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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-20 · Heft 21 (20.5.1850) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 21 (20.5.1850)
Date
1850-05-20
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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280 geschöpf zu sein, daß er beide Richtungen in sich herbergt, Ln's Individuelle hinein und in's Allgemeine hinaus. So gehört der Mensch der Scholle an, auf die er sich eingepflanzt, und der Menschheit, welche die Erde beherrscht. Wenn also die Geschichte ganz besonders an dem Stamme der Juden diese Eigenschaft erzogen und bewährt hat, wenn sie ganz besonders an ihm dieses Experiment verwirklicht hat, ihn Ln Stücke zu zerschlagen, die Stücke unter die Völker zu streuen und da Ln den Einzelbau der Völker einzufugen, dennoch aber noch eine sympathetische Metallader durch alle diese zerschlagenen und verbauten Stücke hindurchzuführen — so müssen wir dieses Zweckes der Geschichte uns bewußt machen, und ihn mit klarem Bewußtsein verfolgen. Wir haben ein Recht und eine Pflicht, in den Nationen als integrirende Theile derselben zu leben, und wir haben ein Recht und eine Pflicht, kosmopolitisch zu sein, d. h. den höchsten Jntereffen der allgemeinen Menschheit zu leben, ihnen nicht entgegen-, sondern für sie zu streben. Und in dieser höher» Idee mag uns das Jntereffe für die Glaubens- und Stammesgenoffen, wie es geschichtlich erwachsen, und psychologisch begründet ist, noch besonders gerechtfertigt erscheinen. Zeitungsnachrichten. Die Schweiz. Bern, 20. März. sPrivatmitth. Verspätet.*)^ Freitag den 8. d. M. erhielt Herr Professor Dr. Valentin vom hiesigen Großen Rathe mit 73 gegen 27 Stimmen unentgeldlich das Kantonsbürgerrecht und ist somit nach der neuen Bundesverfassung auch Schweizerbürger geworden. Das Ortsbürgerrecht erhielt er im katholischen Dorfe Miscur (im Jura). Bei der Debatte über diesen Punkt verfochten die katholischen (jurasischen) Großrälhe die Toleranz weit kräftiger als die reformirten. Hauptsächlich waren es die Patrizier, welche gegen diesen Akt der Humanität Bedenken erhoben, aber dennoch nicht wagten gegen den Petenten selbst Etwas zu sagen und nur vor derKonsequenz in Beziehung der Juden im Allgemeinen warn¬ *) Es ist dies die in vor. Nr. noch vermißte Korrespondenz. Redakt. ten. Treffend erwiderte Herr Regierungsrath Dr. Schneider (der edle Menschenfreund und stete Vorkämpfer für Recht und Wahrheit), daß demnach Christus bei solchen Befürchtungen das berner Kantons bürgerrech*t nicht erhalten könne. Auch andere wackere Redner sprachen warm für den Petenten und unter Anderm auch für die Emanzipation der Israeliten, z. B. Herr Oberst Kurz, Herr Regierungsrath Stockmar u. A. Im Aargau hingegen sieht's in Beziehung der Stellung der Juden noch recht trübe aus. Die Juden haben beim Verfaffungsrathe um die Emanzipation petitionirt. Aber bis jetzt hat wenigstens die Verfassungskommission dieses Gesuch nicht gehörig gewürdigt und die katholische und reformirte Kirche allein gewährleistet, wie die alte Verfassung schon; die Synagoge wird ignorirt. Ob der Verfassungsrath anders handeln werde gegenüber den Juden? Wir möchten's gerne glauben. Doch es wundert uns wahrlich gar nicht. Die Vorgänge in Endingen, wo sich der Rabbiner in einer öffentlichen Gemeindeversammlung fast offen gegen die Emanzipation aussprach, vorschützend: er lasse sich dieReligion nicht nehmen, und dergleichen Albernheiten sind nicht geeignet auf das christliche Publikum (das auch hier den Juden nicht grün ist) einen günstigen Eindruck zu machen. Bei dieser Gemeindeversammlung, in welcher es ziemlich warm herging, indem die jüngere Generation doch nicht mehr Alles von diesem Rabbi und den alten aristokratischen Chasidim und Morenus hinnimmt, und kräftige Opposition machte, in dieser Gemeindeversammlung, sage ich, stand es Herrn Lehrer Dreifuß und seinem Kollegen Mos. Guggenheim sehr nahe zur Thüre hinausgeworfen zu werden. Diese Beiden wagten es nämlich laut und kräftig der Wahrheit und der Emanzipation das Wort zu reden. Aerger noch hat es dieser soit elissnt Rabbi mit dem dortigen jüdischen Gesangverein getrieben. Er predigte wiederholt gegen dieses Institut und besonders heftig als der Verein sich erfrechte, am Freitag Abend durch einen Christen Lichter anzünden zu lassen. Er ließ deshalb auch wieder den Lehrer Dreifuß vor das Sittengericht zitiren, wo dieser ihm aber gehörig Rede stand. Nur noch ein Wort über die Exegese in der Predigt dieses Rabbi.

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