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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-27 · Heft 22 (27.5.1850) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 22 (27.5.1850)
Date
1850-05-27
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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291 aller Hilfe entbehren und innerhalb der Natur ganz auf eigenen Füßen stehen wollen, wenn Sie es redlich meinen, und Nichts verhindert mich, dies anzunehmen, doch klar machen, auf welchem Wege Sie hierzu gelangen? Treten Sie nun ohne das Wissen dieser Sätze an die Natur, und Sie empfangen sie alsbald von derselben? Dann müßten diese Lehrsätze aber so unzweideutig in ihr ausgedrückt sein, daß alle Menschen und ohne Hilfe irgend einer Wissenschaft sie von der Natur empfingen — oder treten Sie mit dem Wissen dieser Sätze an die Natur, und Sie finden nur deren vollen Erweis in der Natur? Dann haben Sie aber Ihre Sätze anderswoher empfangen. K. Ich sehe, das Letztere muß ich zugeben. A. Und woher haben Sie sie dann, wenn nicht aus der Religionslehre? aus der Lehre der positiven Religionen, welche allesammt sie wieder aus der Lehre Mosche's und Israels haben? Erinnern Sie sich nur deutlich, lieber B.! Sie haben diese Sätze von Ihren Lehrern, von Ihren Eltern, aus Büchern in Ihrer frühesten Kindheit empfangen; und diese Geber haben sie selbst wieder aus derselben Quelle, und das ist die positive Religionslehre. Die Natur bestätigt sie Ihnen nur. Würden Sie mit anderen Lehrsätzen an die Natur treten, so käme es ganz auf Ihre Verstandesoperation an, ob Sie dieselben auch in der Natur bestätigt fänden oder nicht, wofür Beweise genug vorhanden sind. Nur wenn Sie mit den wahrhaften Lehrsätzen und mit der richtigen Auffassung der Natur zugleich an die Letztere treten, werden Beide, Lehre und Natur, sich decken. D. Ich erkenne dies an; aber ich glaube kaum, daß ich damit von meiner Richtung und von meinen Resultaten viel verliere. Lassen Sie es mich zusammenfassen. Ich gebe also zu, daß ich meine Ueberzeugung ursprünglich aus der Religionslehre geschöpft. Aber während diese getrübt und mit sehr fremd- und verschiedenartigen Stoffen versetzt ist, mußte ich, wollte ich sie mit der Natur in Uebereinstimmung bringen, reinigen und läutern, und bin nun durch die Betrachtung der Natur erstens auf eine feste Basis gestellt, die mir in der Religionslehre allein fehlt, zweitens vor weiterer Trübung und Mischung geschützt. Wozu soll ich also zur Religionslehre zurückkehren, wo ich dies Beides nicht habe? A. Ich würde Ihnen völlig Recht geben, wenn ich Sie nicht auf Zwiefaches aufmerksam zu machen hätte: erstens daß Sie immer noch Natur und Religionslehre gegenüberstellen, als ob Beide sich ausschlössen. Ich bemerkte Ihnen aber, daß die Religionslehre in den Sätzen, die Sie von ihr entlehnt haben, durchaus den Erweis durch die Natur nicht allein nicht verschmäht, sondern begierig ergreift. Sie stellt sich also ganz auf die Basis, die Sie für sich in Anspruch nehmen, und hat sie also nicht minder als Sie. §J. Nun, so stimmen wir ja wieder in Etwas überein, und ich frage Sie, wozu brauchen wir nun noch die Religionslehre? A. Ich könnte Ihre Frage in Ihrer Weise beantworten, wenn es mir nicht schon sonderbar vorkäme, die Quelle abschneiden zu wollen, weil der Strom jetzt klar dahinfließt; als ob dieser nicht immerfort der Quelle bedarf; als ob die Menschen nicht immerfort aus dieser Quelle wieder schöpfen müßten, damit nur ihre Ueberzeugung sich zum Strome klaren könnte. Aber das ist nicht einmal die Hauptsache, sondern das Zweite, was ich Ihnen bemerken wollte, nämlich daß die religiösen Lehren, die Sie aus der Natur, wenn auch nicht schöpfen, doch erweisen und verfestigen können, nur einen sehr geringen Theil Ihrer religiösen Ueberzeugung, wenn ich anders diese kenne, ausmachen — D. Das möcht' ich sehen — <A. Ja, noch mehr, daß die Natur Ihnen für sehr viele Ihrer Meinungen eher den Gegenbeweis als den Beweis dafür liefert. K. Ich wäre versucht dies eine leichtsinnige Behauptung zu nennen, wenn ich nicht wüßte, daß Sie so ernst sprechen. A. Gut; ich will den Beweis liefern. Ich bemerke Ihnen auch unverhohlen, daß dies der Hauptpunkt ist, um dessentwillen ich mich in unser freundliches Gespräch eingelassen habe. So wie wir gesehen haben, daß die Natur an sich uns Nichts Lehrt, sondern daß sie nur dazu befähigt ist, uns zu erweisen und zu erhärten, was wir zu ihr mitbringen, so jedoch, daß, je mehr wir sie recht begreifen, sie auch nur das Richtige in unseren Ansichten erweisen wird — so möcht' ich uns zum Bewußtsein bringen, daß die Natur für die Hauptmomente der religiösen Ueberzeugung keinen Beweis liefert, sondern eher den Gegensatz. P. Ich bin begierig. Ich höre. A. Sie erkennen doch mit mir an, daß das Gesetz, unter welchem die menschliche Gesellschaft stehen muß, das der sittlichen Ordnung sein muß? D. Allerdings.

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