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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-13 · Heft 20 (13.5.1850) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 20 (13.5.1850)
Date
1850-05-13
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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269 dem D-rwurf der Lüge in dem Dilemma des Epimemdes. „Alle Kreter sind Lügner!" sagte Epimenides. Er aber war selbst ein — Kreter." Aber wie? fügen wir hinzu. Wenn es bei dem Herrn v. Bismark doch noch tiefer läge? Wenn er mit diesem Vorwurf nur einem geheimen Grolle Luft schaffte, den «c während der ganzen Session in der ritterlichen Brust trug? Herr v. Bismark mußte während derselben einem Fahnenträger folgen, und'das war ein Jude — Stahl; und einem Präsidenten gehorchen, und das war ein Jude — Simson. Nun, das wurmte, und da ec daher Zegen die Juden losfahren mußte, wählte er die — Journalisten dazu. Einen Anhalt hierzu giebt was die Magd. Ztg. aus Erfurt berichtet: „es lief vom Herrn von Bismark folgende Aeußerung um: Was würde mein Großvater sagen, wenn er erlebt hatte, daß ich hier als Sekretär in den Diensten eines jüdischen Gelehrten stehe!" Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hannover. 27. April. Das Eidesgesetz ist publizirt. Die Eidesformel soll lauten: „Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daßrc. So wahr mir Gott helfe und sein heiliges Wort." Für Juden lautet sie: „Ich schwöre bei dem Namen des Herrn, des Allwissenden und Allgerechten, des heiligen Gottes Israels, daß rc. So wahr mir helfe Gott der Herr." (Man sieht, man hat bei den Juden die Formel nur etwas mittelalterlicher machen wollen — denn was hat man für einen Grund, zweimal den „Herrn" in die Eidesformel hineinzubringen? Ist nicht 'Dis nur eine Aushilfe, um 'n nicht auszusprechen?) Berlin, 1. Mai. In Bezug auf den kürzlich erwähnten Vorschlag zur Vereinfachung des jüdischen Eides bemerken wir, daß den Behörden noch andere, nicht ganz so weit gehende Vorschläge vorliegen, wonach der Gebrauch der Ritualien, als der Händewaschung und Bedeckung des Hauptes dem freien Willen des Schwörenden überlassen bleiben, die Eidesformel lauten würde: „Ich schwöre bei Adonai, dem Allmächtigen und Allwissenden u. s. w> so wahr mir Gott helfe. Amen!" und statt der Tephillim die heilig« Schrift von dem Schwörenden in die Hand zn nehmen wäre, wie dies bereits gegenwärtig bei der Abnahme von Judeneiden an jüdischen Sonn- und Festtagen vor dem hiesigen 'Kriminalgericht geschieht. Di« obige Eidesformel stimmt im Wesentlichen mit der in Hannover eingeführten überein. —. Der 17te Jahresbericht über das jüdische Waisenerziehungsinstitut für Knaben, zu Berlin, von Herrn Baruch Auerbach geleitet, ist von demselben ausgegcben. Das Institut, welches 1833 mit 4 Knaben eröffnet wurde, zählt jetzt deren 18. Seil den 17 Jahren des Bestehens sind 57 Knaben darin verpflegt und erzogen worden. — Die Stiftungsfeier findet Mittwoch den 8. Mai, Abends 6 Uhr, im Institut, Roßstraße 12, statt. —. (Voss. Ztg.) Die religiösen Kämpfe in der hiesigen bisher durch Intelligenz und Reichthum hervorragenden jüdischen Gemeinde sind noch immer im starken Zunehmen. Besonders unterliegen die als willkürlich und anmaßend bezeichneten Maßregeln des provisorischen Vorstandes den heftigsten Angriffen. Jene Maßregeln tragen allerdings theilweise einen sehr eigenthümlichcn Charakter, so daß die Schuldeputation bereits dagegen eingeschritten ist. Den stärksten Tadel erfährt der Plan, die Armenschulkinder, wie man sich ausdrückt, in Entreprise zu geben. Die Armenschulkinder besuchten nämlich bis jetzt mit allen Kindern der jüdischen Gemeinde gemeinsam die hiesige Auerbachschc Schule. Jetzt hat man sie dort fortgenommen und einem Manne übergeben, welcher ein bedeutendes Gehalt empfängt (Herrn Harwitz für 1606 Thlr.), wofür er das ganze Institut unterhalten und seine Hilfslehrer selbst wählen soll. — Die orthodoxe Partei der Gemeinde schicke jetzt besondere Agenten aus, welche umhergehen müssen, um bald Stimmen für die bevorstehenden neuen Repräsentantenwahlen, bald Kinder für die neu einzurichtenden orthodoxen Anstalten zu werben. —. Die städtische Schuldeputation hat in neuerer Zeit auch Lehrer in ihre Mitte ausgenommen, damit dieselben, theils an der Organisation des Schulwesens sich mit ihren Erfahrungen bethätigen, theils wahrnehmen können, in welcher Weise ihre eigenen Interessen gehandhabt würden. Dies System hat sich trefflich bewährt. Zur konfessionellen Vervollständigung desselben war in neuerer Zeit vorgeschlagen, es möge

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