Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1850)
- Date
- 1850-05-20
- Page
- Seite 287 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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287 Trebitsch, 4. Mai. Ruhe und Ordnung, Sicherheit der Person und des Eigenthums sind bei uns wiederhergestellt. Eine Abthcilung k. k. Truppen ist heute einmarschirt, um jeden weitern Exzeß hintanzuhalten. Der Katzenjammer ist auf den wilden Rausch gefolgt, und die Schuldigen blicken mit Bangen dem Walten der gleichfalls eingetroffenen Untersuchungskommission entgegen. Die k. k. Kreisregierung hatte nicht sobald von den stattgehabten Vorfällen Kunde erhalten, als sie sogleich, wie ich bereits erwähnt, Militär und eine Spezialkommission nach Trebitsch beorderte, um die Anstifter dieser Exzesse zur Verantwortung zu ziehen. Es wiederholt sich hier die leider in unserm Vaterlande oft gemachte Wahrnehmung, daß die unteren Behörden es gerade in entscheidenden Momenten an Energie und kräftigem Eingreifen fehlen lassen. Ich kann nicht umhin, Ihnen einen Zug der Geistesgegenwart eines jungen Mannes zu erzählen, welcher sehr viel Unheil verhinderte. Als die Likörniederlage des Herrn Felix geplündert wurde, wollten Einige den Inhalt der Flaschen und Fässer einer genauen Untersuchung würdigen, woran sie jedoch durch die Bemerkung des erwähnten jungen Mannes, daß in einer der Flaschen Gift enthalten sei, verhindert wurden und die geistigen Getränke unberührt ließen. Welche Exzesse hätten diese Leute begangen, wenn sie noch aus den Branntweinflaschen ihre Begeisterung geholt hätten! Es haben sich an 1500 Menschen beim Exzesse betheiligt! Großbritanien. London, 4. Mai. Dem Komite für die große Weltindustrieausstellung gehören auch mehrere Israeliten auf thätigste Weise an. So auch Sir Moses Montefiore. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Der Tempelban. Es läuft das Gerücht durch die Blätter: der Sultan habe den Wiederaufbau des Tempels auf Sion bewilligt, und die Israeliten Amerikas hätten große Summen hiefür in Bereitschaft. Der Bau des ersten, des Salomonischen Tempels war nicht btos ein natlonelles, es war ein weltgeschichtliches Ereigniß, denn er bereitete der Bekehrung und Anbetung des Einen, einzig wahren Gottes die erste, veste Stätte auf Erden in Mitte des von ihm erkorenen Volkes; in diesem Tempel fand der Opferdienst des Monotheismus statt zum sichtbaren und lokalen Gegensatz des sonst überall herrschenden Polytheismus unter den Völkern und des Pantheismus in der heidnischen Wissenschaft. Der Tempel bildete also nicht allein den Einheitspunkt der israelitischen Nationalität, — sondern den historischen Angelpunkt der religiösen Weltbildung überhaupt. — Das Opfer hörte auf, — der Tempel siet, die Israeliten wurden zerstreut über die ganze Erde, als die weltgeschichtliche und religiöse Mission der Nation im ersten Stadium erfüllt war. Das Gefäß wurde zerbrochen durch den Drang seines Inhalts, die Deckblätter der Knospe fielen ab, als der Blütenbüschel aufschoß und die Samenkörner der heiligen Aloe reif waren, um vertheilt zu werden unter alle Völker und um nun neue Früchte zu tragen allenthalben. Das Judenthum hat, obschon keine nationelle mehr, doch nicht aufgehört eine religiöse Einheit zu sein, aber nun nur mehr zusammengehalten von der Idee des Monotheismus und der auf ihm beruhenden Ethik. Diese Idee ist jedoch nicht des Judenlhum alleiniges Eigenthum geblieben, dieselbe Idee wird repräsentirt in noch zwei großen Religionsgenossenschaften, im orientalischen Islam und im okzidentalen Christenthum. Diese stehen sich aber in der neuen Weltepoche wieder so polarisch gegenüber wie einst Monotheismus und Polytheismus, und während der Islam schon im Verfalle begriffen ist, beginnt im Christenthum die Fortentwicklung aus dem Glauben in's erkennende Wissen; und wie im Verlaufe der Zeiten Schale um Schate abfällt, geht der Kern der religiösen Erkenntniß in immer reinere Vergeistigung über und die Ethik in zartere Veredlung. Christenthum und Judenthum bilden nur einen scheinbar äußern, — durchaus keinen geistig innern Gegensatz, sie stehen nur historisch als Glieder der Entwicklung über einander. Die fortschreitende, insbesondere deutsche Wissenschaft, deren Einflüsse weder Christenthunr noch Judenrhum sich enrschlagen kann, wird dies deutlicher stets darthun, die Ethik aber ist ihnen ohnehin eine gemeinsame. Hinsichtlich des Monotheismus repräsentirt das Judenthum den geschlossenen, das Christenthum den entfalteten, aber der Berus des Judenthums ist es in seinem zweiten Stadium, stets den Monotheismus in seiner Beschlossenheit so lange im Brenn-