Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1850)
- Date
- 1850-05-27
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
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29? kündigen. Zn dem benachbarten sehr gewerbsamen Driesch, dessen Einwohner sich zwar kürzlich mit den Juden in der Wahl eines gemeinsamen, zu einem Drittel aus Juden bestehenden Gcmeinderathe vereinigten, fand das Beispiel der intelligenten Kreisstadt gewaltigen Anklang, und die Bürger dieses kleinen Städtchens hegen darob sehr naive Grundsätze. Zwei jüdische k. k. Tuchlieferantcn beschäftigen nämlich in ihren Etablissements eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Arbeitern, und sollen nun plötzlich ihre Arbeiten auf den Spinnmaschinen einstellen, weil die andern Tuchmacher es so wollen. Vorläufig begnügt man sich blos mit der Drohung, die Maschinen zu zerstören; und obgleich es hoffentlich dabei sein Bewenden finden wird, so sind doch dem Einen dieser k. k. Lieferanten die Fenster eingeschlagen worden. Ein anderer Jude beschäftigt in demselben Städtchen in seiner Zündhölzchenfabrlk nicht blos viele erwachsene Personen, sondern auch viele Knaben und Mädchen, die sonst keinen Heller verdienen würden, was in einer so geldarmen Gegend gewiß mancher hungernden Familie zu Statten kommt. Auch dieser achtbare Mann wird mit der Zerstörung seines Eigcnthums bedroht, weil er angeblich die Holzpreise so hoch hinaufgetrieben hat, obgleich er seinen Holzbedarf in einem andern Dominium besorgt. Es ist begreiflich, daß die armen jüdischen Bewohner solcher hochkultivirten Gegenden im gegenwärtigen Momente, wo die Sicherheitsbehörden auf dem Lande noch so spärlich vorhanden find, in mehr als gerechtfertigter Besorgniß um die Sicherheit ihrer Person und ihres Eigenthums schweben müssen, und voll Vertrauen den Maßregeln der Regierung cntgegeublicken. Wir glauben die Aufmerksamkeit der Regierung nicht umsonst auf diesen fast umfichgreifenden Krebsschaden unsers Volkslebens gelenkt zu haben; denn wir sind fest überzeugt, daß, wenn an die betreffenden Gemeinden Belehrungen und Warnungen gerichtet werden, vielem Unheil vorgebeugt werden kann. Ferner theilt der „Lloyd" mit: Wir vernehmen aus sehr guter Quelle, daß aus Anlaß der jüngst in einigen mährischen Städten vorgefallenen Exzesse gegen jüdische Bewohner von den betreffenden Orts¬ und Landesbehörden energische Maßregeln getroffen werden, um die Untersuchung der Schuldigen einem baldigen Resultate zuzuführen. So viel einstweilen mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit behauptet werden kann, dürfte das Proletariat, welches bei den ärgerlichen Szenen der Zerstörung und Verwüstung thätig war, nicht aus eigenem Antriebe gehandelt haben, sondern von Personen angestiftet worden seien, welche sich durch die Israeliten in ihren materiellen Interessen bedroht sehen. Das Ministerium des Innern hat diesem wichtigen Gegenstände bereits seine Aufmerksamkeit zugewendet und die ihm unterstehenden Behörden aufgesordert, alle Maßregeln in Anwendung zu bringen, damit dem Gesetze Genüge gethan, und die Autorität desselben, wo sie bedroht gewesen, aufrecht erhalten werde. Auch sollen jene Organe der öffentlichen Sicherheit, welche anfänglich nicht hinlängliche Energie an den Tag gelegt haben, um den Unordnungen zu steuern, zur Verantwortung gezogen werden. —. Der N. Z. schreibt man: Glauben Sie ja nicht, wenn Sie hören, in Prerau werden Nacht für Nacht den Juden die Fenster zertrümmert, daß es aus Nachahmungssucht geschehe. Nein, wir bedurften keines Vorbildes von Außen. Lange noch, bevor Trebitsch in der Kulturgeschichte der Menschheit groß dastand, bestraften die Prerauer die Anmaßung eines Juden, welcher, gestützt auf die von Sr. Maj. verliehene Charte vom 4. März, in eine Wohnung auf dem Platze zog, indem sich die Prerauer nicht scheuten, ihre Hände und dessen Wohnung zu wiederholten Malen zu verunreinigen und die Fenster einzuschlagen. Trotz diesen in die Augen springenden, gewiß sehr deutlichen Demonstrationen schreckten die Juden nicht zurück, und bezogen wieder einige leerstehende Lokalitäten in der Stadt. Wir werden sehen, wer früher müde wird, die Prerauer oder die Juden. Die Ersteren setzen ihre in der That sehr zeitgerechten!? Manövers fort, und die Juden lassen die zerbrochenen Fensterscheiben neu machen. —. Jndeß erfahren wir auch aus Preß bürg von jüngsten Versuchen, die Vorgänge von vor zwei Jahren zu erneuern: PreHburg, 14. Mai. Das sogenannte „Vehrjungen-Komplott" gegen die Israeliten, welches die Befürchtung erregt hatte, daß der vor zwei Jahren stattgefundene Krawall wiederholt werde, hatte eine genaue Untersuchung zur Folge, welche mit der Abstrafung mehrerer Lehrjungen, von denen mehrere Israeliten gegen Ende des vorigen Monats geprügelt 22*