Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1850)
- Date
- 1850-06-03
- Page
- Seite 313 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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313 tnb« ,öib\» “i»Nb nb|?3 bs> •wra taia-m *) — dib« i'rri Landsberg. Magdeburg, 26. Mai. (Privatmitth.) Die hiesige, seit ungefähr 40 Zähren mit geringem Anfang begründete, dann schnell und später immermehr angewachsene Gemeinde, so daß sie jetzt 180 Familien faßt, hatte noch kein eigenes Gotteshaus besessen, und alle früheren Versuche, ein Solches zu erlangen, scheiterten an den großen Kapitalien, welche in der umgrenzten, sehr bevölkerten und belebten Festung schon der Erwerb eines angemessenen Grundstücks erforderte, noch dazu da die Gemeinde im Allgemeinen zu den Wohlhabenden, aber nicht zu den reichen gehört. Der Energie des jetzigen Vorstandes, der Herren F. Friedeberg, M. Morgenstern und A. Spir, so wie der nächsten Wirksamkeit einer geregelten Gemeinde- Verfassung ist es zu danken, daß uns die Aussicht eröffnet ist, in einer Zeit, die solchem Werke just nicht die günstigste ist, eine würdige Betstätte zu erlangen. Die Stadt hatte ein wohlgelegcnes Grundstück akquirirt, und bewilligte der Gemeinde einen großen Thcil desselben als Eigenthum gegen einen sehr billigen Zins vorerst auf 30 Jahre. Ein sehr einsichtsvoller Plan zur Erlangung und Amortisation der nöthigen Kapitalien wurde vom Borstande der Gemeinde vorgelegt, und in kürzester Zeit sind darauf für 7000 Thlr. Aktien gezeichnet, so daß die Baukommission ihre Arbeit beginnen konnte. Als Grundbedingung wurde zugleich festgestellt, daß in dem neuen Gotteshause ein zeitgemäß gestalteter Gottesdienst abgehalten werde. Am Schebuotfeste predigte Dr. Philipps»» über diesen Gegenstand, und ist die Predigt gedruckt in der Gemeinde vertheilt worden. Nürnberg, 6. Mai. (Fr. Iourn.) Unsere Stadt soll den alten Ruf der Intoleranz gegen die Juden, den sie seit den mittelalterlichen Verfolgungen gegen die deutschen Parias so treu bewahrte, daß in den letzten freiherrlichen Reichsstadtzeiten die Juden noch den Leibzoll zahlen mußten und nicht über Nacht hier bleiben durften, auch noch im Jahre 1850, zwei Jahre nach dem Erhebungsjahre 1848, wo man auch *) Wir bemerken dem Herrn Einsender, daß er sich in der Person des Kvrresp. vollständig geirrt, und müssen nur die Art der Erwiderung bedauern. Di« Redaktion. hier nach Freiheit und Gleichheit rief, sich erhalten. Nicht der Magistrat und das Gemeindekollegium haben der Stadt durch das Abschlagen eines Niederlassunggesuches von Seite eines jüdischen Kaufmannes das Siegel der unchristlichen Gesinnung aufgedrückt, sondern die Ehrengeistlichkeit, die vermöge unsers vom Zahn der Zeit durchlöcherten baierischen Gcmeindeedikts im Armenpflegschaftsrath sitzt und bei Ansässigmachungen ein absolutes Veto hat. Acht evangelische Geistliche haben Nürnberg blamirt, indem sie, die Majorität im Kollegium bildend, dem Kaufmann Cohn, einen allgemein geachteten, seit Jahren auf dem hiesigen Handelsplatz bekannten wackern baieri, scheu Staatsbürger (der hier schon einige Jahre mit Familie auf Aufenthaltskarte wohnt) die Aufnahme in den Bürgerverband abschlügen, blos weil er ein Jude ist. Das Benehmen der Herren Geistlichen erregt natürlich in allen Kreisen hier das größte Erstaunen, und wahrlich, an Achtung hat dieser exklusive Stand, der sich in neuester Zeit durch Habsucht bei vielen Gelegenheiten bemerkbar macht, Nichts gewonnen! Man schämt sich für diese Herren, welche in der christlichen Lehre zwischen Praxis und Theorie so scharfe Grenzen ziehen, und hofft, daß ein neues Gemeindegesetz, das uns ja verheißen ist, ihren verderblichen Einstuß für immer beseitigen wird. Hebenshaufen bei Metzenhausen (Kurfürstenthum Hessen), 24. Mai. (Emgesandt.) Unsere Synagoge, durch die Länge ihres Bestandes dem Einsturze nahe, nölhigt uns den Angriff zu einem Neubau derselben zu machen. Wie aber unsere Gemeinde selbst klein und schwach ist, so ist es ihr gleich auch unsere Gemeindekasse; diese kann den Bau nicht vollenden, kann die Kosten zu demselben nicht bestreiten. Sollten wir aber darum die längst in uns gehegte freudige und nothgrdrungene Hoffnung in unserer Mitte bald ein neues Gotteshaus erstehen zu sehen, aufzugeben? Ist ja unter Israel schon so mancher Bau vollendet worden zur Ehre Gottes durch die edle Gesinnung und wohlthätige Hilfe seiner Glaubenstreuen, so wird es auch dieser unter dem Schutze Gottes werden. Mir müssen hierbei namentlich auf Unterstützung edler Menschenfreunde rechnen, und damit dieselben auch bei dieser Gelegenheit ihren edeln Sinn bethatigen und ihr Scherflein beitragen können, haben wir uns bereits an mehrere Herren Rabbiner gewendet und bittend 23*