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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-03 · Heft 23 (3.6.1850) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 23 (3.6.1850)
Date
1850-06-03
Page
Seite 316 (sequence 12)
Language
German
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316 dichtung durchaus der vordavidischen Zeit angehört, so daß es nicht verwundern darf, wenn sie mit David auf einmal in so großer Fülle und Vollendung erscheint. Es sind eben aus der Zeit vor dem königlichen Sänger keine anderen gerettet (das Gebet Channa's ja auch nur durch seine Aufnahme in das Geschichtsbuch, welches außerdem noch mehrere Gesänge aufbewahrt hat, s. 2 Schem. 1, 22.)z wie denn auch aus der Zeit nach David unzählige verloren gegangen, selbst schon von Schelomo 1 Kön. 4, 32. Daß Gesang und Dichtung im jisraelitischen Volke vor und zu Davids Zeiten sehr heimisch waren, ersieht man aus Nicht. 11, 35. 1 Schem. 18, 6. 7. Ja man erkennt auch hinreichend, daß neben dem Psalm auch andere lyrische Dichtungsarten erblüheten, wie das Rachset (svm) Nicht. 14, 12., die Parabel und Fabel Nicht. 9, 7., 2 Schem. 12, 1., 2 Kön. 14, 9., die Elegie (N2'p) 2 Schem. 1, 17'., an welche Letztere sich die Klagelieder Jirmeja's schließen. Das Hohelied Schelomo's und das Buch Jjob geben den Erweis, daß die in das Dramatische hinüberspielende Kunstproduktion auch auf dem Gebiete der profanen Lyrik, und der religiösphilosophischen Didaktik sich bis zum Umfänglichen entwickelte, so wie Ps. 45 auf der Grenze zwischen religiöser und profaner Lyrik sich halt. Daß nun David der Psalmeudichtung einen ganz besondern Aufschwung gegeben, lag in der Natur der Sache, da er als Dichter Fülle des Genius besaß, als König aber innerhalb des Kultus sie sanktionirte. Mit Dazid wurde die Musik und das Gebet integrirender Theil des Kultus, dem Mosche außer jenem Paar Trompeten beim Opfern (4 M. 10) Nichts davon zugetheilt hatte. An dem Psalm, des Königs Chisksta (Jesch. 38, 9.), an dem Psalm, welcher dem prophetischen Buche Habakkuks (K. 3) hinzugefügt, und dem, welcher dem B. Jona (K. 2) eingeschaltet ist, erkennen wir, daß auch außer den in unserer Sammlung enthaltenen Psalmen die Psalmdichtung vielfach gepflegt wurde, sich jedoch stets innerhalb derselben Grenzen bewegte. Ein ganz besonderes Zeugniß giebt hierfür noch Ps. 137, 2—4., wo die mit Musik verbundene religiöse Lyrik, yn!£ /n Ttt) genannt, als besondere, Jisrael eigenrhümliche Dichtungsweise im Gegensatz zu der Poesie der heidnischen Völker erscheint. In der That erkennen wir auch aus der Uebcrsicht der uns aufbewahrten Psalmen, daß von David an bis in die persische Periode tief hinein die Schöpfung neuer Psalmen, wenn auch von verschiedenem Werrhe, nie erlosch. Eine gesunde, nach beiden Seiten hin vorurtheilslose Kritik lehrt uns, daß nicht allein auch aus Schelomo's Regierungszeit, sondern auch aus der Zeit Jehoschaphats, Jarabeams II., Chiskija's, Joschija's, Jirmeja's, aus dem Exil, und in einem reichern Flusie wieder aus der ersten Periode nach dem Exil bis nach Nechemja Psalmenklänge zu uns gelangt sind. Eine ziemliche Zahl, deren Abfassunzszeit nicht zu bestimmen ist, läßt uns die Zeitlücken ausfüllen. Im Ganzen ergiebt sich, daß die Psalmcndichtung der prophetischen Strömung lange voranging, und sie noch um Etwas überdauerte, aber ebenso ununterbrochen in und mit Jisrael lebte, es aus der Heimath nach dem Exil, aus dem Exil zur Heimath begleitete, aber allerdings zu der Zeit in den Hintergrund trat, als die Prophetie den Vorderraum im geistigen Leben der Nation einnahm. Wir bedürfen daher zur Erklärung der Psalmendichtung der Prophetenschuten Schemuels und Elijas gar nicht, ja, es ist bemerkenswerth, wie höchst selten sich die prophetische Rede dem Psalm nähert (z. B. Jesch. 12, 35.), und wie, bei so nahem Charakter, Beide völlig getrennt blieben. (Fortsetzung folgt.) Belletristisches. Per Schlemiehl. Eine Skizze aus dem Leben. 1. Nein! ich will Dir nicht länger abstehen, und nicht länger widerstehen. . . . Jüngst, als ich die heiligen Fluren unserer Vaterstadt wieder sah, wo mir freilich mehr Saaten der Unsterblichkeit, von weißen Steinen bedeckt, hingestreut liegen, als Blüten der Gegenwart, und in meinem, noch immer so beweglichen Herzen all die Erinnerungen aufwachten, welche die Jugend mit goldnem Strahlenkranz bekränzen, auch wenn sie langst geschwunden ist, da trat Dein Bild auch recht lebendig an mich heran; und als ich gar durch den alten Fichtenhain wandelte, den man in unsrer Kindheit den „Weinberg" nannte, obgleich Nichts darin war, als ein Sandhügel, mit Tannen und Gestrüpp besetzt, da standest Du auf dem Gipfel des Hügels, und winktest und winktest mir, und Dein breiter Mund mit den wulstigen Lippen lächelte mir mit all seiner Gutmüthigkert zu, und Dein

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