Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1850)
- Date
- 1850-05-27
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
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298 unserm Gebiete zwei Extreme; von der einen Seite Männer, welche die Religionslehre von aller Betrachtung der Natur, von aller Prüfung durch die Natur fern halten wollen, womit eben das Recht der Vernunft und der vernunftgemäßen Kritik in der Religionslehre geleugnet wird. Wir stehen Beide dem so fern, daß wir uns nicht dabei aufzuhalten brauchen. Das andere Extrem ist die : Ansicht, welche wir einer nähern Prüfung unterzogen haben, welche von der positiven Religionslehre gar Nichts j wissen will, und sich ihre Ueberzeugung selbstständig, ge-! stützt auf die Natur, schaffen will. Wir haben aber erkannt, welche Schwächen diese so weit verbreitete und so gern und oft von den Menschen vorgetragene Ansicht besitzt. Sie entlehnt der Religionslehre Alles, was sie weiß, und stößt dann verachtend ihre eigene Schatzkammer von sich; sie vermag aber aus der Natur nur einen sehr geringen Theil ihres Inhalts zu erweisen, und Hilst sich für den andern Theilmit schönen, wohlklingenden Phrasen, die eine redliche Forschung leicht des Glanzes entkleidet. Entschuldigen Sie das harte Wort, aber wir sind ja eben zu einem Andern hingelangt. Nein! die Menschenwelt ist von ganz anderm Inhalte als die Natur, und so kann die Lehre für jene gar nicht der Natur entnommen werden. Wer also die positive Religionslehre von sich stößt, ohne dem als Meinung zu entsagen, was sie gegeben hat und giebt, begeht ein doppeltes Falsum, das aber ein dreifaches wird, indem es sich noch mit dem Purpur der Aufklärung und Selbstständigkeit bekleidet. Nein! ewig Dank und Preis, daß die Natur uns für das Dasein Gottes, für seine Unendlichkeit, Allmacht und Allweisheit dm unerschütterlichen Erweis bringt, daß die richtige Betrachtung derselben daher der bleibende Regulator der Religionslehre ist, sobald diese mit fremdartigen Elementen, mit Ausgeburten des Mystizismus sich verunstalten will — aber weiter nicht; die eigentliche Mutter aller religiösen Ideen ist die positive Religionslehre, und sie allein giebt das Ganze. Möchten recht Viele, die leichtsinnig der Religionslehre Lebewohl sagen, weil sie in ihrem geschichtlichen Verlaufe oft und viel entstellt worden ist, die Sache redlich in's Auge fassen. Das Resultat kann dann kaum zweifelhaft sein: Läuterung der positiven Religionslehre und um so festeres Anschließen an dieselbe, weil sie, und nicht die Natur, Quelle der Lehre und Ueberzeugung ist. Zeitmrgs Nachrichten. Donaufürstenthümer. Aus der Moldau, Mitte März. sPrivatrnitth.) Der uralte Haß zwischen Helenen und Israeliten bethätigt sich immer wieder von Neuem, und neben das Ereigniß Pazifiks tritt ein anderes, nämlich Folgendes. In Galacz kamen Einige aus der untern Schicht der dortigen Juden auf den Gedanken, dem s. g. Polizeimeister ein klingendes Gesuch einzureichen, daß er ihnen die Erlaubniß ertheilen möchte, am Purimfeste das Achaschweroschdrama zu produziren, denn hier findet noch dieser unsinnige Gebrauch vielen Anklang. Der sympathetische Polizeimeister ertheilte in Folge jenes Gesuches die gewünschte Erlaubniß. Die lieben Akteurs warfen sich in die dazu gehörenden Habits und wanderten von Haus zu Haus bis sie das Geschick in die Hellasgasse führte. Da kamen ihnen plötzlich einige Insassen entgegen und nach einigen direkten und indirekten insolenten Komplimenten entwickelte sich bald ein Strauß. Wohl verstanden wurde die Offensive von den Griechen ergriffen. Die philantropische Behörde schritt zu Gunsten unser ein und nahm einige der Agitatoren in Wer. Wahrung. — Aus Aerger über diese Schmach haben nun die Griechen die Anklage geschmiedet, daß die Schauspieler die Dreieinigkeit in effigie mißhandelt hatten, und so ist ein Glaubensprozeß entstanden, dessen Ausgang die Zukunft lehren wird. — Was ich in meinem Letzten befürchtete, ist in Erfüllung gegangen. Es ist ein Befehl an die Kreishauptleute, hier Jspravniks genannt, erlassen, die jüdischen Einwohner nicht auf dem Lande wohnen zu lassen. Wie viel Unglück über jüdische Familien dadurch herbeigeführt wird, können vielleicht die Urheber selbst nicht beurtheilen. Für uns bleibt noch der Wunsch der alte: W2 nton waV. F.... Oesterreichischer Kaiferstaat. Wien, 17. Mai. (Privatmitth.) Es war vorauszusehen, daß die Gleichstellung der Juden in vielen Theilen des Kaiserftaates den härtesten Kampf l kosten würde, wenn sie aus dem Prinzip heraus in! das Reich der Erscheinung treten sollte. Zu sehr wal ren die Juden in den meisten österreichischen Staaten