Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1850)
- Date
- 1850-05-13
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
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268 Buschweiler figurirm zu sehen; mit einer gewissen Wollust wird der Akzent immer auf dieses Beiwort gelegt, wahrend doch allein seine Person, wenn sie schuldig befunden, den Abscheu verdiente? Wie? fällt es Einem etwa ein, den Menschen Buschweiler zu vertheidigen? den Verbrecher Buschweiler nicht der Anklage und Vertheidigung so weit preis zu geben, wie sie es verantworten zu können vermeinen? Aber da sie Niemanden als Katholiken, als Protestanten, als Deutschkatholiken oder der freien Gemeinde angehörig bezeichneten, warum immer „Jude" und alle drei Zeilen „Jude"? Hiegegen müssen wir protestiren. Ein Schreiben aus Posen, das uns soeben zugekommen, spricht sich darüber folgendermaßen aus: „Mit höchst trauriger Ueberraschung haben wir aus den Verhandlungen des Auerswald-Lichnowsky'schen Prozesses vor den Geschworenen zu Hanau ersehen, wie der dortige Rechtsanwalt und die dortigen Vertheidiger ausnahmsweise und ausschließlich nur bei dem abwesenden Buschweiler, dem keine Thaterschaft unterstellt», sondern nur ein noch nicht erwiesenes Aufmuntern der Angeklagten zur Last gelegt werden konnte, die Konfession desselben bezeichnen und denselben wechselsweise „Juden" oder „Judenlehrer" nennen, während eine derartige Konfessionsberührung bei allen übrigen Schuldigen nicht stattgefunden, obschon gegen mehrere der objektive Thatbestand des Verbrechens theils durch eigenes Geständniß, theils durch klassischen Zeugenbeweis vollkommen hergestellt, und mit Evidenz erhellet, und andere als ältere, abgehärtete Bösewichte und Meineidige dastehen, hinter denen ein überaus beflecktes Leben liegt. Für die gedachte Konfessionsbezeichnung gerade bei Verhandlungen — wo die Rechtsgleichheit allein leitende Idee sein muß —haben der Staatsanwalt und die Vertheidiger eine recht empfindliche Abfertigung um so mehr verwirkt, als sie dadurch ein, schon der Vermoderung verfallenes Vorurtheil, als ob bei den Juden das Verbrechen an das Judenchum geknüpft wäre, von Neuem heraufbeschwören, die Geschworenen gleichsam zum Judenhaß auffordern, und den Juden selbst die erst unlängst errungene Gleichstellung mit den Christen menschenfeindlich verkümmern." Fürwahr, es ist betrübend, zu sehen, wie deutsche Richter, deutsche Necbtsverstandige und Sachwalter sich von der, mit der Muttermilch eingesogenen schrecklichen Gewohnheit nicht trennen können, den „Juden" hervorzuheben, wo sie ihn nur treffen, und so in doppelter Beziehung ihn dem Hasse zu überantworten, und so mit ihm die Glaubensgenossenschaft dem Hasse zu überant- Worten!- 2. Man kennt den Streit, den der Herr v. Bismark in Erfurt mit den Journalisten gehabt. Was ging daraus hervor^ Zunächst, weil sich der Herr nicht helfen konnte, eine Beschimpfung der Juden. Weil sich der Herr in der Klemme fühlt, sucht er sich so zu retten, daß er seine Gegner für Juden erklärt. Doch können wir nicht beißender antworten, als mit einem Artikel in der Magdeb. Ztg. Es heißt da: „Die „N. Preuß. Zeitung" bringt gestern eine Rechtfertigung des Herrn v. Bismark-Schönhausen in der erfurter Journalistenfehde. Diese Artikel bestätigen, was wir früher über die nothwendige Stellung des Herrn v. B. zur Presse gesagt haben, vollkommen, — umsomehr, als dieselben glaubhaftem Vernehmen nach aus der Feder des edeln Herrn selbst geflossen sind. Ein Mann, dessen literarische Bildung schwerlich weiter geht, als die Kmntniß von der Dressur der Jagdhunde und von der Pferdezucht fordert, und der seine literarischen Bekanntschaften aus dem Kreise Ohm-Gödsck,e zu wählen gewohnt ist, kann sich zur Presse füglich nicht anders stellen, als Herr v. Bismark gethan; und wenn das Parlament ihn, der einen Marstall zu beaufsichtigen befähigt ist, mir der Ueberwachung der Parlamentspublizistik betraute, so mußte es ihn auch vertreten, wenn er so handelte, wie sein innerer und natürlicher Beruf ihm eingab. — Den Herren Roerdanz und v. Rochau werfen jene Artikel Lügen vor. Das wird der Verfasser mit jenen Herren auszumachen haben. Wenn aber behauptet wird, die Journalistentcibüne sei nur von ungebildeten Juden besetzt, so erhellt die Wahrhaftigkeit dieser Angabe aus der einen Thatsache, daß unter den Unterzeichnern des Protestes sich ein einziger Jude befindet, Herr Kassel. Inwiefern dieser zu den Ungebildeten gehört, darüber geben vielleicht seine in der gelehrten Welt für klassisch geltenden literargeschichrlichen und historischen Forschungen Aufschluß, — Studien, die allerdings Herrn v. Bismark bei seinen ausschließlich hippologischen Bestrebungen fremd geblieben sein mögen. Sonst ist nur noch Dr. Frensdorf, der Mitarbeiter der „Jndöpendance Belge", jüdischer Abkunft, dessen Christenthum übrigens Herr v. B. ebenso wenig als das des Professor Stahl bestreiten wird. Ist es nun anders begründet, daß Herr v. Bismark der Verfasser der fraglichen Artikel der „N. Preuß. Zeitung" ist, so befindet er sich diesen Thatsachen gegenüber mit