Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1850)
- Date
- 1850-05-20
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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881 rta,’K tmrtai a-in baion yina erklärt er: draußen im auf dem Handel wüthet das Messer um riis'no damit zu essen und iu den Schulen v^-inn) die Furcht vor Inspektor und Schulbehörde, und die Religion wird um des Profanen willen zurückgesetzt. (Heiliger «w p» bitt für uns!) Für heute von diesem säubern Herrn genug. Sollte er aber fortfahren in seinen heuchlerischen und gehässigen Verfolgungen gegen die Kämpfer für Licht und Freiheit, so wollen wir später auch seinen Handel und Wandel und seine Skandale der Oeffentlichkeit übergeben, was wir bis jetzt blos unseren Glaubensgenossen zu Liebe unterlassen haben. Da aber der Leser nicht gern bei solchen Schattenbildern verweilt und ihn leicht ein Schauer vor solch finsteren Gespenstern anwandeln dürfte, besonders wenn er es in so später Abendstunde lesen sollte als ich es schreibe, so will ich ihm noch ein Lichtbild vorführen und ich bin sicher, er findet mehr Gefallen an dem Laien als an dem geistlichen Haupte. Der geneigt« Leser begleite mich gefälligst an die prächtigen Gestade des Gensersees, fahre schnell mit mir hinüber und gehen wir gerade in die schöne Stadt Genf hinein. Dort findet sich eine kleine Judengemeinde von circa 20 Familien. Herr Auerbach, ihr Lehrer, Prediger, Schächter, kurz ihr Faktotum, der sehr fleißig französisch predigt, ist sehr geachtet vom israelitischen und christlichen Publikum. — Herr Vorsteher Wolf, ein Mann, der durch seinen Ungeheuern Fleiß (bei dem er nie gegen die Loyalität zu handeln sich erlaubte) sich in Genf ein großes Haus gegründet, verdient um so eher öffentliche Anerkennung, als er nicht nur in seinem Privatleben sehr reell, wohlthätig und liebenswürdig ist, sondern auch als Vorsteher der Gemeinde, welches Amt er jetzt seit neun Jahren bekleidet, sich bedeutende Verdienste erworben hat. Die Gemeinde steht ökonomisch vortrefflich und thut an Armen viel Gutes, d. h. nicht an genfer israelitischen Armen, denn unter diesen befinden sich keine Hilfsbedürftige, sondern an Auswärtige. Ich weiß selbst davon zu erzählen. Als wir letzten Winter für einen jüdischen Flüchtling (denen wir hier große Opfer bringen mußten) Reisegeld nach Amerika brauchten und uns auch an die jüdische Gemeinde in Genf wendeten, schickte Herr Wolf mit umgehender Post 50 französische Franken. Die Einrichtungen, die unter Herrn Wolf getroffen worden sind, haben die kleine Gemeinde ökonomisch und moralisch bedeutend gehoben und ihr in den Augen der Oeffentlichkeit Achtung erworben. Ueberhaupt dürfte diese Miniatur-iibrrp mancher großen als Muster dienen in sehr vielen Beziehungen. DerGewerbfieiß, nicht nur im Handel, sondern auch in den hier üblichen Gewerbszweigen, Horlogerie, Bijouterie, Gravüre rc. ist ausgezeichnet. Ich kenne unter den Juden in Genf keine lässige Hand. Im zwölften Jahre schon arbeitet der Knabe wie das Mädchen recht wacker. Der blühende Zustand dieser Gemeinde muß aber noch um so mehr Bewunderung erregen, wenn man bedenkt, daß diese, und cs ist noch gar nicht so lange her, eine der verrufensten und verwahrloststen war. Noch eine andere Persönlichkeit in Gens verdient hervorgehoben zu werden. Herr N. Bloc, directeur du conservatoire de musique, ein Mann von eminenten Kenntnissen, von kernhafter und gediegener Bildung und biederm, edlem Charakter, der die Achtung aller Edlen in Genf genießt und in großem Ansehen steht und dessen Herz warm schlägt für das Wesen und die Interessen des Judenthums und der Herrn Wolf in seinen edlen Bestrebungen stets ermuthigt. Möge er ihn nur auch ermuthigen, sein Amt als Vorsteher noch lange zu behalten. Als noch vor sieben Jahren die dortige Regierung keine öffentliche Synagoge in der Stadt Genf duldete und die dortigen Juden in das '/r Stunde entfernte Carouge in die Synagoge mußten, gründete Herr Wolf eine Synagoge in seinem eigenen Haufe. Als aber die Gemeinde damals einen Prediger und Kantor anstellte, in der Person des oft benannten Herrn Lehrers Dreifuß aus dem Aargau, da wurde durch das Gesuch des Letzter» um die Niederlassung die Sache ruchbar und die Regierung wollte den Prediger ausweisen und die Synagoge schließen. Durch die kräftige Verwendung der Herren Bloc und Wolf unterblieb das Letztere nicht nur, sondern es wurde die Erlaubniß eine öffentliche Synagoge zu haben zugleich bewirkt. Den edcln, liebenswürdigen (Christen) vr. med. Gosse dürfen wir nicht vergessen, der so warmes Interesse am Judenthume nimmt; ein Mann de baute montee, ein wahrer Philantrop, der aber auch alle irdischen Güter, die einen Menschen beglücken können, in reichem Maße besitzt, ist den Israeliten in Genf