Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1850)
- Date
- 1850-06-03
- Page
- Seite 309 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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809 zufügtc: „Dankgebet für die Rettung des Königs." Möchte dergleichen nicht wieder Vorkommen. — Ueber die Feier in der Synagoge berichtet die Boss. Zeitung: „Bei gedrängtem Gotteshause fand gestern früh in der jüdischen Hauptsynagoge der von Seiten der alten jüdischen Gemeinde veranstaltete Festgottesdienst zum Danke der wunderbaren Beschützung Sr. Maj. des Königs statt. Vor dem Allerheiligsten prangte ein prachtvoller Vorhang, ein Geschenk Friedrich des Großen, und die Synagoge selbst befand sich noch vom jüngsten Feste her in ihrem Blütenschmuck. Die Feier, welcher Mitglieder der städtischen Behörden in Amtstracht und goldener Kette beiwohnten, wurden durch einen eigends für diesen Tag von dem hiesigen jüdischen Unterkantor Herrn Levy in hebräischer und deutscher Sprache verfaßtes „Dankgebet für die wunderbare Erhaltung Sr. Maj. unsers vielgeliebten Königs" eingeleitet, der mit Chorgesang das übliche Gebet für den König und sein Haus folgte. Der Prediger vr. Sachs bestieg hierauf die Kanzel, indem er seiner gehaltvollen Predigt ein Gebet zu Gott voranschickte, worin er der Gottheit dankte für die wunderbare Errettung und zu ihr flehte, daß keine Frevlerhand sich jemals wieder gegen das theure Leben des Königs und sein Haus waffnen möge. Als Text der Predigt nahm vr. Sachs die Segensformel: der Herr segne und behüte dich rc. und zergliederte er die Bedeutung derselben auf eine wahrhaft erhabene und begeisternde Weise, worauf er mit dieser Segensformel den Segen des Allmächtigen über den König und sein Haus herabflehte. Hiermit schloß die Feier, in welcher Herr vr. Sachs durch seine tief ergreifende Rede der wahre Dollmetscher der Gefühle wurde, welche die ganze Gemeinde, ohne Ausnahme beseelten. Aus dem Sauerlande, 23. Mai. (Privatmitth.) Der Aufsatz des Herrn Wolfsdorf in No. 16 d. Bl. hat auch mich sehr erfreut und war mir wie aus der Seele gesprochen, weshalb auch ich Sie, verehrtester Herr Redakteur, ersuche, mir zu gestatten, den Blick der Leser dieser Blätter nach Münster und auf eine Anstalt zu richten, die man bisher sowol in jüdischen Geschichtswerken * *), als *) Herr vr. Zun; G. B. gedenkt in einer Note des kafseler Seminarii und sogar der in Oelde gehaltenen Predigten, aber nicht der Haindorfschen Anauch in Zeitschriften entweder gar nicht erwähnt, oder doch nicht diejenige Aufmerksamkeit geschenkt findet, auf die Anspruch zu machen dieses Institut sich wol ein Recht erworben hat. Daß wir das Haindorfsche Seminarium meinen, brauchen wir wol kaum zu bemerken. Woher dieses Jgnoriren komme, wissen wir zwar nicht, glauben aber, daß es kaum zu entschuldigen sein dürfte. Gleiches Schicksal theilt mit ihr die Schwesteranstalt zu Berlin; und obschon es in Berlin schreibseligc Männchen genug giebt, die mit der kleinsten Kleinigkeit, ja sogar, wenn man sich im berliner Vorstande ein Bischen prügelt (was allerdings von handgreiflicher Intelligenz zeugt), das lesende Publikum behelligen, so ist dennoch bis jetzt von jenem Seminario kein Lichtstrahl in die Provinzen gedrungen, was aber um so mehr zu bedauern ist, alsgerade dieses Seminarium sich der trefflichen Leitung eines Zunz zu erfreuen hat, und gewiß zu erwarten ist, daß dasselbe für ähnlicheAnstalten alsMuster dienen kann. Aber warum nun wird nie ein umfassender Bericht über dasselbe veröffentlicht? Bietet das Seminarium nicht einen hinlänglichen und würdigen Stoff dar, um die Feder irgend eines Seminarlehrers oder sonstigen Korrespondenten in Bewegung zu setzen?2) Doch wenden wir uns zu unserm Gegenstände. Die Vereinsschule zu Münster, die von Herrn Professor Haindorf, dessen Schüler sich nennen zu dürfen Schreiber dieses stolz ist, in's Leben gerufen, und nur durch dessen kräftige Unterstützung bis dahin ihr mühevolles Dasein fristend, wird im August d. I. das fünfundzwanzigste ihrer segensreichen Thätigkeit beenden, und darf im Bewußtsein derselben froh auf den bis dahin zurückgelegten Weg zurückblicken; möchte sie stalt. Ob Herr vr. Zost in seiner Geschichte ihr mehr Aufmerksamkeit schenkt, können wir nicht sagen, da wir leider dieselbe nicht besitzen.*) Der Einsender. 2) Sollte dies allein an den Korrespondenten liegen? Redakt. *) Der Vorwurf des Herrn Einsenders ist nicht ganz gerecht, indem Jost I. S. 316, noch mehr III. S. 48 die Verdienste der Anstalt würdigt, und wir schon oft über die Anstalt mit rühmlichster Anerkennung berichteten. Der Einsender übersieht, daß es allerdings Sache Westfalens und Rheinlands war, die Anstalt zu fundiren. Schenkungen in unseren Gemeinden finden gewöhnlich nur lokaliter statt. Wäre die Anstalt in Hamburg oder ähnlichen Orten, sicher fehlten die Fonds nicht. Redakt.