Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1850)
- Date
- 1850-05-13
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Italien. Turin» im April. Der 29ste März, der Jahrestag der Emanzipation unserer sardischen Glaubensgenossen war für diese ein Tag der Freude. Auf die Einladung der Zcntralkommission ist er in allen Synagogen des Landes feierlich begangen worden; in der Hauptstadt hat man bei dieser Gelegenheit zwei Säulen mit passenden Inschriften, die eine hebräisch, die andre italienisch, eingeweiht; eine schone hebräische Hymne, vom Großrabbinen von Piemont, Cantoni, verfaßt und von Luigi de Macchie in Musik gesetzt, wurde vorzüglich abgesungen. Der Tempel flammte von tausend Kerzen, ein großes Publikum gab dem Feste eine besondere Würde; die Predigt des Großrabbinen machte liefen Eindruck. Gaben zu Gunsten der italienischen Emigration krönten das Fest auf würdige Weise. In der Thal kann man sich einem tiefen Mitgefühl nicht entziehen, wenn man bedenkt, daß in demselben Lande, wo dieses Fest der Befreiung gefeiert worden, noch vor zwei Jahren unsere Glaubensgenossen unter dem Joche des grausamsten Druckes seufzten; wenn man die Umwandelung bedenkt, welche in den Gesetzen Sardiniens in einem so kurzen Zeiträume in ihrer Betracht vor sich gegangen. Gestern verachtet, geschändet, der öffentlichen Rechte beraubt, aus der allgemeinen Gesellschaft ausgeschlossen, heute ihren christlichen Mitbürgern gleichberechtigt. Wir können übrigens dieser Emanzipation desto sichrer sein, je mehr die piemontesischen Israeliten unmittelbar begriffen haben, daß aus dieser Gleichheit der Rechte für sie auch eine Gleichheit der Pflichten erfließe: sie haben mit Hingebung die Verpflichtungen, die Lasten übernommen, welche ihnen die Freiheit auferlegt. Im ersten Augenblick schon haben sie sich durch ihre Thätigkeit, ihre Intelligenz, ihren Patriotismus ihren Mitbürgern gleichgestellt; einer von ihnen sitzt bereits im Parlament, mehrere in den Gemeinderäthen; zu gleicher Zeit sind sie dem Kultus ihrer Väter treu geblieben, sie haben sich gemäßigt, würdig in dem Genüsse ihrer neuen Rechte gezeigt, und haben nicht gewollt, daß, eben befreit, sie untreu dem Gotte ihrer Vater gefunden werden. Es ist dies einer jener erbauenden und tröstenden Anblicke, die den modernen Menschen gezeigt werden, um zu verhindern, daß in Gegenwart der Ausschreitungen des Absolutismus und der Ausschreitungen der Demagogie, die Entmuthigung sich der tieffühlendsten Geister bemächtige. (Areb. isr. de Fr.) Frankreich. Paris, im Mai. (Arch. isr. de Fr.) Der Minister der Kulte beschäftigte sich wohlwollend mit dem Schicksale der rabbinischen Schule in Metz. Er hat an das Zentralkonsistorium geschrieben, um seine Meinung Betreffs des alten Plans, diese Schule nach Paris zu verpflanzen, zu erfahren. Das Zentralkonsistorium zog ihn von Neuem in Berathung, aber hielt die gegenwärtigen Zustände zu wenig günstig, um von der Regierung die Ausgaben zu verlangen, welche eine solche Anstalt im Schooße der Hauptstadt erfordert; eS beschränkte sich gegenwärtig eine Vermehrung der Unterstützung nachzusuchen, die dieser Schule all die moralischen und materiellen Vortheile verschaffe, welche ihr noch fehlen und die ihr unentbehrlich sind. Hierzu macht die Redaktion der Areli. folgende Bemerkung, die viel zu denken giebt, da sie die Zukunft der Synagoge auch in Frankreich anders zeigt, als diese jetzt ist. Sie lautet: „Was die Zöglinge betrifft, welche diese Schule gegenwärtig besuchen, oder welche auf dem Punkte stehen, in sie einzutreten, es wäre gut, daß sie ernstlich an ihre Zukunft dächten. Die Frage der Trennung der Kulte und des Staates beschäftigt die Journale von Neuem, und ein Schriftsteller von ungeheurem Talente, der sich bis jetzt hinsichtlich des Katholizismus, dessen mehrste Organe dieser Trennung entgegen sind, sehr zurückhaltend gezeigt hat, hat den Rubikon überschritten und sich offen zum Anhänger derselben erklärt. Es ist dies ein ernster Umstand, denn das Organ des Publizisten, auf den wir anfpiclen, hat einen großen Einfluß, und es braucht Nichts, als daß die Meinung, die jetzt durch die „Fresse" und den „8emeur" unterstützt, und von Lamartine getheilt wird, eines Tages siegreich würde, und unsere Rabbinen würden dem Mangel ausgesetzt sein: es ist an ihnen sich hierauf vorzubereiten, indem sie ihre Studien kräftigen, den Kreis ihrer Kenntnisse ausdehnen und sich neue Ansprüche auf die öffentliche Achtung erwerben." „Sicher hat unser Kultus von solcher Entscheidung nicht mehr zu fürchten als die anderen; vielleicht hat