Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1850)
- Date
- 1850-06-03
- Page
- Seite 315 (sequence 11)
- Language
- German
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315 Er wurde gewarnt und bedeutet, sich die nöthige Befugniß zu verschaffen; doch vergebens, er verkaufte offen, daher sollen es auch zunächst die Lehrlinge und Gesellen der Tuchmacher gewesen sein, welch« seine Maaren beschädigten. Die in Jglau an den Abenden des 6. und 7. Mai stattgehabten Demonstrationen gegen mißliebige Juden waren blos Katzenmusiken, doch wurden sie, wie jene in Trebitsch, durch Militärhilfe bald gedämpft; eine solche musizirende Schaar in Jglau brachte der eben dort anwesende brünner Kreispräsident, Ritter v. Lebzeltern, zur Besinnung und Entfernung. Am 9. Mai wurden auch in der Marktgemeinde Pirnitz, ebenfalls iglauer Bezirkshauptmannschast, einigen Juden die Fenster eingeworfen. Ein Bezirksonimissar mit einem Militärdetachement stellte die Ordnung wieder her. In Trebitsch ist eine Kompagnie Prinz von Preußen eingerückt. —. Man berichtet uns aus Ungarn, daß sich in mehreren Gegenden daselbst Vereine von Israeliten bilden, in welchen den Vereinsmitgliedern zur Pflicht gemacht wird, ihrem bisherigen Handelsgewerbe zu entsagen und sich dem Landbaue zuzuwenden. Zu diesem Zwecke werden von dem Vereine größere Ländcrstrecken angckauft oder Pachtungen kontrahirt, welche von den einzelnen Mitgliedern parzellenweise übernommen werden können. Prag, 19. Mai. Wie ich höre, ist man bezüglich der von der Judengemeinde an die gemeinschaftliche Gemeindekasse zu erlegende Summe einem beiderseitigen Einverständnisse so ziemlich nahe. Sie soll auf 72,009 fl. bemessen und in neun Jahren ratenweise abgelöst werden. Abhandlungen verschiedenen Inhalts, In diesen Tagen erscheint die 9te Lieferung des III. Bandes unsers Bibelwerkes, welche den Schluß der Psalmen bringt. Die 1 Ote Lieferung wird die Einleitung zu den Psatmen enthalten. Wie beim Beginn der Psalmen geben wir hier die ersten Paragraphen der Einleitung zn den Psalmen. 1. Namen des Buches. Die Sammlung religiös-lyrischer Gesänge führt den hebräischen Titel D^biin, den griechischen xpaXvrjgwv, Psalter, Psalmbuch, so wie die einzelnen Gesänge Ersinn, Psalmen heißen. 2. Die lyrische Poesie der Hebräer überhaupt und die Psalmdichtung im Besondern. Die Spuren lyrischer Dichtung gehen in der Schrift in das höchste Alterthum zurück. Schon 1 M. 4, 23. 24. findet sich ein ältestes Lied, das die Form der hebräischen Poesie schon vollständig zeigt und die Erfindung der Dichtkunst überhaupt bezeichnen soll (s. h S. 24). Rhythmische Anordnung mit Reim zeigt sich auch 1 M. 5, 29. Die lyrische Dichtung gestaltete sich aber schon frühzeitig zu verschiedenen Arten. Zunächst ergab sich eine eigene Dichtungsart in der poetischen Behandlung des Segens, welchen die Vorväter über die Häupter ihrer Nachkommen sprechen. Noch von geringem Umfang im Segen Jizchaks auf Jakob 1 M. 27, 27—29. und Esav das. 39. 40., wird er zu einem großen dichterischen Gemälde voll Kraft, Sinnigkeit und Reichthum in der Rede Jakobs an seine Söhne 1 M. 49, welche das Vorbild für Mosche in seinem Segen auf die Stämme Jrsraels ward 5 M. 33, und dem die Sprüche Bileams 4 M. 23, 24 zur Seite stehen. Neben dieser poetischen Behandlung des Segens erstanden aber bald zwei andere Gattungen, zunächst der Hymnos, das nationale Triumphlied, wie es sein unsterbliches Vorbild im Gesang am rochen Meere 2 M. 15 fand, mit Anfängen 4 M. 21, 14. 27 — 307 und dem Brunnenliede das. V. 17. 18. und mit seinem Nachbilde im Siegestiede der Debora Nicht. 5. Alsdann die poetische Rede, die belehrend, malmend, strafend und weißsagend ihr Vorbild in der Rede Mosche's an Jisrael hatte 5 M. 32. Diese beiden Dichtungsweisen waren aber von hier aus der Ausgangspunkt zweier großer, reich strömender Quellen: jener Hymnos der Ausgangspunkt der Psalmen oder religiös-lyrischer Gesänge als abgerundete Kunstprodukte, welche auf religiöser Grundlage die subjektive Stimmung in Vorgängen, Situationen und Personen aussprechen; die poetische Rede der Ausgangspunkt der prophetischen Reden, welche die Angelegenheiten der Nation im Geiste der Prophetie behandeln. Auch die Psalmen treten zuerst aus dem schöpferischen Genius Mosche's im Ps. 90 hervor, wie auch 4M. 10, 35.36. Anktänge dafür enthält und ergiebt es sich ans diesem und dem Gebete der Channa, der Mutter Schemuels, 1 Schem. 2, nach ihrer Beschaffenheit, daß die Psalm-