Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1850)
- Date
- 1850-05-27
- Page
- Seite 298 (sequence 10)
- Language
- German
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298 wurden, — und mit der Ermahnung der Meister, auf ihre Lehrjungen ein wachsameres Auge zu haben, endete. Wir theilen folgende auf diese Untersuchung bezügliche Zuschrift des k. k. zweiten Militar-Distrikts- Kommando's an die preßburger Stadthauptmannschaft mit: „Preßburg, 1h. Mai 1850. Aus der mit dem Berichte vom 7. d. M>, Nr. 923/#55, mir vorgelegtcn Untersuchung über die am 22.-24. April d. I. beim musikalischen Zapfenstreiche von mehreren Gcwerbslehrlingen verübten Jsraelitenschlägerei habe ich mir die angenehme Ueberzeugung verschafft, daß dieser allerdings sehr beachtenswerthe Vorfall mit der größten Pünktlichkeit durchgeführt, und ein Urtheil geschöpft wurde, welches ebenso gerecht, als zeitgemäß genannt werden muß. Indem ich daher die diesfälligcn Akten der löbl. Stadthauptmannschaft zur weitern Veranlassung zurückscnde, werde ich die aus Anlaß dieses Ergebnisses an die Stadt-Kommune als nöthig sich herausstellende Erinnerung für sämmtliche Zunflvorsteher und Meister demnächst nachtragen. Gerstner m. p., GM. (L. 8.)" —. An den preßburger Gemeinderath ist folgende amtliche Mittheilung ergangen: Die am 22.-24. April d. I. beim Zapfenstreich wiederholt stattgefundenen, durch Gcwerbslehrlinge verübten Judenschlägereien hatten mich sehr unangenehm berührt; denn selbe erinnern sehr lebhaft an den Vorfall vom 23. - 24. April 1848, welcher — wenn auch der Vergangenheit angehörig — ein schattenvollcs Ereigniß für die hiesige Bürgerschaft bleibt. Ich kann wol Nichts aufrichtiger wünschen, als jedem ähnlichen Ergebnisse vorzubauen, und sehe mich veranlaßt, den löblichen Gemeinderath zu beauftragen, sämmtlichen Jnnungsvorstehern, Meistern, überhaupt allen Arbeit-, Dienst- und Lehrgebcrn, in meinem Namen bekannt zu machen, daß sie bei fernerhin vorkommenden, wie immer gearteten Erzeffen ihrer Lehr- Pflegebefohlenen, Angehörigen, überhaupt ihrer Unterstehenden, zur schweren Verantwortung gezogen werden würden, und es deshalb ihre ununterbrochene Aufgabe bleiben müsse, Allen, denen sie vorstehen, mit gutem Beispiele vorzuleuchtcn, sie mit Wort und Thal zu einem jederzeit zu beobachtenden ruhigen und anständigen Benehmen zu ermahnen, zu belehren und anzuhalten. Ich erwarte übrigens, daß sowol die Gesammtheit als jeder Einzelne der löblichen hiesigen Bürgerschaft sich wird angelegen sein lassen, derart zur Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung bcizutragcn. Gerstner m. p., Generalmajor. Wien, 18. Mai. Die Judenverfolgungen in Mähren scheinen immer weitere Ausdehnung zu gewinnen. Jetzt erkennt man die Folgen der stets verzögerten Rechtsverbefferungen, welche dem Geiste der Zeit und Gerechtigkeit vorenkhalten wurden. In Mähren waren die Juden am Gedrücktesten, in Mähren dem Pharaonischen Gesetze bestimmter, nicht zu überschreitender Kopfzahl unterworfen — in Mähren mußte darum die Gleichstellung die tiefste Erbitterung wecken. In Trcbitsch und Straßnitz sind, wie dem C. Bl. geschrieben wird, zwar durch das Einschreiten der Behörde und der bewaffneten Macht die Szenen der Judenverfolgung unterdrückt worden, und der zweite gewöhnlich noch traurigere Akt des Drama, die gerichtliche Untersuchung hat begonnen, allein die Beruhigung der Gemülher ist nicht durchgeführt, vielmehr gährt es unter der äußerlich eingeschüchtertcn Menge, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß dem so plötzlich und unerwartet einreißenden Fanatismus bei günstigen Gelegenheiten noch mehr Opfer fallen werden. So geschah es in Jglau, dem Sitze der Bezirkshauptmannschaft und eines Landesgerichts, daß, während der Bezirkshauptmann Hübner in Trebitsch verweilte, um daselbst die Ruhe herzustellen, sich eine Gesellschaft zusammenthat, um den dortigen Juden eine solenne Katzenmusik zu bringen; ferner berichtet man auch von Nikolsburg, dem Hauptsitze des mährischen Judenthums, von feindseligen Auftritten gegen das Letztere; bisher scheint sich noch keine Jnzickt von insgeheim auf die Hervorrufung solcher Szenen hinwirkenden Anstiftern zu zeigen, nur das irregeleitete Vorurlheil scheint die Menge aufzustacheln. Die an den genannten Orten stalionirten Truppen haben jedoch nichtsdestoweniger um Verstärkung ersucht, da sie in geringer Zahl dem Pöbel die Spitze nicht bieten können. Diese Exekutionstruppen gehören zumeist dem Regimente Prinz von Preußen an, das eben in Brünn neu organisirt wird, und zum großen Theile aus ehemaligen Honveds besteht, von denen mehrere ihre ehemalige Stellung als Hauptleute, Majors rc. im Magyarenheere unter der bescheidenen Hülle eines österreichischen Korporals nur schwer vergessen können.