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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-20 · Heft 21 (20.5.1850) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 21 (20.5.1850)
Date
1850-05-20
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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288 punkte zu spiegeln, bis dieTrinitätsanschauung und Auffassung desselben, die dem Christenthume zu Grunde liegt, wissenschaftlich konsolidirt ist, um die theologische Spekulation des Christenthums vor dem polytheistischen Zerfahren zu sichern und zu warnen. Doch hierüber ein andermal, und wir leiten hier auf unser Thema zurück, indem wir die Ansicht aussprechen, daß die deutschwissenschaftlich gebildeten israelitischen Theologen unsere Ansicht des Judenthums theilen und das Vorhaben, den Tempel auf Sion neu zu erbauen für einen Anachronismus halten, dessen Verwirklichung weder eine nationelle noch religiöse — am Wenigsten eine weltgeschichtliche Bedeutung haben könnte. Wir sehen hier von den vereitelten Bauversuchen im Mittelalter natürlich ab und um so mehr von den damit verbundenen Wunderlegenden, und wollten nur darthun, daß eine Restitution in Integrum bei Ereignissen von weltgeschichtlicher Bedeutung undenkbar und absurderscheint. Schon die verunmöglichte Wiedereroberung und Festhaltung des gelobten Landes der Juden und Christen durch die Kreuzfahrer sollte als Aeugniß des Weltgeistes gelten, daß er einen Rückgang in der Geschichte nicht zulaßt und daß es Aufgabe der Weltbildung überhaupt ist, nicht die Lander sondern die Geister zu erobern. — Hat England die Vermittelung zwischen dem Sultan und den Juden wirklich übernommen, so walten hiebei jedenfalls politische und merkantile Interessen ob, und die mißverstandene Sehnsucht wer Juden Amerika's nach Herstellung der nationellen Einheit will von der Krämerpolitik Albions auszubeuten versucht werden. Die Juden Deutschlands hatten wol Mittel genug diesen Plan zu realistren, und an ihrer Aufopferungsfähigkeit darf nicht gezweifelt, — aber von ihrer Weltbildung kann die Einsicht erwartet werden, daß man den Jüngling nicht wieder als Säugling in seine Wiege legen kann, denn er ist berufen auf der Weltdurchwanderung zum Manne zu reifen. Der Jude ist nach der Emanzipation nirgendwo ein Fremdling mehr, er ist der eigentliche nationalfreie Weltbürger, als Einzelner Allen verbunden durch die gemeinsame Ethik, dem Ewigen aber durch seine Erkenntniß des alleinigen und unmittelbaren Gottes; Mitwirken aber soll er an der Befestigung und Durchklärung der religiösen Wahrheit im Kampfe nicht gegen Redlichgleichbestcebte sondern mit ihnen; denn Alten gilt das gemeinsame: Vorwärts! Ein Christ. Bemerkung der Redaktion. Wir geben diesen Artikel als Zeugniß eines aufrichtigen Interesses, welches der ehrenwerthe Vers. hegt. Was die Sache selbst betrifft, so haben wir schon in No. 18 darauf hingewiesen, daß an ihr nichts Faktisches ist, weder daß der Tempel erbaut werden soll, noch daß die amerikanischen Juden Millionen hergegeben. Diese sind am Weitesten davon entfernt. Das orthodoxe Judenthum wird nie einen Tempel in Jerusalem bauen wollen, ohne daß wunderbare Zeichen des Herrn vorangegangen, und dem modernen Judenthum entspricht eine solche Absicht noch weniger. Hinsichtlich der Ansichten des Verf. vom Verhältniß des Judenthums und Christenthums, stimmen wir freilich nicht mit ihm überein. Wir halten das Christenthum für Monotheismus, aber nicht für reinen Monotheismus, sondern der mit Elementen versetzt ist, von denen er sich erst wieder rein machen muß. Der Verf. faßt daher dieStellung des Judenthums zum Christenthum ganz richtig auf, nur daß er von einer wissenschaftlichen Konsolidirung der dem Christenthume zu Grunde liegenden Trinitatsaufsassung spricht, die wir nur als eine Entfernung derselben denken könnten. Anzeigen. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Berlagshandlung. Zum September d. I. wünsche ich einen Hauslehrer zu engagiren, der meine Kinder, von denen das älteste 11 Jahre alt ist, in den Elementen, der französischen und hebräischen Sprache, in Religion und wo möglich auch Musik unterrichte. Nebst würdiger Behandlung offerire ich 20 Stück Friedrichsd'or jährlich, frei Logis und Kost. Reflektirende bitte um möglichst baldige Meldung bei mir unter Einsendung ihrer Zeugnisse. Erwitte in Westfalen, den IO. Mai 1850. E. Schüler. Ein junger verheiratheter Mann, der bereits mehrere Jahre als Kantor und Schächter fungirt, und wegen seiner musikalischen Kenntnisse im Stande ist, ein tüchtiges Chor zu leiten, sucht zu Michaeli e. eine Stelle. Näheres beim Kantor zu Schwerin a/W. Druck von I. B. HirschfeLd in Leipzig.

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