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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-20 · Heft 21 (20.5.1850) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 21 (20.5.1850)
Date
1850-05-20
Page
Seite 283 (sequence 7)
Language
German
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283 neuerer Zeit soll der Lehrer Herr Tucholski in der Synagoge mit Bewilligung des Rabbinen Vorträge halten. Der langen Rede kurzer Sinn ist ohne allzu scharfsinnig zu sein ein Schmähartikel auf Herrn Greiffenhagen von hier. Herr Greiffenhagen sagt der Gesinnung des Korr, nicht zu, d. h. er heißt die Reformbestrebungen desselben nicht unbedingt gut und ist deshalb charakterlos und unsittlich. O, du himmlische Einfalt! Ich lebe seit Jahren in der hiesigen Gemeinde und kann mit der größten Bestimmtheit aussprechen, daß auf der Sittlichkeit des Herrn Gr. nicht der geringste Makel haftet, daß er vielmehr allseitig als ein Ehrenmann galt. Was anders als böswillige Verläumdungen sind es, wenn der Korr, sagt, Herr Greiffenhagen habe den Lobartikel in No. 7 d. Bl. selbst geschrieben und gebärdet sich dabei sehr naiv (der geschätzte Redakteur wird das Gcgentheil bekunden*)), wenn er sagt, die Rabbinen Wolf, Malbim und Feldblum sind nur deswegen gelobt worden, weil sie dem Gr. die Rabbinatsdiplome ausgefertigt haben. Ich nehme hierbei Veranlassung zu bekunden, daß die Rabbinatsdiplvme des Herrn Gr. von den Rabbinaten zu Berlin, Altona (wol mit Recht Autoritäten Deutschlands) und Meseritz ausgefertigt sind. Ueber das Verhalten des Herrn Gr. bei dem Konflikte in Tirschtiegel kann ich ebenfalls Aufschlüsse geben. Der Vorstand der Gemeinde T., dem nur die Minorität der Gemeinde zur Seite stand, führte gegen den Willen der Majorität Reformen beim Gottesdienste ein. Herr Gr., von der Majorität berufen, ging von der Ansicht aus, daß Reformen, sie mögen Namen haben wie sie wollen und das Beste zu erzielen im Stande sein, ihren Zweck verfehlen, wenn sie der Majorität aufgedrungen werden sollen, was nach Lage der jetzigen Gesetzgebung auch nicht möglich ist. Eine jede religiöse Einrichtung, namentlich beim Gottesdienste, muß von der tiefem Idee und dem innern Gefühle der überwiegenden Majorität getragen und gestützt werden. Ist die Fortschrittspartei in der Minorität, so muß sie ruhig die Zeit abwarten, bis die Idee des Fortschritts die Majorität durchdrungen. Mit Gewalt und unnöthiger Requisition der Polizei ins Gotteshaus (schöne Andacht!) wie in S.. läßt sich hier, wie jeder Vernünftige einsehen wird, Nichts thun. Der Konflikt in T. artete in reine Persönlichkeit aus und verdient als Weiberkrieq der Gemeinde T. in den Annalen der jüdischen Geschichte verzeichnet zu werden. Von diesem Faktum läßt sich also nicht schließen, daß Herr Gr. dem vernünftigen Fortschritt abhold sei. Einen bessern Maßstab seiner Gesinnung liefert sein fast 30jähriges Wirken in hiesiger Gemeinde. Hier war es als Gemeindebeamtcr und Gemeindevorsteher stets sein Bestreben, die Gemeinde vorwärts zu führen. Daß seine Pläne nicht immer gelingen, liegt, wie in den meisten Gemeinden unserer Provinz, daran, daß die Majorität der Gemeinde nicht zu jedem Fortschritte geneigt ist. Die Zeit muß hier noch viel thun; das jüngere Geschlecht ist unsere Hoffnung. Indem wir alles bestehende Alte mit eiliger Hast niedcrreißen wollen, verlieren wir den Boden zur Aussaat für die Zukunft und die Ernte muß sehr mißlich ausfallen. Fort mit der verderbenbringenden Hast eines Wolkenbruches oder Sturmes. 2. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Wien, 9. Mai. Kein Land bietet für die Israeliten jetzt vom Standpunkt der bürgerlichen Stellung so viel Interessantes, als der große Komplex mitteleuropäischer Länder, der dem Kaiserszepter zu Wien unterworfen ist. Welche Kontraste bieten sich hier dar! Der oberste Grundsatz der Gleichstellung noch neben den kleinlichsten Hindernissen der Lokalitäten! Welch verschiedenartiger Ausspruch des Geistes hier und dort! Jndeß kann man nicht leugnen, daß von Staatsseiten der große Prozeß der Gleichstellung, der hier durchgemacht wird, möglichst zu erleichtern, gestrebt wird. Wir sammeln die Fakta emsig, um der Gegenwart die Anschauung der obwaltenden Schwierigkeiten, der Nachwelt das Bewußtsein der überwundenen Schwierigkeiten zu verschaffen, stellen da aber gern die Gegensätze neben einander. Krakau, 30. April. (Lloyd.) Unser Stadtrath verfolgt in seiner Konsequenz die bekannte und schon oft zur Sprache gekommene Judenangelegenheil bis zu den äußersten Konsequenzen. Sich stützend auf ein hohes Ministerialreskript vom Dezember v. I., welches besagt, daß die Wiedereröffnung der in dem bisher *) Geschieht hiermit. Redaßt.

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