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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-10 · Heft 24 (10.6.1850) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 24 (10.6.1850)
Date
1850-06-10
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
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328 günstige Entscheidung in dieser Beziehung höhern Orts nächstens erfolge. Naab, 25. Mai. Die Judengemeinde unserer Stadt ist dieser Tage vom hiesigen Platzkommando strenge ermahnt worden, daß es sich der Vorstand derselben angelegen sein lassen möge, daß das Tragen der sogenannten Kossuthhüte und Kvssuthbärte, welches unter ihren Glaubensgenossen heute noch so häufig ist, endlich ein Ende nehme. Man erwarte dies um so mehr, da der Jude, ohnedies nicht im Besitze der Volksgunst, durch ein derartiges Betragen nur Veranlassung zum öffentlichen Aergerniß geben würde. Diese Warnung ließ auch heute die Gemeinde beim öffentlichen Gottesdienste im Tempel verlesen. Nun müssen Sie aber wissen, daß diese Kvssuthbärte keine eigens erkünstelten sind, sondern blos der freie natürliche Wuchs eines Bartes, der sich in voller Rundung um das Gesicht hinzieht und dem Träger desselben das Rasiren erspart. Deshalb trägt selbst ein beträchtlicher Theil der christlichen Bevölkerung derartige Bärte. Dieses Bärteverbot sollte sich daher nicht auf die Juden allein beziehen. Pesth, 21. Mai. Die Judenkontributionsang elcgenheit, die man schon abgethan glaubte, ist in Ungarn abermals in ein neues Stadium getreten, indem ein unterm 19. Mai erfolgter Erlaß des G.-M. Machio die zu Pesth vorzunehmende Purifikation einzelner Judenfamilien und Gemeinden in Betreff ihrer Betheiligung an der Revolution anordnet. Die über jene Glaubrnsgenossenschaft in Ungarn verhängte Kalamität erscheint dadurch eher als gesteigert, indem das Bescheiden nach Pesth Manchem noch größere Opfer auferlegen dürfte, als durch Repartition der Kontribution geschehen wäre. Im Uebrigen scheint Hier wieder die Militärautorität an die Stelle der Zivilverwaltung getreten zu sein, da ein Ministerialbeschluß jede weitere Vornahme einstellte. —. Die A. Z. s. U. erinnert daran, daß das in Preßburg befindliche Gebäude der ehemals vom Gr. Apponyi gestifteten Bibliothek, später der israelitischen Nvrmalschule, welches während des Judenkrawalls im Jahre 1848 zerstört wurde, noch immer als Ruine, als ein Stein des öffentlichen Anstoßes dasteht. Aus Mähren, im Mai. Ueber die in S traßnitz an dem Hause des dortigen Israeliten E. M... von einer Rotte Uebelgesinnter verübter Beschädigungen erfahren wir, sagt die „Oesterreichische Korrespondenz", daß von Seite des Oberlandesgerichtes zu Brünn das Kriminalgericht Hradisch schon Anfangs Mai dringend aufgefordert worden ist, eine kriminalgerichtliche Kommission zur Erhebung des Thatbestandes nach Straßnitz zu entsenden, und durch «in energisches und rasches Verfahren gegen die schuldig Befundenen das Ansehen der Gesetze zu befestigen. Wir hoffen nächstens über das Resultat dieser Erhebungen einige bestimmte Daten in Erfahrung zu bringen. Die Mehrzahl der straßnitzer Bürger- und Einwohnerschaft ist über di« vorgesallenen bedauerlichen Exzesse entrüstet, und fühlt sich durch die von einigen Blattern gegen die gesammte Einwohnerschaft ausgesprochenen Beschuldigungen gekränkt. Wenn wir auch dem überwiegenden Theile derselben ein thätiges Mitwirken an den Exzessen, ja nicht einmal ein Billigen derselben zur Last legen wollen, so können wir sie doch nicht von dem Vorwurfe einer kaum zu entschuldigenden Passivität lossprechen, die sie «ährend der Beschädigung des gedachten Hauses an den Tag gelegt hat, während durch ein einigermaßen entschiedenes Auftreten denselben ein Ziel hätte gesetzt werden können. Andererseits können wir den uns bekannt gewordenen Umstand nicht verschweigen, daß der Jsraelite M... durch das Ausbreiten von Thierhäuten, über die das Gerücht allgemein verbreitet war, daß sie von an einer Seuche gefallenen Thieren herrührten, die in der Nachbarschaft einen höchst widerlichen Geruch verbreiteten, und die er trotz mehrfältiger Aufforderungen nicht beseitigte, theilweise Anlaß zu der Erbitterung gab, die sich späterhin auf eine so bedauerliche Weise von Seite der straßnitzer Einwohner gegen ihn aussprach, von denen ein Theil wirklich aus den Ausdünstungen dieser Häute Nachtheil für ihren Viehstand besorgte. Es bewährt sich bei diesem Falle neuerdings die Wahrheit des Satzes: „intra mura peccatur et extra“, so wie leider nicht verkannt werden kann, daß Egoismus einerseits, und andererseits Rohheit und Mangel an Bildung die Menschheit von dem Endziele der sittlichen Vervollkommnung noch immer ziemlich weit entfernt erscheinen läßt.

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