Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1850)
- Date
- 1850-06-03
- Page
- Seite 314 (sequence 10)
- Language
- German
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814 dieselben aufgefordert, in ihren RabbinatSbezirken Kollekten zu unferm angegebenen Zwecke zu veranstalten und die hierdurch gesammelten Liebesgaben gütigst an uns einzusenden. Wir richten darum eine gleiche Bitte auch in diesem Blatte an alle Edeldenkende, die sich die Unterstützung eines frommen Werkes und die Aushilfe einer kleinen Gemeinde zum Segen rechnen, und sind sicher, Berücksichtigung zu finden. Der Gemeindeälteste Lehmann Kugelmann. Der Lehrer W. L. Le vor. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 20. Mai. In der öffentlichen Darlegung des Budgets des Kaiserstaates vom Jahre 1849 stehen unter den Einnahmen noch die „Judensteuer" mit 140,693 Fl. Wird dies nun der letzte derartige Posten sein? —. Die hiesige israelitische Gemeinde beabsichtigt ihr Gotteshaus entsprechend umzubauen, demselben einen würdigen Eingang und eine schöne Gaffenfronte zu geben. —. Der Kaiser hat in Triest die Gotteshäuser der Griechisch-Orientalen, der Griechisch-Jllyrischen, der Israeliten und der Protestanten helvetischer Konfession besucht, woselbst die verschiedenen, zahlreich versammelten ReligionsverwoMdtcn sich bemühten, ihre Dankbarkeit für die ihnen erwiesene hohe Ehre an den Tag zu legen. Wien, 22. Mai. Ueber die unselige Verfolgung der Juden in Mähren lauten die neuesten Nachrichten folgendermaßen: Aus mehreren Städten Mährens sind viele Judcnfamilien hier eingetroffen, darunter sehr ansehnliche aus Jglau, weil sie die daselbst herrschende Gährung fürchten. In Mähren zeigt sich die Intoleranz sehr lebhaft und es ist dies in jenen Städten, wo bereits Judenexzeffe vorgekommen, noch nicht am Acrgsten; es giebt in Mähren viele, sehr gewerbreiche Städte, in denen früher niemals «in Jsraelite wohnen durfte. In diesen ist die Stimmung gegen die Israeliten außerordentlich feindlich, und kam bis jetzt nur deshalb nicht zum Ausbruche, weil es kein Israelit wagte, sich daselbst einzusiedcln. Diese israelitenfeindlichen Städte sind fast durchgehends Solche, welche ausgezeichnete Manufakturen besitzen und ihre Maaren an israelitische Kaufleute abliesern. Diese fürchten, die Israeliten würden sich bemühen, das Geschäft daselbst ganz zu beherrschen, daher ihr Haß. —. Ueber die Judenkrawalle in Straßnitz und Trebitsch kamen dem brünner Korrespondenten des „C. Bl." folgende nähere Daten zu: Diese Erzeffe haben die gewöhnliche Folge solcher Ercigniffe: Kriminaluntersuchungen, Verhaftungen, und in der Perspektive lange Freiheitsstrafen — Elend, Verderben der Angehörigen. Den Beginn machte der Krawall in Straßnitz, der schon um den 18. April statlfand, wo man das Haus des Juden Morgenstern mitKoth und sittenlosen Bildern bekleckste, und ihm die Fenster einwarf. Nur der Umstand, daß Straßnitz von dem Sitze des Bezirkshauptmanns Hradisch drei Meilen entfernt ist, war Ursache, daß die Bezirksbehörde nicht im Momente einschritt, was sogleich persönlich durch den Bczirkshauptmann geschah, der sich nach erhaltener Kunde unverzüglich auf den Weg machte, und den Exzeß ohne Hilfe des Militärs, während andere Blätter das Gcgentheil irrig erzählen, beendet; auch Entwendungen fanden nicht statt. Charakteristisch ist es, daß sich, wie man aus Straßnitz vernimmt, der Beschädigte mit einer Klage gegen die Bezirksbehörde nach Wien gewendet haben soll. In Trebitsch waren die Vorfälle am 1. und 2. Mai weit ernsterer Art; hier kann man leider die Lokal- und Bezirksbehörden von einer Zögerung, wodurch der rechte Moment versäumt wurde, nicht freisprechen, doch auch hier trägt zum Theile die vier Meilen große Entfernung der Stadt von Jglau, dem Sitze der Bezirksbehörde, wol viele Schuld, und ich komme auf die mehrfach geäußerte Idee zurück, daß politische Exposituren in jeder größer« Stadt werden errichtet werden müssen, um jene Uebelstände zu beseitigen, welche aus der Zögerung entstehen, die nothwendig bei Exzessen eintritt, wenn die Zeit der Meldung und der Hinreise des Beamten zusammengchalten wird. Oie trebitscher Vorfälle waren jedoch nicht ohne Veranlassung des Jnsultirten. Mit der Freiheit der Uebersiedlung glaubte der trebitscher israelitische Handelsmann Neumann auch ein Recht erworben zu haben, eine Tuchhandlung in dem neu erkauften Christenhause zu errichten, oder eigentlich, die ihm für die Judenstadt verliehene Tuchausschnittsbefugniß auch in die, eine abgesonderte Gemeinde bildende Christenstadt übertragen zu können.