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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-27 · Heft 22 (27.5.1850) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 22 (27.5.1850)
Date
1850-05-27
Page
Seite 304 (sequence 16)
Language
German
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304 bei anderen Gelegenheiten. Unser Rabbi kennt in seinem Eifer keine Grenzen mehr; er geht so weit, daß er die kleinsten Uebertretungen des Sabbats und anderer Gebote, von denen er gehört haben will, öffentlich rügt und tadelt; daß er diejenigen, so nicht thun nach seinen Lehren, als gottvergessen u. s. w. bezeichnet, ja daß er sich sogar nicht in Acht nimmt, deutlich merken zu lassen, welche Leute aus der Gemeinde er ganz besonders im Sinne, auf welche er es ganz besonders abgemünzt hat. — Das war aber den Männer der Aufklärung und des Fortschrittes schon ein wenig zu stark. Sie gehen zusammen, um zu berathen, was dem Geistlichen gegenüber zu unternehmen wäre. Sie beschließen die Abfassung und Absendung eines Briefes an den Geistlichen, in welchem derselbe in den nicht allerhöflichsten Ausdrücken ersucht wird, von seinem taktlosen Treiben abzustehen und eine bessere Manier anzunehmen. Was thut aber der Empfänger dieses Briefes? Er sucht und findet einige Injurien in demselben und — wird klagbar gegen alle diejenigen, welche die Epistel unterschrieben hatten. Diese aber erschrecken nicht. Alle erscheinen sie zu dem anberaumtcn Termine in den Hallen der strafenden Gerechtigkeit. Einer aus ihrer Mitte übernimmt die Bertheidigung, widerlegt und zerschlägt die Anklage Wort für Wort, und siehe! die Angeklagten werden Alle freigesprochen! Aber noch einmal müssen wir demselben Korrespondenten: „c'est tout comme cliez nous!“ zurusen. Von dem neuen Unterrichtsgesetze in Ungarn sprechend, berichtet er, daß die Inspektion sämmtlicher Schulen (auch der jüdischen) von Seiten der Regierung in die Hände der katholischen und protestantischen Priester gelegt worden, und bedauert, daß man die jüdische Geistlichkeit von dieser Würde gänzlich ausgeschlossen. Ist es bei uns um ein Haar anders? Alle jüdischen Schulen des Großherzogthums werden von den Priestern des Christenthums inspizirt. So hat es die Regierung schon snoo 1833 angeordnet, und die neue Zeit, selbst das Jahr 1848, welches alle Konfessionen gleichstellte, hat in der erwähnten Beziehung keine Aenderung gebracht. Höchstens daß die jüdischen Rabbincn und Prediger manchmal in den Schulvorstand mitgewählt werden; zum Schulinspektor ist noch Keiner von ihnen ernannt worden. Denn die Schulinspektoren müssen ja über die Schulen an die Regierungen berichten, und —-. Ob wir es aber gerade so sehr (wie Ihr preßburger Korrespondent) bedauern, daß unsere jüdische Geistlichkeit vom Schulinspektorate ausgeschlossen, werden Ihre Leser aus einem andern Artikel erfahren, den wir nächstens diesem Punkte ganz besonders widmen wollen. Für heute glauben wir aber, Ihnen nur die Bemerkung schuldig zu sein, daß wir ebenso sehr gegen die Konfessionsschule, als geg en die ausschließliche Inspektion der Schulen von Seiten der Geistlichkeit. Jetzt hätten wir aber sehr gewünscht, Ihrem preßburger Korresp. ein drittes: „L'est taut comme chez nous!“ zurusen zu können. Aber leider sind wir daS nicht im Stande. Der preßb. Korresp. berichtet Ihnen am Schluffe seines Artikels auch von einem „Verein zur Ausbildung des Styls und des Vortrags" der in seinem Orte von jüdischen jungen Leuten gegründet worden. Wie sehr, meinen Sie, thäten den Juden hier zu Lande solche Vereine Noth? Sie ft'irden bei uns Vcrgnügungsvereine aller Art; jedoch einen Verein, der die Ausbildung und geistige Entwickelung unserer erwachsenen Jugend zum Zwecke hätte, suchen Sie im ganzen Großherzogthum vergebens. XXII. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Vertagshandlung. Bei Aviedr. Ehrlich, Buchhändler in Prag, ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Ueber die Bedeutung des Studiums der semitischen Sprache«, akademische Antrittsrede gehalten den 17. April 1850 - von vr. S. I. Kämpf, Prediger der ifr. Tempelgemeinde, Dozent der semitischen Sprachwissenschaft und Literatur an der k. k. Universität zu Prag rc. gr. 8. Zn Umschlag drosch. Preis 6 Ngr. Dies«, vor einem zahlreichen und gewählten Auditorium gehaltene and mit außerordentlichem Beifalle aufgenommene Rede hat der rühmlichst bekannte Herr Verfasser auf mehrseitiges Verlangen zum Drucke überlassen. Indem die Verlagshandlung eine Anpreisung derselben für überflüssig hält, hat sie nur noch zu bemerken, daß der Herr Verfasser die betreffende Rede durch Hinzufügung erläuternder Noten sehr werthvoll bereichert hat. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.

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