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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-27 · Heft 22 (27.5.1850) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 22 (27.5.1850)
Date
1850-05-27
Page
Seite 290 (sequence 2)
Language
German
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290 und was den Aberglauben betrifft, so kennen Sie die Geschichte zu gut, als daß Sie nicht zugestehen müßten: der Aberglaube, welchen Menschen aus der Natur herübergeholt, möchte kirchlich entstandenem nicht nachgeben. All die heidnischen Götterlehren hat sich der Mensch aus der Natur gemodelt, und dann erst Tempel für sie errichtet. D. Ja, damals kannte man die Natur noch nicht; man begriff und verstand sie nicht. Sobald man aber erst klare Vorstellungen von der Natur, von ihrer Einheit, von dem tiefinnerlichen Zusammenhang aller ihrer Kräfte und Erscheinungen erlangt hatte, war diesem Aberglauben mit Einem Male ein Ende gemacht. <A. Dann muß aber doch die Natur nicht eine so verständliche Sprache sprechen, daß sie sofort Jedem, der in sie hineintritt, unzweifelhaft ihre Lehre zuruft? D. Das gebe ich zu; es ist ein tieferes Eindringen erforderlich. <A. Noch mehr, es bedurfte erst der Aufklärung über die Natur durch die Wissenschaft, um vor den krassesten Jrrthümern aus ihr zu schützen? £$. Allerdings; die alten Griechen und Römer, Inder und Egypter besaßen diese nicht, und hielten daher an ihren Fiktionen. Wir sind durch die Wissenschaft davon befreit, und seitdem bedürfen wir der Kirchenlehre nicht mehr. <21. Denken wir uns also diese einmal ganz hinweg. Besitzt nun Jeder, wir wollen nicht sagen, jeder Mensch, sondern Jeder aus der zivilisirten Welt so viel Kenntniß der Naturwissenschaft, um vor irrthümlichec Auffassung der Naturerscheinungen, wir wollen z. B. nur an Wasser- und Berggeister, an den dunkeln Wald und die Schluchten der Gebirge denken, geschützt zu sein? D. Das freilich nicht; dafür muß der Unterricht sorgen; wenn aber ein guter Unterricht in der Kenntniß der Natur von Kindesbeinen allen Menschen ertheilt würde, so könnte es auch nicht fehlen, daß sie den rechten Begriff von Gott erlangen würden, und es bedürfte der Religionstehre gar nicht. «A. Bitte, sagen Sie mir, was würde denn nun der naturwissenschaftliche Unterricht Ihren Zöglingen lehren? 8. Zuerst daß es Einen Gott giebt, der die Ursache aller Ursachen und Wirkungen ist; da Alles, was ist, stets nur als die Wirkung einer Ursache erscheint, so müssen alle diese Ursachen wieder eine erste Ursache haben, da sie nicht Wirkung ihrer selbst sein konnten, das ist Gott. Zweitens, daß dies nur Ein Gott sein könne, weil sonst verschiedene Ursachen anzunehmen, die dennoch wieder Eine Ursache haben müßten, und das wäre erst Gott. Drittens, daß dies ein Gott der Weisheit, Allmacht und Güte sein muß, wie mir die Ordnung, die Zweckmäßigkeit und das Dasein der Natur und aller ihrer Gebilde im Großen und Kleinen erweisen. Erwägen Sie dabei, wie befruchtend für Geist und Gemüth jeder Blick in die Natur wirkt, wie lauternd und erfrischend, und — ich bin fertig, ich habe Alles, was ich brauche. A. Nun, ich erkläre gern, daß, mit Ausnahme der Schlußworte, ich Alles akzeptire, was Sie gesagt haben. Es ist dies Wort für Wort meine Ueberzeugung ebenfalls; ich habe Ihnen schon bemerkt, daß ich weiter gehe als Sie, daß ich Ihre Lehre aus der Natur annehme, aber nur noch Weiteres haben will. Denn zuerst möchte ich Sie fragen, ob die Naturwissenschaft als Solche Ihnen alles dies wirklich lehrt? Als Wissenschaft müßte dies entweder ihre Prämisse (Voraussetzung), die sie dann erweist, oder ihre Konsequenz (Folgerung), auf die sie endschlüßlich gelangt, sein. Sie müßte dies wirklich zergliedern und erweisen. Thut dies die Naturwissenschaft? D. Das thut sie, wie sie so gewöhnlich beschaffen ist, nicht, aber die Metaphysik thut es, und was hindert mich, die gewöhnliche Physik mit der Metaphysik zu verschmelzen und zu vereinbaren? A. Ich nicht, Freund; wol aber möchte sie daran die Lage der Sache hindern. Denn die Physik beschäftigt sich allein mit den wirklichen, wahrnehmbaren Erscheinungen, und kennt Nichts weiter als diese. Die Metaphysik hat wieder mit dieser Nichts zu thun, und ist reine Spekulation. Sie trügen daher offenbar in die Physik hinein, was nicht hinein gehört, und pfropfen ihr ein Reis auf, was nicht auf ihr gewachsen. Doch das sollte nicht einmal stören; aber vergessen Sie nur nicht, wie höchst verschieden die Resultate der metaphysischen Forschungen sind, und wie die Satze, die Sie soeben ausgestellt, durchaus nicht die Schlüsse aller, ja nur der meisten Metaphysiker sind. Sie begeben sich daher auf ein doppelt dorniges Gebiet, erstens indem Sie der Betrachtung der wirklichen Erscheinungen unterschieben, was in denselben nicht liegt, und zweitens indem Sie sich in den Streit mit den Metaphysikern, einer sehr gefährlichen Sorte von Streitern einlassen müssen. §*. Nun gut; so taffe ich die Schulworte, und lehre es mir selbst aus der Betrachtung der Natur. <A. Dies ist recht; aber Sie müssen sich, da Sie

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