Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1850)
- Date
- 1850-06-10
- Page
- Seite 326 (sequence 6)
- Language
- German
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326 Auflösung begriffen zu sein. Von den sämmtlichen beitragenden Mitgliedern derselben hatten sich am vergangenen Sonntag kaum 500 zur Wahl der Vertrauensmänner, welche die vom jüdischen Gemeindevorstande entworfenen Statuten prüfen sollen, cingefunden. Die Uebrigen fehlten aber nicht sowol auS Indifferenz, als aus Renitenz. Krefeld, 25. Mai. (Privatmitth.) So wie die Nachricht von dem Mordversuche auf des Königs Majestät hierher gelangt war, versandte der Herr Oberrabbiner an die Gemeinden des Sprengels folgendes Zirkulär: „Die gütige Vorsehung hat abermals das von Mörderhand bedrohte Leben Sr. Majestät des Königs auf eine wunderbare Weise geschützt. Für diese unendliche Barmherzigkeit mögen unsere Dankgebete zum Höchsten emporsteigen, der so gnädig waltet und dessen Liebe ewig wahrt. In Bezugnahme hierauf verordne ich, daß am nächsten Sonnabende, dem 1. Juni, in allen Synagogen des hiesigen Konsistorialbezirkes beim Morgengottesdienste in das gewöhnliche Gebet für das Wohlergehen des Königs, welches dieses Mal von dem Prediger oder Lehrer der Gemeinde in deutscher Sprache vorzutragen ist, nach dem Namen des Königs die Worte eingeschaltet werden: „Ewiger Vater! Nimm mit Wohlgefallen unfern heißen Dank auf für die Rettung, welche Du unserm Könige in diesen Tagen hast angedeihen lassen. In seinem Herzen wohnt Vertrauen, darum wankten seine Schritte nicht. Lauerte auch Bosheit auf den Frommen, Du überliefertest ihn nicht ihrer Hand. Möge sein wunderbar erhaltenes Leben Segen bringen seinem Volke und seiner Zeit." Die Herren Vorsteher werden ersucht, für die pünktliche Ausführung dieser Anordnung gefälligst Sorge tragen zu wollen. Krefeld, den 27. Mai 1850. Der Konsistorialoberrabbiner, L. Bodenheimer. Kassel, 27. Mai. (Privatmitth.) Ich erlaube mir Ihnen hiermit anzuzeigen, daß wir gestern '3 'ia NffiJ wieder das Vergnügen hatten, von Herrn Rabbiner Dt*. B. Jllowy aus Kollin zum dritten Mal in unserer großen Synagoge einen erbaulichen Vortrag zu hören, an welchem Viele Theil nahmen und ganz befriedigt das Gotteshaus verließen. Aber sein Vortrag war diesmal so geistreich, so gehaltvoll, daß ihn wirklich nur der gebildetere Theil seiner Zuhörer auffaffen konnte. Herr Dr. I. besucht nun schon zum zweiten Mal unsere Stadt in der Hoffnung hier als Lan,dcsrabbiner ausgenommen zu werden, aber leider sind trotz seiner Fähigkeiten gar keine Aussichten dazu vorhanden—die Ursache ist nicht geeignet derOeffentlichkeit zu übergeben. Herr vr. I., der konservativen Richtung angehörend, hat eine blumenreiche Sprache, ist im Gebiete der Exegese sehr weit gedrungen und zeigt nebst seinem vielfachen Wissen noch sehr viel Gewandtheit und Belesenheit im Talmud und Midraschim. Es ist zu wünschen, daß dieser gute Mann bald eine seinen Wissenschaften und Fähigkeiten angemessene Stelle erlange. .. n... Oesterreichischer Kaisersiaat. Krakau» im Mai. Der „Czas" berichtet aus Krakau: Bekanntlich bestehen in der Vorstadt Kasimir israelitische Lehranstalten (Bet Hamidrasch), in denen die Jugend die dort vorhandenen Bibliotheken benützt und vorzüglich den Talmud und die zu demselben gehörenden Kommentare studirt. Einige gebildetere israelitische Jünglinge, welche sich dem Studium anderer Sprachen widmen wollten, beschlossen in diesen Lokalitäten sich auch mit der deutschen und polnischen Sprache vertraut zu machen; dieses war aber den Orthodoxen ein Dorn im Auge und sie verbannten sie aus diesen, dem Studium geweihten Orten. Wir haben Hoffnung, bemerkt hierzu der „CzaS", daß der gebildetere Theil der israelitischen Bevölkerung, wenn er auch die verblendeten Orthodoxen nicht eines Bessern zu überzeugen vermag, sie doch wenigstens zur Achtung eines so löblichen Vorsatzes der Jugend zu bewegen wissen werde. Krakau, 27. Mai. Der „Lloyd" bringt folgenden Artikel: Hier ist die Judenverfolgung im Kleinen in Permanenz erklärt. Wenn dies auch weder von den Behörden, noch von dem bessern Theile der christlichen Bevölkerung gelten kann, müssen wir doch den Lokalbehörden, an deren Spitze ein um die Stadt sowol als um den Staat verdienstreicher Mann steht, den Vorwurf machen, daß sie der Intoleranz Einiger