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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-10 · Heft 24 (10.6.1850) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 24 (10.6.1850)
Date
1850-06-10
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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323 solche Gegner zum Schweigen zn bringen? Nun freilich, so schreibt Euch die Folgen selbst zu! Das ist es, was wir zu sagen haben. Wie? Mit Argumenten soll man denen entgegentreten, denen nur mit Thaten zu begegnen ist. Seit zwei Jahren spritzt die Kreuzzeitung und ihr Sonntagsblatt Gift, Gift nach allen Seiten und Richtungen aus, Gift, um die emanzipirten Juden sämmtlich zu vergiften! Bald wendet sie sich an die Bauern, bald an die Arbeiter, bald an die Handwerker, bald an die Regierung, bald an die Gesetzgeber. Sie wird nicht müde. Sie weiß, es bleibt überall Etwas hangen, und dieses Etwasund Etwas und Etwas wächst mit der Zeit zu einer furchtbaren Höhe hinan, und dann... Ihr Juden aber lasset Eure Todfeinde, die, nicht heimlich, sondern auf offnem Markte Euch Vernichtung geschworen, wirken und wirken, und verlasset Euch auf die liebe Sonne, die in der nächsten Stunde nicht mehr scheint vor allem schwarzen und gelben Gewölk, und legt die Hände in den Schooß und lasset die Lippen hangen.... Langst, längst haben wir es Euch in diesen Blattern zugerufen, tretet zusammen, und rufet den Schutz der Gesetze an, bevor es zu spät ist. Thut Jhr es nicht, wie Ihr schon so oft nicht gethan, was wir Euch frühzeitig zugerufen, nun, traget es. Da sagen die Einen: man muß den Brei nicht weiter aufrühren. Als wenn die Gegner nicht emsig genug sind, den Brei zu kochen und zu Heizen, daß Ihr ihn aufzehren sollet. Da sagen die Anderen: Jene werden nur um so erbitterter dadurch; als ob es noch irgend eine Bitterkeit des Hasses gäbe, die „Jene" nicht schon in sich ausgenommen. Da sagen die Dritten: laß sie reden, die Vernünftigen wissen, was sie davon zu halten haben; als ob wir Juden es nicht mehr als Jemand empfunden hatten, daß die Vernunft und alle Vernünftigen zusammengenommen am Wenigsten in der Welt vermögen! Bedenket vielmehr, daß die unter einer dünnen Decke schlummernden Vorurtheile und Gehässigkeiten dadurch wieder geweckt werden, reißend schnell sich wieder verbreiten, und, kühn gemacht, wieder hervortreten und im Kleinen und Großen sich äußern. Eure Sprüchlein sind gut zur Zeit, denn es giebt eine Zeit zum Schweigen, aber vom Nebel zur Zeit, denn es giebt auch eine Zeit zum Reden und Handeln.... Für diejenigen, welche nicht wissen, wie so dies denn in der jüngsten Zeit wieder zum Vorschein gekommen, bemerken wir Folgendes. Jedermann kennt den scheußlichen Mordversuch, der auf des Königs Majestät in jüngster Zeit von einem, vor Kurzem entlassenen Unteroffizier gemacht worden. Unselig an sich, hat ein solches Verbrechen nur immer unseligere Folgen. Die Krenzzeitungler sahen es als eine Gelegenheit an, um eine vollständige Umwälzung herbeizuführen. Sie stempelten die That als die That einer Partei, und verlangten Repressalien aller Art. Dem traten nicht nur die demokratischen Blatter entgegen, sondern auch die konservativkonstitutionellen, wie die Constit. Ztg. in Berlin. Denn nirgends konnte ein Zusammenhang mit einer Partei entdeckt werden, die That wie der Thäter stand isolict. Nun ging es auf diese tos, und da die Kreuzzeitungler nicht durchdrangen, so wurden sie umso wüthender, und da die Constit. Ztg. im Verlage eines jüdischen Buchhändlers erscheint, so mußten die Juden der willkommne Blitzableiter der Wuth sein. Wer staunt nicht über diesen gekünstelten Zusammenhang! Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so ernst wäre. Und wer führt die Geißel? Die moralische Mustergenofsin von Gödsche und Ohm, die Unterhändlerin dänischer Unterhändler, die Mutter des „Zuschauers"!!! Fürwahr, es gehört eine eiserne Stirn dazu. Noch Eins zur Charakterisirung der Art, wie der Krieg geführt wird. Der berliner Korrespondent der „Times" beklagt sich, daß man in Deutschland die Enz- Herzigkeit der Engländer in religiösen Dingen so häufig verspotte, und erzählt dafür ein Beispiel bigotter Intoleranz aus dem freisinnigen Berlin, dessen sich, wie ec meint, die bornirten Engländer gewiß schämen würden. Die Kreuzzeitung zieht nämlich in mehreren Artikeln gegen Meyerbeers Propheten los und argumentirt die Verwerflichkeit der Oper aus dem Umstande, daß der Kornpositeur ein Jude sei, welcher sich in Robert, in den Hugenotten und im Propheten die Ausgabe gestellt habe, das Christenthum zu untergraben, die religiösen Gebrauche der Christen zu profaniren um Propaganda für's Judenthum zu machen!!! Fügen wir nun noch hinzu, wie sich einige deutsche Blätter über die Diatriben der Kreuzzeitung auslassen. Die Magdeb. Ztg. vom 29. Mai berichtet: „In welcher Art die „N. Pr. Z." gegen die Organe der Presse polemisirt, welche nicht wie sie selbst das Attentat für die Zwecke der Reaktion ausbeuten, mag man aus folgenden dem Zuschauer der Kreuzzeitung entnommenen Artikeln ersehen, die in unerhörter, wahrhaft schamloser Weise die „Constit. Ztz." angreifen: „Die „Constitutionelle Zeitung", dies Organ der aus dem Schweiße

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