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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-27 · Heft 22 (27.5.1850) · p. Seite 301

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 22 (27.5.1850)
Date
1850-05-27
Page
Seite 301 (sequence 13)
Language
German
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301 gliedern bestehen. Wählbar sind alle 30 Jahre alten Wahlberechtigten, und wahlberechtigt sind alle Gemeindebürger, und von den Gemeindeangehörigen diejenigen, welche eine direkte Steuer von 8, oder eine Einkommensteuer von 15 Gulden bezahlen, dann die Offiziere, welche zur miJitla stabilis gehören, die katholischen Pfarrer, die Pastoren der evangelischen Gemeinden, der erste Rabbiner der israelitischen Religionsgenossenschaft und der Prediger des prager Tempelvereins, die Doktoren aller Fakultäten, die ihren Grad an einer inländischen Universität erhielten, und endlich die angestellten Lehrer, Professoren und Borsteher aller nicht von Privaten unterhaltenen Lehranstalten. Aus diesem Zensus ist zu ersehen, daß es mehr als einem Israeliten möglich ist, als Stadtrath oder als Mitglied des Stadtverordnetenkvllegiums erwählt zu werden, daß aber in das Letztere wenigstens ein Israelit gewählt werden muß geht aus einer Stelle des §. 44 hervor, welche lautet: „Auf die zu einem Wahlkörper gehörigen Wahlberechtigten eines jeden Wahlbezirkes muß wenigstens die Wahl Eines Mitgliedes des Stadtverordnetenkollegiums entfallen." Zur nähern Verständigung dieser Stelle muß nachträglich erwähnt werden, daß die Josephstadt einen eigenen Wahlbezirk bildet. Nachdem nun die übrigen Paragraphen der Gemeindeordnung ohne besonderes Interesse für den Israeliten sind, so schließe ich meinen Bericht über selbe, und erwähne nur, daß es Pflicht wäre einerseits den Abgeordneten der Israeliten, dem Herrn Vorsteher Landau und dem Herrn Kubinsky, für ihre thätige Mitwirkung bei den Berathungen zu danken, und daß sich andererseits die Wahrheit meiner Eingangs zitirten Stelle erwiesen, welche lautet: Oesterreich über Alles, wenn es nur will! An diesen meinen Bericht will ich noch einen andern in literarisch-artistischer Beziehung anreihen, bevor ich aber denselben beginne, muß ich mich einer traurigen Pflicht entledigen und einen Todesfall erwähnen, der die Israeliten Böhmens hart betroffen. Die Deutsche Zeitung aus Böhmen schreibt über denselben: „Eine tief erschütternde Nachricht durchdringt alle Kreise der hiesigen jüdischen Bevölkerung. Dr. Salomon Sachs, derellbognerundsaazerKreisrabbiner, Einer der edelsten und gelehrtesten der jüdischen Rabbiner, der es mit Gott und Menschen ehrlich meinte, ist nicht mehr. Er starb am 30. April fern vom Kreise der Seinen in Liebeschütz plötzlich in der Ausübung seines heiligen Berufes, nachdem er für ein von ihm getrautes Ehepaar den himmlischen Segen erfleht hatte. Was der Hingeschiedene als Mensch, als Schriftsteller, als warmer Vertreter der früher gekränkten Rechte seiner Glaubensgenossen, und als frommer Lehrer seiner Gemeinde leistete, ist allgemein bekannt; aber edler noch und größer stand er als Gatte und Vater. Eine junge Wittwe mit sechs ganz unversorgten Kindern, die seiner Pflege und Hilfe so sehr bedürfen, beweinen im tiefen Schmerz den Tod des theuern Hingeschiedenen, der ihnen Alles war, und sehen einer trostlosen Zukunft entgegen. Mögen edle Seelen das namenlose Unglück ermessen, und theilnehmend den Zurückgebliebenen das lohnen, was der biedere Vater in so vollem Maße verdiente." Ich glaube hinzufügen zu können, daß diese Aufforderung nicht ohne Erfolg bleibt. Der Empfang der Leiche von den Gemeindevorstehern aus Lichtenstadt, wo der Verewigte wohnte, und wo seine irdische Hülle an der Seite des Dr. Bloch *) ruht, bürgt dafür. Meine literärisch-artistischen Mittheilungen werden für den hiesigen Ort wol etwas post lostum erscheinen, für den größern Leserkreis dieses Blattes (glaube ich) werden sie noch immer etwas Interesse haben. Am 17. April begann Dr. Kämpf, der hiesige Prediger, als Dozent an der Universität seine Vorträge über semitische Sprachen. In seiner Antrittsrede, welche eine volle Stunde währte und vor einem sehr zahlreichen Auditorio gehalten wurde, sprach er über den Werth der semitischen Sprachenkunde, über ihre historische und religiöse Bedeutung, so wie über ihre verschiedenen verwandten Sprachstämme. Diese sehr geistreiche Antrittsrede ist auf mehrseitiges Verlangen bereits, gedruckt erschienen, und wird gewiß den Lesern ebenso wie den Hörern Zusagen. Ferner muß ich von einer Zeitschrift mittheilen, welche bereits im zweiten Jahre erscheint und einen hiesigen Israeliten zum Redakteur hat, ich meine „den Schulboten aus Böhmen", eine pädagogische Monatschrift, unter Mitwirkung mehrer Gelehrten und Fachmänner herausgegeben von Gustav Lewit. Nicht mit pompösen Äffischen kündigte diese Zeitschrift ihr Erscheinen und ihr Fortbestehen *) Dr. Markus Elieser Bloch aus Berlin, der große Jchtyolog Deutschlands. Sein Grab harrt noch immer eines ihm würdigen Denksteines! — Israeliten Deutschlands sagt, warum? — Korresp.

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