Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1850)
- Date
- 1850-06-03
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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308 beantwortet. Das Judenthum hat einmal die Bestimmung^ das HariPtmoment seiner Lebensfähigkeit in der Widerstandskraft zu haben. Sobald der Druck wegfallt, hört ihm der Gegendruck auf. Sobald ihm die Wege alle offen stehen, weiß es nicht, wen es Einschlägen soll. In der Stellung, welche die Kirchen gegen die Synagoge einnehmen werden, wird diese sich wiederfinden, und eine Mächtigkeit in Widerstand und Schöpfung entfalten, wie wir sie noch heute bewundern, wenn wie die Trümmer ihres mittelalterlichen Lebens und Schaffens betrachten, jene Bibliotheken, jene Synagogen, jene Hospitäler, jene Klausen, jene Vereine und die Alles umfassende npts der mittelalterlichen Judenheit. Lasset die Synagoge exkludirt werden, und sie wird schaffen, daß sie tausendfachen Ersatz in sich findet; lasset sie zurückgestoßen werden, und sie wird in sich Quellen des Reichthums eröffnen, die jenes Betteln der französischen Synagoge um einige tausend Franks vom überladenen Staatsbudget zu Schanden machen. . .. Dies ist die Zukunft, die uns aus dieser Gegenwart hervorzugehen scheint. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 26. Mai. Der hiesige geachtete Rabbinatsasseffor vr. Oettinger feierte gestern in rüstiger Frische seinen 70. Geburtstag, wozu er sich, in seltener Auszeichnung, von allen Parteien der jüdischen Gemeinde, so wie von seinen Freunden und Verehrern aus nah und fern lebhafte Beweise der Theilnahme zu erfreuen hatte. —. Jetzt wird leider! Alles in die Politik hineingezogen , und man versucht von gewisser Seite her auch dem Judenthume die Politik einzuokuliren, indem man die Orthodoxie für konservativ, die Reform für revolutionär auszugeben sucht. Mögen sich die Juden vor diesen, bis jetzt so ziemlich von außen her erst gemachten Versuchen hüten; mögen gewisse Leute sich dadurch nicht verlocken taffen, daß sie damit die Kreuzzeitungspartei in ihrem Schimpfen gegen die Juden zum Schweigen zu bewegen glauben könnte! Nein! die politischen Leidenschaften, welche die Welt zerreißen, mögen in das Heiligthum unsrer Religion nicht eindringen! Draußen streitet so viel Ihr wollet — aber an der Schwelle der Glaubensgemeinde muß der Friede eifersüchtig seine Herrschaft bewahren. Es wäre das größte Unglück, cs wäre das sicherste Mittel, jedes Band zu zerreißen, es würde beiden Theilen zum größten Verderben gereichen, wenn die religiösen Richtungen im Judenthum auch noch politische Fahnen ausstecken würden. Sollte aber von einer Seite der Versuch gemacht werden, die andere zu verdächtigen: so wäre dies ein jesuitischer Kunstgriff, der die Urheber brandmarken würde! Wir machen mit Ernst darauf aufmerksam, wir machen die Juden Berlins dafür verantwortlich, wir, indem wir glauben im Namen aller preußischen Juden außerhalb Berlins zu sprechen. Die Judenfresser haben im vorigen Jahre genug gethan, um die Juden sammt und sonders als die ruchlosesten Wühler, als «ommis-voz'ggeurs der Emeute in den schlimmsten Geruch zu bringen — wollet Ihr denselben einen Schein des Rechts geben, indem er die Schuld auf die Schultern eines gewissen Theils Eurer Brüder zu walzen suchet, die in religiösen Dingen nicht ganz mit Euch übereinstimmen?! Die Kreuzzeitungsritter werdet Ihr Euch doch nicht befreunden, und sobald jemals diese zur vollen Herrschaft gelangt sein würden, wären wir Alle zuletzt Emanzipirte gewesen! Wir geben diese tiefgefühlte Warnung, nicht als ob wesentliche Thatsachen vorlägen, aber weil in leisen Schritten es uns zu nahen scheint. Darum die Warnung, bevor man weiter geht! Wer fühlte sich nicht auf's Tiefste erregt von der Kunde, daß die Hand eines Wahnsinnigen auf den König geschossen und ihn verwundet habe! Was natürlicher, als daß beim Gottesdienste, namentlich in der Hauptstadt, an dem Platze, an welchem die Unthat geschehen, Gebet, wol auch Predigt stattfinde! Da las man in der Vossischen Zeitung drei Tage hinter einander unter den Nachrichten mit gesperrt gedruckten Lettern, daß die alte Gemeinde einen Gottesdienst veranstalten, daß in der alten Synagoge eine Feier stattsinden würde und dies immer wieder. Der Schluß war da natürlich, in der Reformgcmeinde würde Nichts dergleichen beabsichtigt, die Reformgemeinde empfände Nichts bei diesem unseligen Vorgänge, nur die alte Gemeinde sei loyal. Wir müssen gestehen, es schmerzte uns tief. Es freute uns, daß die Reformgemeindc Nichts erwiderte, sondern einfach bei der Anzeige ihres gewöhnlichen Gottesdienstes hin-