Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1850)
- Date
- 1850-05-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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xiv.Jahrgang. Allgemeine No. SS Zeitung -cs Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von l)r. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. Leipzig, den 27. Mai 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogem in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung z u gehen, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 y2 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier imterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Natur und positive Religion. Ein Gespräch. Zeitungsnachrichten: Donaufürstenthümer: aus der Moldau. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Trebitsch, aus dem iglauer Kreise, Preßburg, Wien, Prag, Prag, aus Mähren. Deutschland: Koblenz, Berlin, aus der Provinz Posen. Leitender Artikel. Magdeburg, 19. Mai. Natur und positive Religion. Ein Gespräch. Fl. Kommen Sie von einem Gang in die freie Natur zurück? D. Ja. Erquickt, beglückt und entzückt; der frische Duft, das herrliche Grün, die zahllofen Blüten an Baum und Strauch, der blaue Himmel, die goldne Sonne, sie haben mich über mich selbst erhoben. Ich habe zu meinem Gotte gebetet. Ft. Eine würdige, herrliche Betstatte. Aber Sie sagen zu Ihrem Gotte . . . wäre das nicht auch mein, unser Aller Gott? I*. Sicher. Aber Sie können ja Ihren Gott aus Büchern, ich ihn allein aus dem großen und ewigen Buch« der Natur; Sie bauen ihm Tempel aus Stein und Holz, und beten darin, mir ist mein Tempel schon aufgebaut, und omn Gebet ist ein Lobgesang, den ich Pflanz' und Thür nachjnbele. Fl. Von Gotteshäusern, von der Andacht, vom Gebet, von der Lehr, in denselben wollen Sie also gar Nichts wissen? D. Nein. Sie beengen mich; sie ziehen mir den Gott des unermeßlichen Weltalls in's Kleine; sie machen mir einen Menschen daraus, der ein Haus bewohnt. A. Da find wir dann jedenfalls reicher als Sie; denn wir beten Gott in der Natur und den Gotteshäusern an. Sie werden doch zugeben, daß diese jene nicht ausschließen, und daß wer hier betet, auch dort seinen Schöpfer zu finden vermag? D. Ich gebe dies zu, damit ist aber mein Grund nicht beseitigt; uird dann: wie viel leeresWortgebetwird in den Gotteshäusern betrieben; und was Sie von der Lehre sage», erin« er» Sie sich, wie viele unsinnige Lehren schon in Gotteshäusern gelehrt, wie viel Aberglauben aus ihnen in die Mc»sch«»welt verpflanzt worden! A. Nun, ich hoffe, daß Sie nicht blos aus Vorurtheilen urtheile«, und daß Sie mir zugeben, daß der M iß brauch, der«on Menschen mit Etwas getrieben wird, noch nicht über der. G e brauch entscheidet, über den Nutzen und die Herrlichkeit einer Sache, der abusus über den usus. Womit wi»d nicht Alles Mißbrauch getrieben, was doch nothwendig, unentbehrlich und gut ist! Aber damit ich Ihnen scharfer auf den Leib gehe: wie viele, unzählig viele Menschen wandeln in der Natur umher und — beten auch ni Ht, so gut wie in den Gotteshäusern;