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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-10 · Heft 24 (10.6.1850) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 24 (10.6.1850)
Date
1850-06-10
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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387 nicht mit mehr Energie und Geltendmachung der Gesetze entgegentreten, und die Schwächeren vor Uebervortheilung der Privilegirten wahren. So werden z. B. jüdische Glaser, die in die, ausschließlich von Christen bewohnten Stadttheile kommen, Kunden suchend, auf Anstisten christlicher Glaser von den Buben angefallen, und mit zerbrochener Waare fortgehetzt. Jüdische Geldwechsler, die nach Art unserer Haustrer von Haus zu Haus gehen, Geldgeschäfte machend, werden oft, statt einfach zurückgewicsen zu werden, mit einer Wasserdouche empfangen und triefend fortgeschickt. Die Gebildeteren mißbilligen dieses rohe Verfahren, aber an den Behörden ist es zu ahnden, oder zu verhüten. Andererseits müssen wir gestehen, daß die Juden sich hier sehr wenig nach der Anforderung der Neuzeit richten, und aus ihren alten Vorurtheilen und Gewohnheiten herauszukommen suchen. Leiber begegnet man bei ihnen hier mehr als überall dem Wucher und der Schachermanie, sie hängen mit unverbrüchlicher Treue an ihren Herkömmlichkeiten, an den Fleischtöpfen ihres Egyptens. Wenn die ausgesprochene Gleichberechtigung auch noch nicht faktisch durchgeführt worden, so sollten sie sich doch für sie vorbereiten, sich ihrer würdig zeigen, statt in den alten Schranken, in separirtcr Stellung, in der auszeichnenden Tracht zu verharren; an Beispielen, die sie zu einem bessern Streben animiren können, welche die Sthenie der Jugend wecken sollten, fehlts doch so ganz und gar nicht; so erhielt hierein jüdischer Militärarzt, Dr. Derblich, für seine Verdienste, die er sich in den Lazareths gesammelt, ein von FML. Degenfeld unterschriebenes, sehr schmeichelhaftes Belobungsdekret, wurde provisorisch mit den Funktionen eines Stabsarztes betraut, und erfreut sich allgemeiner Anerkennung; auch in der Stadthauptmannschaft finden wir jüdische Beamte; diese Beispiele sind aber freilich rar, weil sie eben nicht angestrebt werden. Brody, 25. Mai. Ueber das hiesige Schulwesen wird im „Lloyd" Folgendes berichtet: Wir haben hier zwei sogenannte Bildungsinstitute, eine Normalschule und eine Realschule, und doch wird Niemand unsere Forderungen nach anderen Erziehungsanstalten übertrieben finden, wenn man den dahinsiechenden Zustand der bestehenden näher in Betracht zieht. Die Normalschule ist eigentlich für die christliche Jugend berechnet, und wenn jüdische Kinder ausgenommen werden, so glauben die Vorsteher derselben ein besonderes Gnadenwerk zu verrichten, und sondern die Judenrangen so viel als möglich von den anderen ab, da noch die Intoleranz als Frucht des vormärzlichen Systems hier in voller Blüte steht. Doch auch das Lehrsystem läßt noch gar Vieles zu wünschen übrig, und die Ruthe ist noch immer das strenge Szepter, den die unerbittlichen Schultyrannen allen neueren Ideen, die ihnen eine terra incognita sind, zum Trotze, über die Schuljugend schwingen. Auch die nationale Gleichberechtigung bildet da nur einen Zankapfel, und wirklich berechtigt ist in den Schulräumen eigentlich nur die babylonische Sprachverwirrung, da Viele polnisch, Manch« deutsch oder ruthenisch, und Einige sogar den jüdischen Jargon sprechen. Die absolvirten Normalschüler sprechen und schreiben aber keine einzige Sprache richtig. Nun kommt die Realschule, welche eigentlich eine israelitische Handelsschule sein soll. Sie wurde zur Zeit der Blüte unserer Stadt, um die Zeit der Kontinentalsperre gegründet, und erreichte selbst damals nicht ganz ihren Zweck, da sie wegen Mangel einer Vorbereitungsschule nur schlecht oder höchst lückenhaft erzogene Schüler aufnehmen mußte, die erst hier ihre Normalbildung erhielten und dann statt dem Handel humanistischen Studien sich widmeten, um Aerzte oder Advokaten zu werden. Die Handelsstadt hatte also bei der Realschule, die den Israeliten — und nur diesen allein gegen 6000 Gulden K. M. jährlich kostet, first gar keinen Vortheil, um so weniger, da die Realschule schon seit 30 Jahrzehenden in allen Klassen von höchstens 30 bis 40 Schülern frequentirt wird, die meistens keine Eingeborenen sind, so daß die Gemeinde sur die Hälfte dieses Geldes, ja für noch weniger den wenigen hiesigen Schülern Hofmeister halten könnte. Gegen den Bestand dieser Schule hat nun die Gemeinde fowol in corpore als in ihren Vertretern vielfach« Beschwerde geführt, und um Errichtung einer Hauptmusterschule nach Art der in Tarnopvl bestehenden sowvl beim Gubernium als beim Ministerium diingend gebeten. Der Plan der neu zu errichtenden Schule, die bei der großartigen Mangelhaftigkeit der bestehenden Normalschule und bei der Zwecklosigkeit der Realschule für die Bildung der schrecklich verwahrllsten Jugend nur allzu nothwendig ist, ist seinem ganzen Umfange nach den betreffenden Behörden vorgrlegt, und es wäre höchst wünschenswerth, daß eine

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