer leichtsinnig genommenen Zuflucht gerettet hervorzugehen, Ps. 56. 34, und in der Hohle Adullan, wohin er sich geflüchtet hatte, die Ps. 57. 58. 142 gedichtet. Auf die Flucht in die Wüsten deutet Ps. 12 hin; nach der schändlichen Ermordung der Priester zu Nob sprach er seinen Schmerz in Ps. 52 aus. In der Wüste ist Ps. 22, auf den Verrath der Siphim Ps. 54, als sich David überall umringt sah Ps. 27, und endlich auf das Geschehniß in der Höhle von Engeddi Ps. 46 abgefaßt. Dies find die Psalmen aus der Schaulischen Zeit, 18 an der Zahl. Schaul und seine Söhne warm gefallen, D. nach Chebron gegangen und von seinem väterlichen Stamme Jehuda als König anerkannt; sieben Jahre herrschte er so als König eines Stammes, nur den einen Ps. 110 können wir dieser Periode zuschreibm. Endlich war der letzte Sohn Schauls dem Berhangniß anheimgefallen, und David hatte ganz Jisrael unter seinem Zepter vereinigt. Fassen wir seine Regierungszeit bis zur Empörung Abschaloms zusammen, so gehören derselben folgende Psalmen an: nach der Thronbesteigung über ganz Jisrael sind Ps. 144 und 133, nach der Eroberung Jeruschalajims und dem Einzuge der Bundeslade Ps. 2. 24. 101, in den vielfachen Kriegen gegen die umwohnenden Nationen Ps. 9. 10. 11. 20. 21 insonders nach der Niederlage der Edomiter Ps. 66, der Völker überhaupt Ps. 68 gedichtet. Eine große Vergehung Davids befleckt die Periode seines Lebens, bald aber tritt die Mahnung durch den Propheten Nathan an ihn heran, und mit ihr die tieft Zerknirschung seiner Seele. Diese Stimmung bezeichnen die Ps. 38. 51. 32. Ein neues unerhörtes Mißgeschick trifft den greisen König, sein begabter und von ihm geliebter Sohn verjagt ihn aus seiner Residenz, schändet sein Haus, sucht ihn zu verderben. In dieser Zeit der trübsten Erfahrungen veredelt sich das Herz Davids am Meisten. Vier Psalmen sind ihr entflossen: Ps. 28. 43, insonders noch ehe Abschalom aus Jeruschalajim zur Bekämpfung des Heeres Davids aufbrach Ps. 63, nach dem Tode Abschaloms, doch noch vor der Rückkehr nach Zijon Ps. 61. Ans der spätem Lebenszeit Davids rühren noch Ps. 37. 55. 86. 103 her; nach der endlichen Besiegung seiner inneren und äußeren Feinde singt er den herrlichen Sang Ps. 18; nach der Pest Ps. 30. — Auf den liederreichen Vater folgt der weift, lebenskluge, spruchreiche Sohn, Schelomo. Aber obgleich ihn das Geschichtsbuch als den fruchtbaren Verfasser vieler Gesänge feiert, unter den Psalmen tragen, 24*