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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-03 · Heft 23 (3.6.1850) · p. Seite 307

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 23 (3.6.1850)
Date
1850-06-03
Page
Seite 307 (sequence 3)
Language
German
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307 die Geistlichkeit im Unterrichtsgesetze errungen — wer hätte wol vor Kurzem noch gedacht, daß in Frankreich (!) die Geistlichkeit die Hauptfäden in der Leitung des Unterrichts wieder in ihre Hände bekommen würde? -- die völlige Befreiung der katholischen Kirche in Oesterreich von aller staatlichen Einwirkung und Beaufsichtigung, sind mächtige Zeugen, denen die nächsten Schritte in Preußen hinsichtlich des Kirchen- und Unterrichtswesens sich anreihen werden. Es ist, wie wenn das Jahr 1848, welches das Kirchenwesen gänzlich zu beseitigen die offene Absicht aussprach, diesem nur die Kraft verdoppelt hatte, um wieder als lebendige Macht in die Gesellschaft einzugreifen. Wol kennt man die Prophezeiungen der andern Seite — aber, offen gesagt, wir waren und sind zu sehr Freund der Thatsachen, als daß wir diesen nicht mehr als allen Prophezeiungen trauen sollten, und können uns von der Ansicht nicht trennen, daß gerade durch die Revolution von 1848 der revolutionäre Geist auf lange erschöpft und damit gefesselt ist. Er hat 1848 seine innersten Ideale ausgeströmt, Ideale, welche der Wirklichkeit zu weit entlegen sind, Ideale, die er daher gar nicht zu verwirklichen im Stande war, und hat gerade dadurch die Wirklichkeit auf länger verloren, als je. Wir sehen daher voraus, daß das Kirchenwesen auf lange Zeit wieder eine so mächtige Rolle spielen, eine so herrschende Stelle einnehmen wird, daß die Frage: wie wird die Stellung der Synagoge neben ihm sein? wol auf dem Herzen liegen kann. Aber bevor wir diese Frage irgendwie zur Beantwortung bringen, sprechen wir unsre zweite aus, nämlich: wird in der Synagoge ein kräftiges Leben beginnen? Ein Anderer würde gesagt haben „Wiederbeginnen", wir lassen „wieder" hinweg. Wir sind nämlich nicht der Ansicht, als ob vor dem Jahre 1848 das Leben in der Synagoge ein so kräftiges gewesen, welches, von 1848 unterbrochen, nur „wieder" anfangen könnte, wo es abgebrochen worden. Ja, Regsamkeit und Eifer waren da — aber kein kräftiges Leben. Die Zeit hatte es mit sich gebracht, daß eine Menge Bestrebungen stattfanden, aber das Wesen derselben war so äußerlich, daß sie doch nur auseinanderflossen. Das erste Zeichen des wahren Lebens ist das Schaffen. Aber was ist bei so vielen Mühungen und Worten geschaffen worden? Es war Alles resultatlos. Die Reform des Gottesdienstes, denn ste schuf keinerlei feste Basis, das Genmndeleben, denn es schuf keine sicherere Verfassung, die Wissenschaft, denn sie blieb in der Kritik stehen. Wie ohne Schöpferkraft waren die Rabbknerversammlungen, die nicht einmal ein häusliches Andachtsbuch hervorzubringen vermochten. Wo sind die großen, gemeinsamen Institute, die Lebensmittelpunkte, welche jenes vielbewegte Jahrzehend 1837—1847 geschaffen, und die der Nachwelt Zeugniß geben könnten von einem lebenskräftigen Geschlechter Keine. Papier und Geschwätz. Darum war der Marz 1848 eine scharfe, scharfe Scheere, welche den Faden zerschnitt. Er machte all den Quälereien ein Ende, und man hat nun wenigstens Etwas, dem man's in die Schuhe schieben kann. Und ein abgeschnittener Faden laßt sich nicht zusammenzwirnen, er hat stumpfe Enden. Wie nun? wird Leben, wahres Leben erwachen? und wann? Wir haben die beiden Fragen so neben einander gestellt, weil ihre Beantwortung uns in einander zu greifen scheint. Wir glauben nämlich nicht, daß die Kirchen der Synagoge neben sich eine Stelle einräumen werden. Die Kirchen haben dies nie gethan, und werden es nie thun. Wenn sie auch die bürgerliche Gleichstellung der Juden nicht rückgängig zu machen versuchen werden, so werden sie doch die Ebenbürtigkeit des Judenthums nie anerkennen. Sie werden dies nur thun, wo j sie es nicht anders können, z. B. in Frankreich, aber sie! werden auch da wenigstens dahin streben, auch äußerlich die Juden von Allem fern zu halten, wo sie das Gebiet,! welches die Kirche in Anspruch nimmt und nehmen will,! berühren. Die jüngsten Vorgänge in Frankreich, die! Entfernung jüdischer Lehrer von ihren Lehrstühlen, geben; den Fingerzeig. In den anderen Staaten wird daher > der Synagoge durchaus keine Staatsunterstützung gewahrt werden, die „Trennung der Kirche vom Staate" giebt beliebten Vorwand; man wird ihr und ihren Lehrern keine Rechte, keine Begünstigung zuertheilen, sie im Gegentheil darin immer beschränken; man wird ihr das allgemeine Terrän völlig vorenthalten; ja man wird sie exkludiren. Die Hauptchat bleibt auf diesem Gebiete die konfessionelle Schule. Die Schule wird überall einen konfessionellen Charakter annehmen, und so, nicht etwa der jüdische Lehrer allein, sondern auch vielfach der jüdische Schüler fern gehalten werden. Glaube man nur nicht, daß wir die Dinge schwarz sehen und malen — wir sehen und zeichnen sie nur so, wie sie vor uns liegen, wie sie sich kund geben, und wie man sie gar nicht einmal verheimlicht. Nun, und darin glauben wir auch die zweite Frage

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