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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-03 · Heft 23 (3.6.1850) · p. Seite 310

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 23 (3.6.1850)
Date
1850-06-03
Page
Seite 310 (sequence 6)
Language
German
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310 ebenso froh in Bezug auf ihre Zukunft vor sich Hinsehen können! Leider kann sie dieses nicht. Denn gegründet auf milde Gaben, wobei laut den Berichten der Anstalt die rheinischen Glaubensgenossen sich eben nicht vortheilhaft ausgezeichnet haben, steht sie, was die Existenzfrage betrifft, nach 25jährigem Wirken noch beim Alpha, und so hat es allerdings den Anschein, daß mit dem dereinstigen Ableben des Herrn Professor Haindorf — was Gott zur Freude aller Schüler und Verehrer desselben noch recht, recht lange verhüten wolle! — das von ihm nur äußerst mühsam erhaltene Kind, die Anstalt, mit ihm in's Grab sinken werde. Wäre sie katholische Anstalt, deß sind wir sicher, schon längst würde man durch Schenkungen und letztwillige Vermächtnisse einen Fonds verschafft haben, der ihr Fortbestehen unabhängig von ihrem Stifter sichern würde. Aber warum sind wir Juden, die wir uns doch so gern ■’Da traarn nennen, lauer in Gründung und Erhaltung von Anstalten, welche doch dem Fortbestehen unserer Religion unentbehrlich sind? Unsere oft mit Unrecht geschmäheten Alten waren in dieser Hinsicht freigebiger als wir. Manche Leute haben Hunderte verschenkt, als ihnen die, nach unserer Meinung, nicht große Ehre zu Theil wurde, als Stadtrath erwählt worden zu sein; warum hat man nicht die münstersche Schule damit beschenkt? Warum hat noch Keiner der reichen Israeliten, die in ihrem Testamente alle Anstalten der Welt bedacht haben, auch der Haindorfschen Schule j mit einer kleinen Summe Erwähnung gethan? Wäre! es vielleicht nicht gut angewandt? Gewiß. Oder hat! der Herr Professor Haindorf die Wirksamkeit der Anstalt nur engherzig auf Rheinland und Westfalen beschränkt? Auch nicht, vielmehr har Herr Prof, jungen Leuten nicht nur aus allen Theilen der Monarchie, sondern aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes stets gern und bereitwillig Gelegenheit geboten, sich in seiner Anstalt zu tüchtigen Lehrern auszubilden. Und darum hat auch die Anstalt auf die Theilnahme des ganzen Vaterlandes Anspruch. Daher wäre es auch an der Zeit, daß man sich überall bestrebte, durch Schenkungen und letztwillige Vermächtnisse, endlich durchSpenden aller Art der Haindorfschen Schule einen Fonds zu verschaffen, der ihrenFortbestand sicherte, und hiermit müßte man am Tage der Feier des 25jährigen Jubiläi beginnen. Auf diese Weise nur könnte man diesen Tag würdig feiern, und in einer solchen Feier würde Herr Prof. Haindorf gewiß die größte Anerkennung für sein unsterbliches Verdienst um Israels Bildung finden, die Schenkgeber aber selbst sich unsterbliches erwerben. Deshalb, Ihr mit Glücksgütcrn gesegneten Glaubensgenossen, beherzigt diese Worte wohl, ein Jeder spende nach seinem Verhältnisse schon an diesem TaHe und fahre fort der Anstalt zu gedenken, so kann das ewige Fortbestehen der Anstalt auf eine leichte Weise erzielt werden. Der allgütige Vater aber wird gewiß für solche Gaben seinen doppelten Segen geben. Vernachlässigt Ihr dieses aber, so werdet Ihr nur ein neues Beispiel den vielen tausenden der Geschichte beifügen, nämlich, daß die gebildetere Nachwelt erst an den Schatten großer Männer sühnen mußte, was die Mitwelt an ihnen verbrochen hatte, die unparteiische jüdische Geschichte wird Euch richten; der Geist Haindorfs aber wird Euch einst am Throne Gottes ankla» gen, daß esEureSchuld, daß inRheinland und Westfalen jüdische Jugendbildung untergegangen ist. Möge das verhängnißvolle „zu spät", welches in jüngster Zeit so oft gehört wurde, nicht auch hier vernommen werden! Zum Schluffe sei noch bemerkt: ich habe lange gehofft, daß ein Anderer, ein Rabbiner etwa diesen Gegenstand besprechen werde; aber vergebens. Vielen von diesen'Herren scheint die süße Ruhe allzusehr zu behagen, oder sie glauben schon genug gethan zu haben, wenn sie gelegentlich, aber ohne alles Recht, über die Unwissenheit der Lehrer tüchtig losziehen (das kostet ja eben nicht viel!). Wir sagen, ohne alles Recht, weil gar viele der Herren um die Bildung der Lehrer sich gar nicht kümmern, weil noch beinahe Keiner derselben, insoweit wir davon Kunde erhalten haben, auch nur Eins von seinen vielen grundgelehrten Werken einer jüdischen Seminar- oder Konferenzbibliothek geschenkt oder zu einem billigern Preise erlassen hat; Sie, Herr Redakteur, machen, wie in so vielen anderen Beziehungen, auch hierin eine ehren- und zur Nachahmung empfehlenswerthe Ausnahme von vielen Ihrer Herren Kollegen. Daher habe ich mich entschlossen, von Ihrem Worte, „daß die Lehrer nunmehr im Stande seien, ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen," so schwach ich mich auch fühle, Gebrauch zu machen. ß

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