Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1850)
- Date
- 1850-06-10
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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325 rischen „Herr, Herr!" durch welches die Kreuzzeitung sich scheint abfinden zu wollen! Drückt der Wucher von Juden und Christen den Handwerker und den kleinen Landmann, ei! so richtet Kreditanstalten auch für diese ein, wie Ihr Herren Ritter sie für Euch mit reichlichen Privilegien und wiederholten Staatszuschüfsen langst eingerichtet habt! Greift ein praktisches Nebel praktisch an und vermehrt es nicht, indem Ihr dasVorurtheil ausbeutet und auf falsche Wege leitet, auf welchen Hilfe nimmer zu finden ist! Aber gerade darum ist es Eurem gewissenlosen Egoismus zu thun, Ihr „christlich-germanischen" Unchristen der Kreuzzeitung, daß die begonnenen praktischen Reformen, die Ablösungen, Gemeindeordnungen, agrarischen Kreditanstalten auch für die bäuerlichen Besitzer rc. rc. im Keime geknickt und verdorben werden!" Die Nation. Ztg. schreibt: „Die „Neue Preuß. Zeitung" predigt fortwährend das Kreuz gegen die Juden als die Hauptträger der demokratischen Presse. „Es sind dies, sagt sie, die Kreise, wo das getaufte und das jüdische Antichristmthum sich die Hände reichen, und es sind die Juden, welche sich durch die Hoffnung betrügen, die Stellung, welche sie durch Untreue und Abfall verscherzt, durch Hochvercath und Gotteslästerung wieder ertrotzen zu können. Nicht die frommen, rechtgläubigen Juden, deren Zahl noch immer größer ist als der kleinmüthige Zweifel meint, und die „wir lieben (!!!) um eines Juden willen", nicht die Juden, welche „weinen, wenn sie an Zion gedenken", und Sehnsucht tragen nach einem bessern Vaterlande, nein, die Juden, welche umherirren ohne König und ohne Altar, ohne Vaterland, ohne Treue und Liebe, welche keinen andern Gott kennen als das goldene Kalb, und kein anderes Gefühl als die Rachsucht." (Das sagt die Kreuzzeitung!) Und so fort. Die Rat. Ztg. macht hierzu die Bemerkung: „Gewiß ist es dankbar anzuerkennen, daß die „Neue Preuß. Zeitung" an diesen praktisch wichtigen Punkt erinnert; vielleicht, daß ein rechenkundigec Jude nachrechnet, wie das Junkerthum seit laugen, langen Zeiten sich gefüllt hat mit dem Schweiße und denThranen der bedürftigen Christen. Aber wir möchten der „Neuen Pr. Zeitung" zu erwägen geben, ob es — wir untersuchen nicht, ob ertaubt, da wir es mit der „Neuen Preuß. Zeitung" zu thun. haben, welche Alles für erlaubt halt — ob es klug ist, den Haß und die Rache des Proletariats gegen diejenigen zu lenken, welche die Neigung zur Selbsthilfe gehegt und gepflegt haben." Die C. spricht sich am 29. Mai so aus: „Die sich bis zur kompletten Tollheit entwickelnde Schrulle der „N. Pr. Atg." gegen die Juden hat in der Form, in der sie im Leitartikel des gestrigen Blattes auftrat, eine namenlose Empörung hervorgeruftn. DieGemeingefahrlichkeit dieses Organs fängt nunmehr an selbst den Konservativsten einzuleuchten. Erstaunt fragt man sich, ob in einem Staate, wo Gesetze und geordnete Zustande herrschen, selbst wenn keine Verfassung vorhanden wäre, welche die Gleichheit aller Unterthanm vor dem Gesetz ausspricht, förmlich zur Verfolgung einer großen Klaffe des Volks durch Anreizung der schmutzigsten Leidenschaften aufgestachelt werden dürfe? Kaum vergeht ein Tag, der nicht eine Konfiskation demokratischer Blätter aufzuweisen hatte. Aber man wird vergeblich in diesen von der Polizei und den Gerichten verfolgten und oft gestraften Blättern eine so direkte und unverhüllte Aufreizung der Bürger gegen die Bürger, der Besitzlosen — die Kreuzzeitung appellirt gestern ausdrücklich an die Proletarier, das „eigentliche Volk" — gegen die Besitzenden, gegen die Juden, die sich am „Schweiße bedürftiger Christen vollgesogen haben". Es giebt kaum eine Strafbestimmung des Preßgesetzes, welche nicht durch jenes Blatt schon auf's Gröblichste verletzt wäre. Wäre die Sache nicht so furchtbar ernst, so müßte der Eifer des christlichen Blattes erheiternd wirken, der die Fanatiker schon besorgen laßt, es könnten einige Juden ihrem Hasse durch die Taufe entgehen. Sie will ihre Auto-da-Fe's ausdrücklich auch an den getauften Juden vollzogen wissen. Da wird es also auch Herrn Professor Stahl, ja selbst Herrn Ohm übel ergehen!" Alle diese Sachen bedürfen eines Kommentars nicht, wir bemerken nur noch, daß die Kreuzzeitung sich ihre Satelliten wirbt, z. B. die F alk'sche Preuß. Gew. Ztg., die Nummer nach Nummer den Haß der Handwerker gegen die Juden zu stacheln sucht. Noch einmal: dagegen hilft Nichts, als — vor's Strafgericht gebracht! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 2. Juni. Die große, reiche und intelligente jüdische Gemeinde scheint jetzt wirklich in der