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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-27 · Heft 22 (27.5.1850) · p. Seite 303

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 22 (27.5.1850)
Date
1850-05-27
Page
Seite 303 (sequence 15)
Language
German
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303 tionen, die doch aus Bildung Anspruch machen wollen, solcherlei Gesinnungen nicht oblegen, ihr Wohlwollen gegen eine große Religionspartei stets an den Tag zu legen, ist auf eine allgemeine Duldung nicht zu rechnen, und nicht zu verwundern, daß von Zeit zu Zeit es sich zeigt, wie die Gluth des Vorurtheils und Hasses noch immer unter einer dünnen Decke von Asche fortglimmt. Berlin, 16. Mai. Auf die früher erwähnte Bitte der Vorsteher der hiesigen Judenschaft, die Mitglieder der Genossenschaft für Reform im Judenthum im Wege der Exekution zur Zahlung der jüdischen Gemeindebeiträge anzuhalten, hat das Polizeipräsidium folgendes Reskript erlassen: „Nachdem das Polizeipräsidium auf den Antrag der Herren Vorsteher mehrere hiesige jüdische Einwohner zur Zahlung rückständiger Beiträge zur Kasse der hiesigen Judenschaft bei Vermeidung der Exekution aufgefordert hatte, ist durch die Vorstellung vom 17. v. M. zur Kenntniß desselben gekommen, daß die Herren Vorsteher nicht in den durch das General- Juven-Privilegium vom 17. April 1750 vorgeschriebenen früher beachteten Formen, sondern nach einem neuen, auf keine ausdrückliche gesetzliche Bestimmung gegründeten Wahlmodus gewählt worden sind. Wenn nun schon die Zulässigkeit der exekutivischen Einziehung jener Beiträge mit Rücksicht auf die Bestimmungen des Art. 15 der Verfassungsurkunde vom 31. Januar d. I. nicht unbedenklich erscheint, so kann das Polizeipräsidium sich gegenwärtig um so weniger zur exekutivischen Beitreibung der Beiträge für befugt halten, als dasselbe die Legitimation der Herren Vorsteher als Solcher nicht für genügend erachtet. Das Polizeipräsidium muß vielmehr den Herren Vorstehern anheimgeben, die fraglichen Ansprüche event. im Rechtswege zu verfolgen. Berlin, den 11. Mai 1850. Königliches Polizeipräsidium. (Gez.) von Hinckeldey. An die Herren Vorsteher der hiesigen Judcnschaft." —. Zum 26. d. M. ist die Wahl eines Ausschusses von 21 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde ausgeschrieben. Aus der Provinz Posen, im Mai. (Privatmitth.) „C’est tont comine chez nous!“ könnten wir Ihrem ungarischen Korrespondenten zurufen, der Ihnen neulich (ta No. 19 d. Bl.) berichtete, wie der Rabbi von Preßburg in seiner Drascha am letzten Vnan rau) Bannbullen geschleudert gegen diejenigen, so den Sabbat öffenllich entweihen, und solche Leute als nrndwbi Viod erklärt hat. — In der zwar nicht großen aber ziemlich intelligenten Gemeinde K. hatte man schon vor länger als einem Dezennium das Verlangen gehabt, einen „zeitgemäß" gebildeten Mann als Seelsorger anzustellen. Vor zwei Jahren endlich ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen. In einem stillen und bescheidenen „Doktor der Philosophie", der in kurzer Zeit einige Mal in K. gewesen und daselbst ein Paar, dem Geschmack des Publikums entsprechende „Gelegcnheitsreden" gehalten hatte, glaubte man denjenigen Mann zu finden, nach welchem das Herz sich sehnte, und — er wurde engagirt, — engagirt zum geistlichen Hirten der Gemeinde, engagirt zum Rabbi, Prediger und Religionslehrer. — Unbedingt müssen damals lauterMänner desLichts und d es Fortschritts an der Spitze der Gemeinde gestanden haben; denn wäre nur Ein Stillstands- oder Dunkelmann im Vorstande gewesen, das große Werk der Anstellung eines modernen Rabbi hatte gewiß nicht so leicht ausgcführt werden können. Dies fühlte der neue Seelsorger recht gut, er fühlte, daß die s. g. Fortschrittspartei seine Stütze sei, und lebte und handelte und predigte ihr zu Gefallen. Das ging eine Zeit ganz gut. Die Gemeinde war mit dem Geistlichen, der Geistliche mit der Gemeinde vollkommen zufrieden. Später aber wendete sich das Blättchen. Die Zeit brachte andere Männer an's Ruder, der Vorstand war nun nicht mehr, wie früher, ganz Licht, ganz Fortschritt, und so fing auch beim Rabbi an, ein ganz anderer Wind zu wehen. Schnell, wie der Wind, hat er umgesattelt, mit dem Zeitgeist gebrochen und der Fortschrittspartei den Krieg erklärt. Im Leben, wie aus der Kanzel, macht cs ihm nun das größte Vergnügen, mit den Orthodoxen zu kokettiren; diesen lebt, diesen handelt, diesen predigt er jetzt zu Gefallen. Und die Aufgeklärten in der Gemeinde Jeschuruns müssen vernehmen, von der Kanzel herab vornehmen, daß sie ketzerisch und sündhaft. Und es wird die Zunge des Rabbi zu einem scharfen, zweischneidigen Schwerte, mit welchem er erbarmungslos sticht und einhaut unter die Abtrünnigen aus dem Hause Jakobs, und es wird sein Mund eine feurige Ruthe, mit welcher er geißelt die modernen Söhne Baals von heiliger Stätte herab an Sabbaten und

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