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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-27 · Heft 22 (27.5.1850) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 22 (27.5.1850)
Date
1850-05-27
Page
Seite 302 (sequence 14)
Language
German
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302 an, still und bescheiden that sie es und erfreut sich dennoch einer regen Lheilnahme und verdient auch, daß sich diese schon um der erhabenen und edeln Tendenz willen steigern. Wie werthvoll diese Zeitschrift sein müsse, geht einerseits daraus hervor, daß das hohe k. f. Ministerium des Kultus und des Unterrichts nicht nur diese Zeitschrift begünstigt, sondern auch die Zahl der Pränumerantcn vermehrt, und andererseits zeigt der geschloffene erste Jahrgang, wie viel dieses Blatt des Guten und Nützlichen und Wissenswürdigcn für die Jugend und für den Pädagogen gebracht. Möge der Herr Redakteur durch die regste Theilnahme im Publikum den schönen Lohn für sein mühevolles Wirken finden. In artistischer Beziehung will ich hier nur kurz erwähnen, daß unser Schulhoff, der erste der jetzt lebenden Pianisten seine Vaterstadt mit drei Konzerten erfreute. Der Lorbeerkranz, der ihm an der Seine und an der Themse, am Tajo und am Manzanares und jüngst an der Donau gewunden wurde, erhielt hier an der Moldau neue, frische, unverwclkliche Blätter. In keinem Konzerte wollte der Beifall enden, in keinem konnte er genug spielen. Sein nun verstorbener Lehrer Tomaschck erkannte in dem Knaben Schulhoff seine künftige Größe; denn als man ihn aus die Talente seines ebenfalls gefeierten Schülers Dreischock aufmerksam machte, sagte er im prophetischen Tone: und Schulhoff! Prag, 13. Mai. Dieser Tage wird in Prag eine Kommission nievcrgesetzt werden, um die Summe zu bestimmen, welche die bisherige Judengemeinde bei ihrem Eintritt in die prager Gesammtgemeinde zu dem Kommunalvermögen der Hauptstadt beizutragen hat. Die Realitäten der Judengemeinde, z. B. das israelitische Rathhaus, werden in das Eigenlhum der prager Stadtgemeinde übergehen, und deren Werth somit von dem festzustcUenden Betrag in Abrechnung kommen. — Auch wird Behufs der Abfassung der Wahllisten gegenwärtig die Konskription in der Josephstadt vorgenommen. Aus Mähren. (Privatmitlh.) Die mittelalterlichen Judenverfolgungen, welche in der jüngsten Zcir in Trebitsch und Slraßnitz und Jglau in mehr oder minderem Grade sich erneuet haben und zu bedauerlichen Ereignissen Veranlassung gegeben, haben die Behörden abermals auf diesen Gegenstand gelenkt. Wie weislich hatte dies alles vermieden werden können, wenn dem erhabenen Worte des Kaisers und seiner Räthe von Seite des niedern Klerus Eingang in die Herzen des Volkes geschafft worden wäre. Man muß aber die theilweise Verstocktheit, die Intoleranz und auch die Indolenz dieser Männer kennen,, um zu wissen, daß diese den größten Theil an solchen Vorgängen haben, die wenigen freier gesinnten unter ihnen wagen es kaum, von der Kraft ihrer Rede Gebrauch zu machen, um das Volk dem Zeitgeiste näher zu bringen, und scheinen auch den Einfluß der jüngst ergangenen klerikalen Verordnungen zu befürchten. Um so auffallender ist es, wenn aus eben dem Lande der Intoleranz dem „konstitutionellen Blatte.aus Mähren" aus Tri «sch geschrieben wird: „Ich kann Ihnen von hier aus einen Gegensatz zu dem unchristlichen Verfahren gegen die Juden aus Trebitsch melden. Es hat nämlich die hiesige christliche Gemeinde am 27. April den Vorsteher der hiesigen Jsraelitcngemeindc*) einstimmig in die Zahl ihrer Gemeinderäthe durch freie Wahl ausgenommen. Dieser, die beiden hiesigen Religionsgenossenschaften gleich ehrende Vorgang hat die beste Stimmung erregt, die sich besonders bei der Beeidigung des neu gewählten Gemeinderathsmitgliedes in der hiesigen Synagoge kund gab, wo dieser Akt mit der größten Feierlichkeit begangen wurde." Deutschland. Koblenz, 2. Mai. (Privatmilth.) Es ist merkwürdig, wie man sich in Deutschland noch immer nicht entwöhnen will, bei jeder Gelegenheit, wo die Religion auch nicht den geringsten Einfluß übt, den „Juden" hervorzuheben. Ein hiesiger Arzt hat gegen einen hiesigen Kaufmann im hiesigen „Tageblatt" etwas geschrieben. Er wird dafür angeklagt und zu 25 Thlr. Strafe verurtheilt. Nun, das sind Dinge, die täglich passiren. Da wird aber in allen Zeitungen darüber geschrieben, und recht geflissentlich hcrvorgehoben „der jüdische Arzt llr. A." ff. Was hat da der Jude mit zu thun? Schreibt man etwa „der katholische Arzt, der evangelische Rechtsanwalt, der griechisch-unirle Schreiner, der mennonirischc Schuhmacher" u. dgl.? Bevor selbst die deutschen Redak- *) Der Name des Ehrenmannes ist Jsak Lcdner. A. d. E.

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