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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-03 · Heft 23 (3.6.1850) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 23 (3.6.1850)
Date
1850-06-03
Page
Seite 311 (sequence 7)
Language
German
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311 Magdeburg, 19. Mai. Indem wir in der jüngsten Zeit einige Korrespondenzen aus dem Posenschen und Schlesischen aufnahmen, die über die Lokalien sich ausließen, haben wir uns einen Sturm von Entgegnungen, Erwiderungen, Repliken und Dupliken zugezogen. Eine Redaktion ist immer in mißlichen Verhältnissen. Sie kann der Korrespondenzen nicht entbehren, ist aber doch nicht im Stande die Wahrhaftigkeit derselben stets zu prüfen. Die Presse ist nicht berufen, Alles und überall zu loden, sondern ganz besonders auch Uebergriffe jeder Art, von welcher Seite sie kommen, zu rügen, und Richtungen, die zu mißbilligen, zu bekämpfen. Wir geben auch offen zu erkennen, daß wir glauben, zu keiner Zeit sei es so nothwendig gewesen, daß der Lehrerstand des Judcnthums — wir meinen natürlich diesen auf jeder Stufe — sich regsam, strebsam, kräftig, aber durchaus nicht zelotisch, sondern liebevoll und versöhnlich zeige; zu einem bedeutenden Theile wird hiervon der Ausschlag in der Krise, in der alle Kirchen sich befinden, namentlich aber das Judenthum, das vom Staate ganz abgestoßen ist, abhängen. Daß also die Presse hierin zu wirken, und bisweilen durch einige scharfe Einschnitte gesundes und erfolgreiches Streben zu erwirken suche, halten wir für deren Pflicht und Zweck. Auch glauben wir in unserm 14jährigen Redaktionsamte uns unparteilich, allen Persönlichkeiten fern erwiesen zu haben. Aber wie schwer ist dies Alles unseren heißblütigen Glaubensgenossen gegenüber! Kaum hat man eine Beschwerde ausgenommen, so kommen Solche aus allen Winkeln herbeigeflogen, und dann fehlen die Antworten nicht, und, zieht man nicht rechtzeitig eine Grenze, so ist des erbitterten Kampfes aus I. und O., aus R. und S., aus J. und P. kein Ende. Was zuletzt auf dem Kampfplatze bleibt, ist — das Judenthum selbst. Dennoch bleiben wir dabei, daß dies nicht vermieden werden kann, noch darf. Nicht „kann", das liegt in der Natur der Verhältnisse, aber auch nicht „darf", weil die Presse ihre Wirksamkeit nicht also beschränken darf. Wir können daher nur zwei Bitten aussprechen: dem Publikum gegenüber, nicht immer der Redaktion zur Last zu legen, wovon diese in ihrem guten Willen nicht die geringste Ahnung hat; und den Korrespondenten gegenüber, sich unparteiisch und wahrheitsliebend zu halten. Zu Werkzeugen von Gehässigkeiten werden wir uns niemals machen. Hiermit wollen wir eingeleitet haben, wenn wir im Folgenden noch zwei Entgegnungen auf frühere Artikel geben. Schwerin a. d. Warthe, im Mai. (Eingesandt.) Lange habe ich bei mir selbst angestanden, ehe ich mich entschließen konnte, eine Widerlegung der Anschuldigung in No. 17 d. Bl. (aus dem Großherzogthum Posen, im April) gegen den Herrn Greiffenhagen zu Wollstein der Oeffentlichkeit zu übergeben, weil ich immer der Hoffnung Raum gegeben, ein geübterer Kämpe werde zur Wiederherstellung der verletzten Ehre dieses würdigen Mannes in die Schranken treten. Leider aber gehören heut zu Tage wahre Freunde zu den seltenen Erscheinungen, und so hebe ich jenen hingeworsenen Fehdehandschuh auf, ermuthigt durch den Gedanken, daß der Kampf gegen Freunde der Wahrheit ein gar zu harter nicht sein dürfte; denn wer die Wahrheit gern spricht, wird auch der Wahrheit sein Ohr nicht verschließen. Die Verdächtigung des sittlichen Charakters eines Menschen setzt eine genaue Kenntniß von dem innern und äußern Leben dieses Menschen voraus. Ob aber das lieblose Urtheil jener Wahrheitsfreunde über den Herrn Greiffenhagen das Resultat eigner Anschauung oder nur böswilliger Einflüsterungen sei, ist ein Problem, welches zu lösen ich mir nicht getraue. Ich kenne den Herrn Gr. seit seiner frühesten Jugend und weiß, daß er ein sehr edler Mensch, ein zärtlicher Gatte, ein liebevoller, sorgsamer Bater, ein aufrichtiger Freund und was noch weit mehr sagen will, ein der strengsten Rechtlichkeit ergebener Mann ist. Er hat zu viel Geist und gesunden Sinn, um nicht sein Leben so einzurichten, daß er Andere und auch sich selbst zufrieden stellen könnte. Seine tiefen, gründlichen talmudischen Kenntnisse wird wol Niemand in Frage stellen, und besitzt er auch nicht die ungeschwächte Macht der Rede, da cs ihm an einer emphatischen Stimme und vielleicht auch an jenen theatralischen Gesten fehlt, die oft Effekte hervorbringcn; mag es ihm überhaupt sauer werden, klangvolle Perioden zu bauen und strahlende Metaphern von sich zu schleudern: so sollen doch, wie mir mehrseitig versichert wird, seine Vorträge, aus reinem, von religiösen Gefühlen durchdrungenen Herzen kommend, von gediegenem Inhalt sein, und die ergreifendste Wirkung nicht verfehlen. Herr Gr. ist übrigens ein Mann von

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